07. April 2010
Deutsche Oper Berlin

Die tenorale Schleckerei

Juan Diego Flórez mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin

Programm

Vincenzo Bellini
Ouvertüre zu I Capuleti e i Montecchi

Domenico Cimarosa
Pria che spunti in ciel aus Il Matrimonio Segreto

Wolfgang Amadeus Mozart
Il mio tesoro intanto aus Don Giovanni

Gioacchino Rossini
Ouvertüre zu L'Italiana in Algeri
Che ascolto! Ahimè! aus Otello

Giuseppe Verdi
Questa o quella und Ella mi fu rapita aus Rigoletto
Ouvertüre zu Les Vêpres Siciliennes

Gaetano Donizetti
Pour me rapprocher de Marie aus La Fille du Régiment

François-Adrien Boieldieu
Viens, gentille dame aus La Dame Blanche

Mitwirkende

Orchester der Deutschen Oper Berlin
Yves Abel - Dirigent
Juan Diego Flórez - Tenor

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Die tenorale Schleckerei

Juan Diego Flórez mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin

Von Heiko Schon

Um eine gängige Sängerkonzert-Torte zuzubereiten, nehme man etwa ein halbes Dutzend Arien, mische dazwischen etwas Ouvertüre (wenn nicht genug da ist, geht auch ein Zwischenspiel), bestreiche das Ganze mit viel, viel Applaus (denn - alter Sängerwitz - Applaus macht ja nicht dick!) und verziere es abschließend mit einigen Spritzern Zugabe (aber nicht mehr als drei) - fertig. Doch wenn die Konditoren Juan Diego Flórez und Yves Abel heissen, dann kann man selbst in diesem altbacknen Rezept allerlei Köstlichkeiten entdecken. Auf der Liste der Zutaten steht nämlich erstaunlich wenig Bekanntes. Wann hört man schon mal was aus François-Adrien Boieldieus genialen Weissen Dame? Oder den Otello in der Vertonung Rossinis (den Flórez mit geschmeidig-biegsamer Attacke serviert)?

Als Tenore di grazia braucht Flórez sich und der Welt nichts mehr zu beweisen: Er schwingt sich empor bis zum hohen F, reiht die neun C's von Ah! mes amis (zweite Zugabe) nach wie vor mühelos, sauber und auf neckische Weise verspielt aneinander. Es steht außer Frage: Gäbe es einen Belcanto-Königsthron, Flórez würde darauf sitzen. Nun wagt er sich seit ein paar Jahren ins heiß umkämpfte lyrische Terrain vor. Mal erfolgreich, mal mit kleinen Rückschlägen. Sein Herzog von Mantua in Lima und Dresden kam zwar bei Publikum und Presse gut an, aber Flórez selbst war weniger begeistert und stieg aus einer weiteren Rigoletto-Produktion wieder aus. Doch von der Rolle lassen kann er nicht (und sollte dies auch nicht tun): In Questa o quella und Ella mi fu rapita trifft Flórez genau den narzisstischen Tonfall; die Artikulation könnte präziser nicht sein. Unter Abel lässt das Orchester der Deutschen Oper mit Gusto die Säbel rasseln (was vor allem Verdis Sizilianische Vesper schmackhaft macht). Ein ironisches Zwinkern zum Schluss: La donna è mobile als wohl schönster Rausschmeisser dieser Saison. Beifallsstürme im Saal.



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