8. Februar 2009
Philharmonie

Fastfood-Musik

Schumanns Das Paradies und die Peri in der Berliner Philharmonie

Programm

Robert Schumann
Das Paradies und die Peri

Mitwirkende

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle - Dirigent
Sally Matthews - Sopran
Kate Royal - Sopran
Bernarda Fink - Alt
Topi Lehtipuu - Tenor
Christian Gerhaher - Bariton
Rundfunkchor Berlin
Simon Halsey - Choreinstudierung

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Fastfood-Musik

Schumanns Das Paradies und die Peri in der Berliner Philharmonie

Von Leyla Jasper / Foto: Matthias Heyde

Das Paradies und die Peri von Robert Schumann erfordert eine sehr hohe Investition an Zeit - und an Zeit mangelt es heutzutage allen. Auch Künstler sind voll eingespannt: Sie rennen von einem Termin zum nächsten, sie wechseln ständig Programme, die so schnell vorbereitet und dem Publikum dargeboten werden wie Hamburger in der Imbissbude. Schnell, schnell! Sonst verspätet man sich, sonst geht man nicht mit der Zeit, sonst überholt die gefährliche Konkurrenz! Wer presto lebt und arbeitet, der bleibt fit. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man ein erfolgreiches Künstlerleben führen will. Die Frage ist nur, ob die Zuhörer nicht viel lieber eine ordentlich zubereitete, warme Mahlzeit zu sich nehmen würden anstelle eines kalten Imbisses?


Rundfunkchor Berlin
Foto: Matthias Heyde

Die vielen glücklichen Momente an diesem späten Nachmittag in der Philharmonie sind vor allem den ausgezeichneten Leistungen des Rundfunkchors Berlin zu verdanken. Ähnlich wie in der altgriechischen Tragödie war dieser Chor ein leidenschaftlicher Teilnehmer an allem Geschehen. Er wirkte immer ergriffen von den Ereignissen, von denen im Oratorium gerade die Rede war. Da der Chor stets lebendig dem Text folgte, herrschte viel Abwechslung in der Stimmung und in der Klangfarbe. Die rhythmische Raffinesse, die den Werken von Schumann zueigen ist, entfaltete sich dabei mit voller Pracht. Die Aufs und Abs der musikalischen Phrasen wurden so organisch aufgebaut, dass der Vergleich mit rauschenden Meereswellen nicht übertrieben ist.

Weniger beeindruckend waren dagegen die Solisten. Schlecht sangen sie nicht, aber nur selten kam es zu wahrer Interpretation. Meist lasen die Solisten ganz brav in der Partitur. Auf einem langen Vokal in der Mitte der Phrase die Stimme schön vibrieren zu lassen, die Endkonsonanten ordentlich hervorstoßen - ganz im Sinne der modernen Gesangsschule. Wie monoton wirkte dadurch der Gesang! Beinahe könnte man denken, Schumann habe das orientalische Märchen vertont, um die Sänger ihre Professionalität und Gesangstechnik demonstrieren zu lassen. Und im Gegensatz zum Chor wirkten die Solisten oft völlig teilnahmslos. Auch wenn es in der Geschichte um Blut und Tod ging, gaben sie den Text meistens kühl und distanziert wieder. Allein der Bariton Christian Gerhaher war stets bemüht zu beweisen, dass die Errungenschaften von Dietrich Fischer-Dieskau auf dem Gebiet des Gesanges ihm nicht unbekannt sind. Er füllte seine kurzen Rollen mit lebendiger Dramatik und trat nicht nur als Sänger, sondern auch als begabter Schauspieler auf. Die Peri (Sally Matthews) meisterte schwungvoll und brillant die letzte Nummer des Oratoriums (Freud', ew'ge Freude). Vielleicht hätte es mehr solcher gelungener Momente wahren Musizierens gegeben, hätten die Solisten und das Orchester sich mehr Zeit genommen für dieses genialische schumannsche Werk.



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