27. März / 05. Mai 2012
Philharmonie

Nächster Halt: Wartburg

Das Rundfunk-Sinfonieorchester und Marek Janowski feiern Bergfest bei ihrem Wagner-Zyklus

Programm

Richard Wagner
Tristan und Isolde (Konzert)
Tannhäuser (Konzert)
Die Meistersinger von Nürnberg (CD)
Parsifal (CD)

Mitwirkende

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Rundfunkchor Berlin
Musikalische Leitung: Marek Janowski
Choreinstudierung: Eberhard Friedrich, Nicolas Fink

Tristan und Isolde
Tristan: Stephen Gould
König Marke: Kwangchul Youn
Isolde: Nina Stemme
Kurwenal: Johan Reuter
Melot: Simon Pauly
Brangäne: Michelle Breedt
Ein Hirt: Clemens Bieber
Seemann: Timothy Fallon
Steuermann: Arttu Kataja

Tannhäuser
Landgraf: Albert Dohmen
Tannhäuser: Robert Dean Smith
Wolfram von Eschenbach: Christian Gerhaher
Walther von der Vogelweide: Peter Sonn
Biterolf: Wilhelm Schwinghammer
Heinrich der Schreiber: Michael McCown
Reinmar von Zweter: Martin Snell
Elisabeth: Nina Stemme
Venus: Marina Prudenskaja
Ein junger Hirte: Bianca Reim
Edelknaben: Sabine Puhlmann, Isabelle Voßkühler, Roksolana Chraniuk, Bettina Pieck

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Nächster Halt: Wartburg

Das Rundfunk-Sinfonieorchester und Marek Janowski feiern Bergfest bei ihrem Wagner-Zyklus

Von Heiko Schon


Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Parsifal

Bei den Worten Tannhäusers, dass sein Heil in Maria ruht, wird sich Marek Janowski vielleicht im Stillen gedacht haben: Wie gut, dass es Maria gibt. Denn was bleibt dem Künstlerischen Leiter und Chefdirigenten des RSB auch manchmal anderes übrig, als zu beten, dass kein Sänger auf dem letzten Meter krank werden möge. Selbst eine Absage, die mehrere Tage vor der Aufführung reinflattert, erschwert den ohnehin schon kniffligen Probenplan zusätzlich. Fällt dann doch jemand aus, ist ein Verschieben von Vorstellung und CD-Aufnahme natürlich völlig ausgeschlossen. Was also tun, wenn Maria auf ihren Ohren sitzt? Dann könnte man etwas wagen, wie etwa vor fünf Tagen an der Deutschen Oper, als der junge Andreas Schager den Rienzi vom erkrankten Torsten Kerl übernahm, oder man wählt einen bekannten Routinier, bei dem Überraschungen jeglicher Art ausgeschlossen sind. Marek Janowski hat sich bei seinem Ersatz für den noch immer kränkelnden Torsten Kerl leider für Letzteres entschieden. So darf also Robert Dean Smith, der schon als Erik und Stolzing stimmlich in die Jahre gekommen schien, auch noch als Tannhäuser ran. Auch das rigorose Festhalten Janowskis an Albert Dohmen (Hans Sachs, Landgraf Herrmann) leuchtet nur bedingt ein. Und wo wir gerade beim Mosern sind: Warum hört bei den Proben keiner, dass Marina Prudenskaja offenbar gar nicht weiß, was sie da singt? Braucht jemand wirklich so eine Venus auf CD? Im Hinblick auf die anstehende Götterdämmerung, für welche Prudenskaja als Waltraute besetzt ist, sollte unbedingt an der Artikulation gefeilt werden. Selbst der inzwischen als heimlicher Star gehandelte Rundfunkchor kann die hochgesteckten Erwartungen beim Tannhäuser nur bedingt erfüllen. Da will vor allem beim Einzug der Gäste die Homogenität nicht so recht hinhauen.


Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Die Meistersinger von Nürnberg

Doch wo kleine Schatten sind, da sind auch Lichter. Leuchtkraftwerke, um genau zu sein. Mit Nina Stemme (Elisabeth, Isolde), Michelle Breedt (Brangäne, Magdalene), Christian Gerhaher (Wolfram), Peter Sonn (Walther von der Vogelweide, David), Georg Zeppenfeld (Pogner), Christian Elsner (Parsifal) und Evgeny Nikitin (Amfortas) sind in diesem Zyklus Stimmen zu hören, die die Einzigartigkeit dieses Unternehmens in Töne verwandeln können. Genau diese Sänger sind es, die hier Maßstäbe setzen und damit das harte Urteil gegen Dohmen und Prudenskaja ins Verhältnis rücken. Den Tannhäuser spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester nicht so atmosphärisch packend wie den Tristan. Nach der Ouvertüre - ein kühn gespielter Klangrausch par excellence - wird Janowskis Zugriff etwas weicher, auch kontrollierter, mitunter geht die Spannung flöten. Der zweite Aufzug zieht sich sogar so in die Länge, als wolle er gar nicht mehr enden. Nun heißt es aber: Auf in den Ring! Das Rheingold und Die Walküre werden am 22. / 24.11.2012 aufgeführt, Siegfried und Götterdämmerung folgen am 1. / 15.03.2013. Peter Sonn wird dann als Froh zu hören sein, Tomasz Konieczny singt beide Wotane, Iris Vermillion ist als Fricka besetzt, Matti Salminen schmettert den Hagen und Petra Lang ist für zwei Brünnhilden vorgesehen.



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