6. Juli 2008
Zitadelle Spandau

Luftbrücke über Berlin-Spandau

Die Zauberflöte als Open-Air-Vorstellung

Programm

Wolfgang Amadeus Mozart
Die Zauberflöte

Mitwirkende

Budapester Operntheater
Musikalische Leitung: Imre Kollár
Künstlerische Leitung: Andrea Zsadon, Tibor Szolnoki
Inszenierung: Zoltán Juhász
Texteinrichtung und Künstlerische Beratung: Prof. Dr. Robert Herzl
Kostüme: Andrea Zsadon

Papageno: Daniel Fiolka
Papagena: Annamária Zábrádi
Königin der Nacht: Beata Trubin
Pamina: Stefanie Braun
Tamino: Brent Lee Damkier
Sarastro: Taras Konoshchenko
Monostatos: Sándor Domoszlai
Sprecher: Hans Griepentrog
Erster Priester: László Hosszú
Zweiter Priester: Dániel Roska
Erste Dame der Königin: Andrea Zsadon
Zweite Dame der Königin: Mária Rikker
Dritte Dame der Königin: Ildikó Tas
Erster Knabe: Enikó Fehlér
Zweiter Knabe: Ágnes Balogh
Dritter Knabe: Blanka Dudovits
Erster Wachhabender: Dániel Roska
Zweiter Wachhabender: Gábor Farkas

Chor und Orchester des Budapester Operntheaters

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Luftbrücke über Berlin-Spandau

Die Zauberflöte als Open-Air-Vorstellung

Von Leyla Jasper

Was sind schon die lästigen Huster im Konzertsaal im Vergleich zu dem, womit Sänger und Orchestermusiker des Budapester Operntheaters konfrontiert wurden während ihrer Vorstellung der Mozartschen Zauberflöte am 6.07.08 in Zitadelle Spandau! Eine angenehme Stille lag in der sommerlich warmen Luft, als der Opernbesucher das romantische Gelände betrat. Doch sie erwies sich als trügerisch. Gleich zu Beginn der Ouvertüre (als ob dies extra von jemandem abgesprochen wurde) erschien rechts von der Open-Air-Bühne ein Flugzeug. Über die Köpfe der Besucher dröhnte es gemächlich dahin und überdeckte mit seinem Lärm gänzlich den Klang des beschwingt spielenden Orchesterkörpers. Danach ging es erst richtig los: Etwa alle eineinhalb bis zwei Minuten sah und hörte man eine neue Flugmaschine, die jedes Mal von rechts nach links über die Zitadelle Spandau flog. Sage und schreibe dreiundzwanzig Flugzeuge gab es im ersten Aufzug der Zauberflöte! Sänger und Orchestermusiker des Budapester Operntheaters ließen sich jedoch durch nichts ablenken und machten ihre Sache einfach weiter. Sie bewiesen nicht nur, dass sie echte Profis und Top in Form waren, sondern auch, dass sie Nerven aus Stahl, Kehlen aus Gold und Ohren aus Wachs hatten - nicht Mozart, sondern den Flugzeugen gegenüber!

In der darauf folgenden Pause wurde es, Gott sei Dank, wieder still in der Luft. Doch pünktlich zum Beginn des zweiten Aufzuges schaltete sich auch der Flugverkehr wieder ein - wie konnte das nur sein? Aber immerhin war der Fluglärm nicht mehr ganz so intensiv wie beim ersten Akt, so dass man einige Arien sogar ungestört genießen durfte. Dafür tropfte es nun ab und zu vom Himmel, und die vielen Kinder, die zur Familienvorstellung kamen, mussten dringend von ihren Eltern umsorgt werden.

Trotz - oder gerade wegen - all der widrigen Umstände muss man sagen, dass die Künstler an diesem Abend eine gewaltige Leistung vollbracht haben. Vor allem die intensive und offenbar leidenschaftliche Vorarbeit an der Oper war allen Teilnehmern der Vorstellung gut anzumerken. Nicht nur, dass all die Charaktere der Oper gut durchdacht und geformt wurden. Der Mozartschen Partitur folgte man mit strengster Genauigkeit. Mit geprüfter Sicherheit wählte man das richtige Tempo bei jeder Nummer. Gut geschulte Sänger gaben jedes noch so kleine Detail in der Phrasierung (Pausen, staccato oder legato) ganz genau und liebevoll wieder. Der gesprochene Text dagegen wurde hier und da etwas gestrafft und leicht verändert. Ein lebendig pulsierender Rhythmus durchzog die ganze Aufführung. Die Nummern der Oper wechselten dadurch fast in kaleidoskopischer Schnelligkeit - vielleicht zu schnell für manchen Geschmack. Es war ein sehr vollblutiger und temperamentvoller Mozart, den die Musiker aus Ungarn und das international besetzte Solistenteam dem Publikum präsentierten.

Was jedoch die Klangqualität angeht, so versagte, wie so oft, die Technik. Mittels Lautsprechanlagen auf der Bühne und in dem das Orchester beherbergenden Zelt (rechts von der Bühne) gab es eine akustische Verbindung zwischen den Sängern und den Musikern. Doch gelang es auch durch diese technische Einrichtung den völlig voneinander getrennten Teilnehmern der Vorstellung nicht immer, eine perfekte Klangbalance zwischen Gesang und Musik zu erzielen. Manchmal überdeckte das Orchester den Gesang, und manchmal konnten die Sänger auf der Bühne das Orchester offenbar nur schlecht hören, was zu leichten Unstimmigkeiten führte.

Etwas bescheiden fielen das Bühnenbild und die Kostüme aus. Die Versuche, der Zauberflöte auch ein Stück Zauber zu verleihen, beliefen sich auf manche Knalleffekte von Silvesterfeuerwerken und wechselnde Farben in der Beleuchtung. Der Partitur wurde übrigens vor dem ersten Erscheinen Papagenos eine Aufnahme von Vogelstimmen hinzugefügt. Doch viele der Zuschauer glaubten, dies wären die lebendigen Vögel, die auf dem Gelände herumflogen und so schön zu Mozart zwitscherten!

Trotz der Nähe zum Flughafen Tegel, der mangelhaften akustischen Einrichtung und des mäßigen Wetters freute sich das Publikum nicht nur darüber, dass man entspannt in der frischen Luft sitzen und gemütlich aus seinem Plastikbecher trinken konnte. Oft lachten die Menschen über Papagenos gute Witze, und bei bekannten Melodien sangen viele sogar mit.



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