22. Februar 2009
Philharmonie

Das Maß der Freiheit

Webern, Brahms und Berg mit dem DSO

Programm

Anton Webern
Passacaglia
Johannes Brahms
Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Alban Berg
Violinkonzert »Dem Andenken eines Engels«

Mitwirkende

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Ingo Metzmacher- Dirigent
Christian Tetzlaff - Violine

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Das Maß der Freiheit

Webern, Brahms und Berg mit dem DSO

Von Werner Friedrich / Foto: alexandra-vosding.de


Christian Tetzlaff
Foto: alexandra-vosding.de

Das Violinkonzert Alban Bergs gehört zum zentralen Repertoire des Geigers Christian Tetzlaff - kaum ein Werk, das er so häufig im Konzert gespielt hätte. Aber beim Publikum haben weder das Stück, noch der Solist Ermüdungserscheinungen hervorgerufen. Ein voller Saal der Philharmonie erwartete ihn mit Spannung und wurde mit einer außerordentlichen Leistung belohnt.

Sein Partner war das Deutsche Symphonieorchester unter Ingo Metzmacher, der mit seiner musikalischen Intelligenz heute wahrhaft jeden Dirigenten in Berlin in den Schatten stellt. Das Verständnis dieser beiden prägenden Musiker für Bergs letztes vollendetes Werk, für seine geradezu opernhafte Klangsprache, die sich musikalisch in gesangshaften Kantilenen ausdrückt, deren außermusikalische Entsprechungen man gar nicht zu kennen braucht, um das Prinzip zu verstehen, ist außerordentlich. Dieses Verständnis verweist auf eine immer noch als Einheit empfundene Musik - in der Oper auch für den Instrumentalisten noch gegenwärtig - was heute schon eine Seltenheit geworden ist. Wenn man einmal auf solche Musiker stößt, fällt der Unterschied sofort auf, ohne dass die Zuhörer in jedem Falle wüssten, was denn das Besondere an der entsprechenden Interpretation sei. Jedenfalls vermochte es Tetzlaff, einst Schüler des großen Geigers und Opernenthusiasten Walter Levin in Cincinnati, seine Geige in sängerisch-freier Manier zum Erklingen zu bringen und wurde dabei von Metzmacher, der über jahrelange Opernerfahrung verfügt, auf das allersensibelste unterstützt.

Am Beginn des intelligent zusammengestellten Programms standen Weberns Passacaglia und Brahms IV. Symphonie. Wer wollte, mochte sich überlegen, wie überraschend und überzeugend diese Werke wohl gewirkt haben müssen, als sie noch gänzlich neu und ihre Mittel unverbraucht waren. Und wie die Dirigenten und Orchestermusiker heute gegen den Zahn der Zeit und die Macht der Gewohnheit ankämpfen, anspielen müssen. Um wieviel mehr sie leisten müssen, um beim Publikum noch mehr als ein allgemeines "Gefallen" hervorzurufen. Es ist kaum verwunderlich, dass Metzmacher auch hier reüssierte, mit seiner Art, Musik ebenso präzise wie frei zum Sprechen zu bringen.

Der einzige Wermutstropfen an dem Abend war eine langwierige, unnötige und insgesamt peinliche "Laudatio" auf den langjährigen Intendanten des Deutschlandradio Ernst Elitz, dessen Verdienste für das radionahe Klangkörperkonsortium der Hauptstadt man nicht in Abrede stellt, wenn man bemerkt, dass Ehrungen von Apparatschiks nicht in die Mitte eines künstlerischen Ereignisses gehören. Das Publikum hat den uns weiter nicht bekannten Laudator denn auch ganz schnell von der Bühne gepfiffen bzw. durch hartnäckiges Klatschen im wahrsten Sinne des Wortes hinauskomplimentiert.



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