8. Oktober 2013
Staatsoper im Schiller-Theater

Der schöne Schein

Tcherniakov, Barenboim und die gesamte Sängerbesetzung bringen Rimsky-Korsakows Zarenbraut zum Leuchten

Programm

Nikolai Rimsky-Korsakow
Die Zarenbraut

Mitwirkende

Staatsoper Unter den Linden
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung und Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov
Kostüme: Elena Zaytseva
Licht: Gleb Filshtinsky
Video: Raketa Media
Chor: Rustam Samedov
Dramaturgie: Detlef Giese

Sobakin: Anatoli Kotscherga
Marfa: Olga Peretyatko
Grjasnoj: Johannes Martin Kränzle
Maljuta-Skuratow: Tobias Schabel
Lykow: Pavel Černoch
Ljubascha: Anita Rachvelishvili
Bomelius: Stephan Rügamer
Saburowa: Anna Tomowa-Sintow
Dunjascha: Anna Lapkovskaja
Petrowna: Carola Höhn
Ein junger Bursche: Dmitri Plotnikov
Ein Dienstmädchen: Anna Charim
Ein Ofenheizer: Peter Krumnow

Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor und Komparserie

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Der schöne Schein

Tcherniakov, Barenboim und die gesamte Sängerbesetzung bringen Rimsky-Korsakows Zarenbraut zum Leuchten

Von Heiko Schon / Fotos: Monika Ritterhaus


Die Zauberbraut - Staatsoper Berlin
Ensemble
Foto: Monika Ritterhaus

Zuletzt war es still um die Berliner Staatsoper geworden. Bald zu still. Im komischen Genre konnte sie keinen Stich machen; durch die vielen Koproduktionen und Übernahmen litt das künstlerische Profil; das Debüt von Hans Neuenfels (Die Pforten der Liebe) fiel mau aus, und der neue Ring des Nibelungen entpuppte sich als szenischer Rohrkrepierer. Passend dazu rangiert das Haus in der jüngsten Umfrage der Opernwelt unter ferner liefen - im Gegensatz zu Deutscher und Komischer Oper. Nun aber wird es wieder bergauf gehen. Ganz bestimmt. Mit Andrea Breth (Regie: Katja Kabanowa) und Sasha Waltz (Regie & Choreographie: Tannhäuser) konnte die Staatsoper gleich zwei Besetzungscoups landen. Zudem dürften selbst die Münchner und Wiener bald neidisch zu uns rüberschielen, wenn Anna Netrebko und Plácido Domingo gemeinsam (!) in Verdis Troubadour auftreten.


Die Zauberbraut - Staatsoper Berlin
Anna Lapkovskaja (Dunjascha), Olga Peretyatko (Marfa)
Foto: Monika Ritterhaus

Dass mit Rimsky-Korsakows nur selten gezeigter Zarenbraut ein außerordentlich glücklicher Start in die neue Saison hingelegt werden konnte, hat gleich mehrere Gründe: Regisseur Dmitri Tcherniakov, der hier bereits Boris Godunow und einen sensationellen Spieler im eigenen Bühnenbild in Szene setzte, legt den kleinen Finger in die richtige Wunde und skizziert ein Russland des schönen medialen Scheins, in der Verblendung alles ist - und die Selbstbestimmung reine Illusion. In einem extra für diese Produktion vom ZDF ausgeliehenen Fernsehstudio werden Videoclips eines Zaren gedreht, der in Wahrheit gar nicht existiert. Medien machen Machthaber - so weit, so zutreffend. Auch sonst hat Tcherniakov seine Hausaufgaben gemacht: Seine Personenführung ist so spannend wie klug durchdacht, und die Sänger spielen, als ginge es um ihr Leben.


Die Zauberbraut - Staatsoper Berlin
Pavel Černoch (Lykow), Anatoli Kotscherga (Sobakin), Anna Tomowa-Sintow (Saburowa),
Johannes Martin Kränzle (Grjasnoj), Carola Höhn (Petrowna)
Foto: Monika Ritterhaus

Selten dürfte Anita Rachvelishvili so gut gewesen sein, so eins mit sich, der schwarzen Carmen-Mähne und ihrer herbschönen, dunklen Stimme wie an diesem Abend, als Racheengel Ljubascha. Olga Peretyatko ist eine zuckersüße Marfa, so höhenstrahlend und strahlend schön zugleich, dass sie einen schier um den Verstand singt/bringt. Johannes Martin Kränzle ist ein exzellenter Grjasnoj, mit vollem Ton und Kalaschnikow-Vibrato; Pavel Černoch singt den Lykow mit herrlich aufblitzendem Tenor, aber auch Stephan Rügamers schlitzohriger Bomelius, Anatoli Kotschergas bärbeißiger Sobakin sowie Anna Tomowa-Sintows auratische Saburowa gefallen in ihren Rollen ohne Wenn und Aber. Unter dem Dirigat von Daniel Barenboim spielt die Staatskapelle Berlin einen Rimsky-Korsakow auf, der Drive hat, vielfarbig ist und einfach Lust auf mehr macht. Eine Überraschung. Eine Entdeckung. Ein Ereignis.



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