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13. Februar 2011 Deutsche Oper Berlin Ein leises Servus, laut gespieltRichard Strauss' Spätwerk Die Liebe der Danae ist deutlich besser als sein Ruf |
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ProgrammRichard StraussDie Liebe der Danae |
MitwirkendeDeutsche Oper BerlinMusikalische Leitung: Andrew Litton Inszenierung: Kirsten Harms Spielleitung: Günther Kittler Bühne: Bernd Damovsky Kostüme: Dorothea Katzer Lichtgestaltung: Manfred Voss Künstlerische Produktionsleitung: Christian Baier Dramaturgie: Andreas K. W. Meyer Chöre: William Spaulding Jupiter: Mark Delavan Merkur: Thomas Blondelle Pollux: Burkhard Ulrich Danae: Manuela Uhl Xanthe: Hulkar Sabirova Midas: Matthias Klink Vier Könige: Paul Kaufmann, Clemens Bieber, Nathan De'Shon Myers, Hyung-Wook Lee Semele: Hila Fahima Europa: Martina Welschenbach Alkmene: Julia Benzinger Leda: Katarina Bradic Chor, Statisterie und Orchester der Deutschen Oper Berlin |
Ein leises Servus, laut gespieltRichard Strauss' Spätwerk Die Liebe der Danae ist deutlich besser als sein RufVon Heiko Schon / Fotos: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN
![]() Die Liebe der Danae - Deutsche Oper Berlin Foto: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN Wollen Sie alle Begleitumstände noch einmal lesen? Die Geschichte von Krieg, geschlossenen Theatern und der Sondergenehmigung? Mit dem Attentat auf Hitler und die dadurch bedingte Absage der Salzburger Festspiele? Man könnte noch einmal den Erzählbogen von der Generalprobe, 1944, über den Tod Richard Strauss', 1949, bis hin zur Uraufführung, 1952, spannen. Ja, irgendwie weiß man über dieses traurige Vorspiel mehr als über das Werk an sich. Im Opernführer steht, dass Die Liebe der Danae von allen Strauss-Opern am seltensten zu hören ist. Dem kann uneingeschränkt zugestimmt werden. Und was schreiben die lieben Kollegen? Im Grunde eine Mischung aus Ratlosigkeit, Desinteresse und ‚Daumen runter': Da pfeife eine nervtötende Partitur aus dem letzten Loch, krame ein alter Strauss noch einmal seine alten Kamellen hervor, sei das, was Librettist Joseph Gregor aus dem Hofmannsthalschen Szenarium gefertigt hätte, einfach nur schlecht, schlecht, schlecht. Und immer wieder taucht die Frage auf, was das Ganze überhaupt soll. Mit diesen Anhaltspunkten in der Birne setze ich mich in die 4. Aufführung einer Neuproduktion der Deutschen Oper Berlin und stelle schon nach fünf Minuten fest: Es ist doch immer noch die beste Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden.
![]() Die Liebe der Danae - Deutsche Oper Berlin Foto: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN Wer Strauss vorwirft, er hätte es aus Mangel an Ideen ein letztes Mal mit der Antike probiert, übersieht die vielen Ebenen und Querverweise, die in dem Dreiakter stecken. Etwa die kleinen, witzigen Anspielungen auf die germanische Mythenwelt eines Richard Wagners. Da platzt im zweiten Akt vor allem Königin Leda vor Eifersucht der Kragen: Früher habe sich Jupiter noch an sie rangemacht - als Schwan. Und nun soll sie das Hochzeitsbett für seine neue Eroberung vorbereiten. Oder später im Finale, wenn der Gott als alter Wanderer auftaucht und - von Danae erneut abgewiesen - nur noch das eine will: Das Ende! Das brachte dieser Oper auch den Titel "griechische Götterdämmerung" ein. Strauss, der seine Opera semiseria als eine "heitere Mythologie" bezeichnet, zieht hier kompositorisch Bilanz: Knifflige, polyphone Chortableaus prallen auf schlichte, volksliedhafte Melodien, strömen nach federleichten Dialogpassagen breit orchestrierte Energien. Wie eine Ansammlung von Zitaten eigener Werke stellt Strauss diese Elemente nebeneinander, wodurch ein farbenprächtiges, komplexes Mosaik entsteht. Doch es ist auch ein sehr persönliches Werk geworden. Durch seine Zusammenarbeit mit Stefan Zweig (Die schweigsame Frau) war Strauss bei den Nazis in Ungnade gefallen. Plötzlich war der einstmals Hofierte weniger gefragt, hielt man seine Musik für veraltet. In Die Liebe der Danae nimmt nicht nur Jupiter Abschied von der Welt, auch Strauss, so scheint es, sagt leise Lebewohl.
![]() Die Liebe der Danae - Deutsche Oper Berlin Foto: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN Und das ist gleichfalls das Signal, welches Kirsten Harms mit diesem Stück aussenden möchte. Zwar endet ihre Intendanz erst mit dem Ablauf dieser Spielzeit, aber als Regisseurin lädt Harms damit zu ihrem Ausstand an der DOB. Sie bleibt ihrem Stil treu, lässt das Werk sprechen, wagt nichts, aber überfrachtet auch nichts, und liefert eine ordentlich gemachte, geradlinige Arbeit ab. Manuela Uhl, die bereits in Harms' Kieler Inszenierung die Danae sang, kämpft sich überwiegend virtuos und mit eiserner Disziplin durch die anspruchsvolle Partie, Mark Delavan singt einen kernigen bis bärbeißigen, jedoch wenig klangschönen Jupiter. Das übrige Ensemble sowie der Chor überzeugen auf hohem Niveau. In den stimmlichen Mittelpunkt rückt allerdings der Tenor Matthias Klink: Was für ein farbintensiver, glanzvoller und auch höhensicherer Midas! Dirigent Andrew Litton scheint Gefallen an einem breiten, satten Strauss-Sound zu finden. Er dreht gehörig an der Lautstärke und lässt im Orchester die Säbel rasseln. Raubt er damit der Partitur das Mystische, Eleusinische? Nein, ganz und gar nicht. Gut gebrüllt, Löwe! |