12. Februar 2009
Haus am Waldsee

Ohrenschmaus in 4 Gängen

Das Eröffnungskonzert der Berliner Zweiklänge im Haus am Waldsee

Programm

Carl Maria von Weber
Grand Duo Concertante op. 48

Leonard Bernstein
Sonate für Klarinette und Klavier

Francis Poulenc
Sonate für Klarinette und Klavier

Enrique Granados
Fantasia über ein Thema aus Goyescas

Mitwirkende

Laura Ruiz Ferreres - Klarinette
Yukako Morikawa - Klavier

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Ohrenschmaus in 4 Gängen

Das Eröffnungskonzert der Berliner Zweiklänge im Haus am Waldsee

Von Beatrice Siering

Im kunstvollen Ambiente, idyllisch am See gelegen, lädt das Haus am Waldsee mittlerweile schon das zweite Jahr in Folge zur Konzertreihe ein. Standen im letzten Jahr noch schwerpunktmäßig Berliner Cellisten im Focus, so erweitert sich der Klang in diesem Jahr auf zwei Duopartner. Mal konventionell in der Kombination Viola und Klavier, mal avantgardistisch mit Sopran und Theorbe. Doch am heutigen Abend liest man auf der Speisekarte Klarinette und Klavier.


Laura Ruiz Ferreres - Klarinette
Foto: hfm-berlin

Als Vorspeise: das Grand Duo Concertante op. 48 von Carl Maria von Weber. Ein bunter Antipasti-Teller, zu dem sich Komponist Carl Maria von Weber vom Münchner Hofmusiker und Klarinetten-Ass Heinrich Joseph Baermann inspirieren ließ. Was zunächst scharf gewürzt, geht schon bald über in eine Komposition aus abwechslungsreicher Zwiesprache zwischen Klarinette und Klavier und hinterlässt Reminiszenzen an große romantische Bühnenwerke. Der 2. Satz ein schwermütigeres Thema, aber mindestens so souverän und mit großem Spannungsbogen vorgetragen wie der erste Satz. Zum Schluss eine beschwingte Rondo-Salatkreation mit einem Hauch Muskat. Da gerät sogar Klarinettistin Laura Ruiz Ferreres etwas außer Atem.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ist es Zeit für den ersten Gang: Leonard Bernsteins Sonate für Klarinette und Klavier. Ein Jugendwerk des Komponisten und eines seiner, wie er später sagen wird, ersten "reifen" Stücke. In der Gaumenkunst wie in der Musik sind es bekanntlich die filigranen Zwischentöne, die den Kneipenwirt vom 5-Sterne Chefkoch unterscheiden. In Bernsteins Sonate wandelt die Klarinette dafür zunächst auf graziösen Solopfaden, vom Klavier lediglich kontrapunktiert, in beschwingte Höhen. Doch bald schon setzt ein variantenreiches Wechselspiel der beiden Instrumente ein. Im jazzigen 2. Satz dann die ersten Anklänge an die West Side Story.


Yukako Morikawa - Klavier
Foto: www.yartmanagement.com

Keine Müdigkeit vorschützen und auf zum 2. Gang: Francis Poulencs Sonate für Klarinette und Klavier. Nach einem laut-frivolen und atonalen Einstieg ständige Rhythmus- und Tempiwechsel. Orientierung ist hier gefragt. Dazu die vielen Stimmungswechsel: schalkhaft, temperamentvoll, dann wieder sanglich und ruhiger - eine echte Herausforderung an die zwei Instrumentalistinnen. Doch es fehlt ein wenig die eigene Note. Gestaltungswillen, Konzentration und technisches Können - keine Frage, alles da. Dennoch bleibt bei all den Anforderungen der eigene, individuelle Interpretationsansatz ein wenig auf der Strecke.

Das schönste am Schlemmen ist doch immer noch das Dessert. Kredenzt wird heute Enrique Granados Fantasia über ein Thema aus Goyescas. Schon spürt man mediterranes Lebensgefühl: enge Gassen mit darüber aufgehängter Wäsche, Nachbarinnen am Palavern, Männer vor überfüllten Cafés und der Postillion, der mit seiner Vespa über den Marktplatz gefahren kommt und herzlich grüßt. Einfach wunderbar romantisch - auch wenn die Musikerinnen sich selten von den Noten lösen und wenig Kontakt zum Publikum suchen. Trotzdem ein rundum schöner Abend!

Übrigens: Es finden in diesem Jahr noch sieben weitere Konzerte im Haus am Waldsee statt. Das nächste am 2. April 2009 um 20:00 Uhr mit Philipp Bohnen (Violine) und Mischa Meyer (Cello).



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