13. Februar 2013
Deutsche Oper Berlin

Darf ich Britten?

Mit Peter Grimes startet die Deutsche Oper Berlin ihren Benjamin Britten-Zyklus

Programm

Benjamin Britten
Peter Grimes

Mitwirkende

Deutsche Oper Berlin
Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: David Alden
Bühne: Paul Steinberg
Kostüme: Brigitte Reiffenstuel
Licht: Adam Silvermann
Choreographie: Maxine Braham
Chöre: William Spaulding
Dramaturgie: Angelika Maidowski

Peter Grimes: Christopher Ventris
Ellen Orford: Michaela Kaune
Balstrode: Markus Brück
Auntie: Rebecca de Pont Davies
1. Nichte: Hila Fahima
2. Nichte: Kim-Lillian Strebel
Bob Boles: Thomas Blondelle
Swallow: Stephen Bronk
Mrs. Sedley: Dana Beth Miller
Pastor Adams: Clemens Bieber
Ned Keene: Simon Pauly
Hobson: Albert Pesendorfer

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin

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Darf ich Britten?

Mit Peter Grimes startet die Deutsche Oper Berlin ihren Benjamin Britten-Zyklus

Von Heiko Schon / Fotos: Marcus Lieberenz


Peter Grimes - Deutsche Oper Berlin
Foto: Marcus Lieberenz

Das wurde aber auch Zeit. Vermutlich weiß man noch nicht einmal an Berlins Musiktempelanlagen, weshalb man vor den Opern Benjamin Brittens Reißaus nahm. An der Komischen Oper verabschiedete sich Chefregisseur Harry Kupfer vor zehn Jahren mit The Turn of the Screw. Der Abend fand sein Publikum und hielt sich auffällig lange im Repertoire, was man von den darauf folgenden Produktionen Peter Grimes (Regie: Katja Czellnik) und Albert Herring (Regie: Willy Decker) nicht behaupten konnte. Obwohl die deutsche Sprache gut zu seinen Werken passt, mottete man Britten anschließend wieder ein. Noch düsterer sah es an Staats- und Deutscher Oper aus. Jedenfalls bis jetzt. Als Donald Runnicles den Posten als Generalmusikdirektor antrat, ließ er durchsickern, dass seine Pläne auch einen Benjamin Britten-Zyklus an der DOB vorsehen. Und weil der Komponist in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, kann es nun endlich losgehen…


Peter Grimes - Deutsche Oper Berlin
Foto: Marcus Lieberenz

Dass man für die Regie von Peter Grimes David Alden verpflichtete, mag auf den ersten Blick etwas irritieren: Eigentlich gilt der Amerikaner wegen seiner poppig inszenierten Händel-Opern eher als Spaßvogel. In den neunziger Jahren durfte sich Alden an der Bayerischen Staatsoper regelrecht austoben. Auch in Berlin ist er kein Unbekannter. Nach Tamerlano und Alcina an der Komischen Oper schaffte Alden den Sprung an die Staatsoper und brachte dort Rossinis Il Turco in Italia heraus. Mit seinem Wechsel an die Deutsche Oper ist nun Schluss mit lustig. Nun ja, das stimmt nicht so ganz, denn der Ernst des Lebens begann dann doch schon etwas früher. Ganze vier Jahre hat dieser Peter Grimes auf dem Buckel (Produktion der English National Opera in Koproduktion mit De Vlaamse Opera und Opera de Oviedo). Doch Alden führte die Proben der Neueinstudierung höchstpersönlich durch, nahm sogar einige Anpassungen vor, was man dem Abend eben auch ansieht. Etwa an der fantasievoll-schlüssigen Bewegung der Figuren. Oder an den sich stets weiterentwickelnden, facettenreichen Charakteren. Und eben auch an der kongenialen Verschränkung zwischen Handlung und Handlungsort, zwischen Regie, Ausstattung und Licht. Dabei verliert Alden nie den Blick fürs Wesentliche: keine Schnörkel oder Selbstgefälligkeiten - weniger ist mehr!


Peter Grimes - Deutsche Oper Berlin
Foto: Marcus Lieberenz

Das wissen natürlich auch die Solisten zu schätzen. Christopher Ventris ist ein idealer Peter Grimes, und zwar stimmlich wie darstellerisch; Michaela Kaune scheint mit der Ellen Orford gar eine neue Paraderolle gefunden zu haben; und Markus Brück singt und spielt - wie sollte es anders sein - einen ganz fabelhaften Balstrode. Schade, dass es aus dem Graben immer ein wenig zu schön, zu geschmäcklerisch herauftönt. Wo sind die spitzen Streicher und das grelle Blech? Wo ist das Aufbegehrende, Sturmumtosende, Wehtuende dieser Partitur abgeblieben? Dass es sehr wohl geht, zeigt das Zwischenspiel zu Beginn des zweiten Aktes, welches stark nach Stephen Sondheim klingt. Im Mai 2014 wird Billy Budd an der Deutschen Oper anlegen. Wieder mit an Bord: Regisseur David Alden.



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