27. April 2008
Staatsoper

Gib' die Romantik mir zurück!

Liedmatinee mit Dorothea Röschmann und Magdalena Kožená

Programm

Felix Mendelssohn Bartholdy
Duette op. 63
Ich wollt´, meine Lieb ergösse; Abschiedslied der Zugvögel; Gruß; Herbstlied; Maiglöckchen und die Blümelein

Hugo Wolf
Lieder nach Texten von Eduard Mörike
Nimmersatte Liebe; An eine Äolsharfe; Erstes Liebeslied eines Mädchens; Denk es o Seele; Im Frühling; Gesang Weylas; Begegnung

Johannes Brahms
Die Schwestern; Es ging ein Maidlein; Phänomen; Och Mod'r, ich well en Ding han; Weg der Liebe

Camille Saint-Saëns
Pastorale

Charles Gounod
D'un coeur qui t'aime

Gabriel Fauré
Puisqu'ici-bas toute âme; Tarentelle

Henri Duparc
L'Invitation au Voyage; Extase; Chanson triste; Phidylé

Antonín Dvořák
Lieder aus den Mährischen Duetten op. 32
V dobrým sme se sešli; Holub na javore; Zajatá; Zelenaj se, zelenaj; Prsten

Johannes Brahms
"Alle Winde schlafen" aus "3 Duette" op. 20

Mitwirkende

Dorothea Röschmann - Sopran
Magdalena Kožená - Mezzosopran
Daniel Barenboim - Klavier

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Gib' die Romantik mir zurück!

Liedmatinee mit Dorothea Röschmann und Magdalena Kožená

Von Leyla Jasper

Genauso stellt man sich das romantische 19. Jahrhundert vor: schöne Frauen in schönen Kleidern, am Flügel stehend und mit engelsgleichen Stimmen Duette singend. Offensichtlich ist die Sehnsucht der Menschen nach der Romantik auch im 21. Jahrhundert nicht zu stillen, denn gerammelt voll war der große Saal der Staatsoper bei dieser Liedmatinee. Die Erwartungen des Publikums wurden dabei nicht enttäuscht. Schon das erste Duett Ich wollt', meine Lieb' ergösse von Felix Mendelssohn-Bartholdy - schon dessen erste Phrasen! - brachten Dorothea Röschmann und Magdalena Kožená mit so viel Schwung vor, dass der Zuhörer sofort in den Bann der Musik geriet und in diesem Zustand bis zum letzten Ton der Matinee auch blieb.

Die Künstlerinnen sangen sowohl im Duo als auch solo, sowohl die Perlen der deutschen Liedkunst als auch der französischen und der tschechischen. Besonders erfreulich war dabei festzustellen, dass jeder Komponist nichts von seiner unverwechselbaren Individualität einbüßte. So klang Mendelssohn-Bartholdy in den Duetten op. 63 wie Mendelssohn-Bartholdy auch in seinen Orchesterwerken klingt: anmutig, vibrierend und irgendwie schwerelos. Brahms dagegen, den wir sonst als leidenschaftlichen Romantiker kennen, überraschte mit überschäumendem Humor. Mit dem Volkslied Och Mod'r, ich well en Ding han! schuf der Komponist eine entzückende Genreszene, einen Dialog auf Plattdeutsch. Röschmann war dabei die sorgende Mutter, Kožená die Tochter, die auf alle Fragen der Mutter "Nä, Mod'r, nä!" antwortet, bis die Mutter endlich herausfindet, was genau der Tochter fehlt, nämlich ein Mann! Die beiden Sängerinnen waren so gut in ihren komischen Rollen und mit ihrer komischen Sprache, dass sie dem Publikum oft ein fröhliches Gelachter entlockten.

Immer gut artikuliert und sehr abwechslungsreich in der Stimmung sang Dorothea Röschmann die Lieder von Hugo Wolf nach Texten von Eduard Mörike. Dabei zeigte sich das Genie des Komponisten von vielen Seiten. So schien das Lied Im Frühling mit seiner hoch auffliegenden Melodie und dem "ewigen Atem" ein Vorbote der Musik von Richard Strauß zu sein. Den Gesang Weylas dagegen hätte schon Homer singen können: So streng und erhaben klang die Melodie, so monoton, harfenartig und archaisch die Klavierbegleitung.

Magdalena Kožená trug in ihrem Soloauftritt vier Lieder des französischen Komponisten Henri Duparc vor. Die französische Melodik des späten 19. Jahrhunderts führt oft mit ihrer scheinbaren Statik in die Irre. Man konnte der Sängerin gratulieren: Sie verfiel nicht dem üblichen Fehler, sondern sang sinnlich statt statisch! Mit wahrer Leidenschaft interpretierte sie das Lied Phidylé und erntete danach begeisterte "Bravo!"-Rufe.

Mit den Werken von Antonín Dvořák kam wiederum eine Abwechslung ins Programm. Mit fünf Liedern aus seinen Mährischen Duetten op. 32 brachten die Sängerinnen dem Berliner Publikum die Schönheit der tschechischen Sprache und der saftigen tschechischen Folklore nahe.

Die beiden Damen wurden am Flügel sehr einfühlsam von Daniel Barenboim begleitet. Er atmete buchstäblich zusammen mit seinen Partnerinnen, erriet ihre Intentionen wie im Fluge, unterstützte sie, ergänzte, und wo es nötig war, übernahm die Führung - ein Kavalier alter Schule eben.



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