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24. Oktober 2009 Staatsoper Unter den Linden Der alte Mann und das MeerVerdis Simon Boccanegra in einer Koproduktion mit der Mailänder Scala an der Staatsoper |
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ProgrammGiuseppe VerdiSimon Boccanegra |
MitwirkendeStaatsoper Unter den LindenMusikalische Leitung: Daniel Barenboim Inszenierung: Federico Tiezzi Bühnenbild: Maurizio Balò Kostüme: Giovanna Buzzi Licht: A. J. Weissbard Video: Studio Azzurro Chöre: Eberhard Friedrich Dramaturgie: Francis Hüsers, Barbara Weigel Simon Boccanegra: Plácido Domingo Maria Boccanegra (Amelia): Anja Harteros Jacopo Fiesco: Kwangchul Youn Gabriele Adorno: Fabio Sartori Paolo Albiani: Hanno Müller-Brachmann Pietro: Alexander Vinogradov Ein Hauptmann der Bogenschützen: James Homann Eine Magd Amelias: Evelin Novak Staatskapelle Berlin Staatsopernchor |
Der alte Mann und das MeerVerdis Simon Boccanegra in einer Koproduktion mit der Mailänder Scala an der StaatsoperVon Heiko Schon / Fotos: Monika Ritterhaus
![]() Simon Boccanegra - Staatsoper Berlin Plácido Domingo (Simon Boccanegra), Staatsopernchor Foto: Monika Ritterhaus Um gleich dem Vorwurf zu entgehen, ins Fettnäppchen getreten zu sein: Mit dem Adjektiv "alt" ist keineswegs Plácido Domingo gemeint. Vielmehr die Figur des Simon Boccanegra, wie sie von Regisseur Federico Tiezzi auf die Bühne gebracht wurde. Alles an dieser "Neuinszenierung" ist steinalt, ist furchtbarstes Opernklischee. Aber dazu später. Die Frage ist sowieso nicht die, was hier neu in Szene gesetzt wurde, sondern wer. Der Startenor Plácido Domingo singt mit dem titelgebenden Dogen nämlich eine Bariton-Rolle. Der Stimmfachwechsel ist im Business keine Seltenheit. Gerade Mezzosoprane wagen den Sprung in die höhere Lage und freuen sich über die Tatsache, auf Jahre hinaus plötzlich ausgebucht zu sein - siehe Nadja Michael oder Violeta Urmana. Doch bei Domingo dürfte weder Management noch völlige Neuausrichtung der Karriere treibende Kraft gewesen sein. Er will es ja nicht als Übertritt verstanden wissen, sondern als Erweiterung des Rollenrepertoires, als Ausflug. Vielleicht ist es so am einfachsten zu erklären: Domingo hatte Lust darauf. Endlich wieder Verdi singen, endlich mehr Tiefe zeigen als Höhe beweisen müssen, endlich der baritonalen Stimmfarbe Rechnung tragen. Und auch der Reiz dieses Charakters ist nicht von der Hand zu weisen...
![]() Simon Boccanegra - Staatsoper Berlin Plácido Domingo (Simon Boccanegra), Staatsopernchor Foto: Monika Ritterhaus Der Simon Boccanegra zählt zu den vielschichtigsten Figuren der Oper: Ein Mann steigt zum Herrscher auf, verliert die Liebe seines Lebens, findet seine verschwundene Tochter wieder, wird verraten, vergiftet und stirbt. Diese Stationen eines Bühnenlebens verlangen nach gestalterischem Talent - und Domingo besitzt diese Gabe. Er vertraut ganz seiner Ausstrahlungskraft, seiner Aura. Gänzlich verbergen lässt sich der Tenor freilich nicht, aber stimmlich ist Domingo in Topform. Bruchlos und berührend die Linien, punktgenau diktiert und intoniert. Dazu schießt Anja Harteros frappierende Sopranspitzen ab, stemmt Fabio Sartori souverän die hohen Cs, verströmt Kwangchul Youn noble Bassschwärze, bringt Hanno Müller-Brachmann sich als kerniger Gegenspieler in Stellung, trumpfen die Chöre in herrlichster Geschlossenheit auf - keine Frage: der Abend gehört den Sängern. So wie zum Ende des Prologs das Volk Genuas den Dogen hochleben lässt, so trägt auch Daniel Barenboim die Solisten auf Händen. Der Maestro rollt einen wohligen Klangteppich aus, der nur Kanten und Ecken aufweist, wenn es Verdi ausdrücklich verlangt. Dann drängelt sich die Staatskapelle ganz gern mal nach vorn und punktet mit kurzen, eruptiven Ausbrüchen. Aber sonst heißt die Devise: harmonische Zurückhaltung. Barenboim geht bei der Abstimmung zwischen Rampe und Graben sehr fürsorglich vor, drosselt immer wieder das Tempo, werkelt an schönsten Einzelheiten. Das Orchester folgt dem mit hoher Konzentration.
![]() Simon Boccanegra - Staatsoper Berlin Plácido Domingo (Simon Boccanegra), Anja Harteros (Amelia) Foto: Monika Ritterhaus
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