19. Dezember 2011
Deutsche Oper Berlin

Der Fischer und keine Frau

Georges Bizets selten gespielte Perlenfischer in einer konzertanten Aufführung

Programm

Georges Bizet
Die Perlenfischer

Mitwirkende

Deutsche Oper Berlin
Musikalische Leitung: Guillermo García Calvo
Chöre: William Spaulding

Leila: Patrizia Ciofi
Nadir: Joseph Calleja
Zurga: Étienne Dupuis
Nourabad: Ante Jerkunica

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin

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Der Fischer und keine Frau

Georges Bizets selten gespielte Perlenfischer in einer konzertanten Aufführung

Von Heiko Schon / Fotos: Bettina Stöß

Eigentlicher Favorit war ja Gaetano Donizetti - mit seiner Favoritin. Aber die favorisierte Sängerin der Favoritin, Elïna Garanča, hat im Oktober Nachwuchs bekommen. Die Deutsche Oper entschied vorausschauend: Ohne Favoritin keine Favoritin - und setzte stattdessen Bizets Perlenfischer auf den Speiseplan. Doch beide Opern haben zumindest eines gemeinsam: Mag ihr jeweiliger Komponist auch einen hohen Bekanntheitsstatus innehaben, sie selbst führen im Repertoire nur ein Leben als Randerscheinung. Somit ist es also doch irgendwie eine Ausgrabung, selbst wenn es bei diesen zwei konzertanten Aufführungen bleiben wird.


Die Perlenfischer - Deutsche Oper Berlin
Foto: Bettina Stöß

Im Falle von Die Perlenfischer ist die Konzertform eindeutig zu begrüßen, denn Sujet und Libretto sind nicht unbedingt der große Wurf: Ein Fischer, Bariton, trifft auf Ceylon seinen Jugendfreund wieder, einen Jäger mit Tenorstimme. Früher liebten beide die gleiche Frau, doch die Freundschaft war ihnen erst einmal wichtiger. Die sitzen gelassene Koloratursopranistin überdenkt daraufhin ihre Berufswahl und wird Tempelpriesterin. Nun taucht bei diesem Wiedersehen plötzlich eine verschleierte Jungfrau auf - und jetzt dürfen Sie dreimal raten, wer die Frau hinter dem Schleier ist, wer eifersüchtig wird und wer sich mit dem Fräulein schlussendlich aus dem Staub machen darf.

Auch kompositorische Höhepunkte sind - im Vergleich zur späteren Carmen - eher sparsam gesät. Im Finale des zweiten Aktes ereignet sich ein tosendes Gewitter, ein, zwei schnuckelige Arien sind dabei, nicht zu vergessen das bekannte Männerduett, welches sich als Motiv durchs ganze Werk zieht. Aber sonst? Vor allem viel Rumms! steckt in der Partitur. Becken und Triangel haben ordentlich zu tun, ebenso das Tamburin. Guillermo García Calvo schlägt mit Temperament die Takte und heizt das Orchester zu einem schwärmerischen, farbenreichen Spiel an. Ein Extralob gibt's für die Harfe.

Bizet räumt der Leila keine Chance zum Abräumen ein: Die Sängerin hat vor allem hingetupfte Vokale oder schöne Bögen vorzutragen. So kann Patricia Ciofi nicht wirklich zeigen, was in ihr steckt. Viel Routine auch in den Chören: Die Damen machen das Beste daraus, die Herren sind nicht immer auf einer Linie. Joseph Calleja umschmeichelt mit seinem weit schwingenden Vibrato, Ante Jerkunica lässt seinen prächtigen Bass strömen, aber den besten Eindruck hinterlässt Étienne Dupuis. Was für ein elegantes und dennoch stürmisch zupackendes Porträt. Zudem ist sein Zurga auch charakterlich so überzeugend, dass man glatt vergisst, dass er ja eigentlich in Abendgarderobe steckt.



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