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2. Februar 2008 Deutsche Oper Berlin Meisterliches - ohne BeckmessereiGötz Friedrichs Meistersinger im fünfzehnten Jahr an der Deutschen Oper |
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ProgrammRichard WagnerDie Meistersinger von Nürnberg |
MitwirkendeDeutsche Oper BerlinMusikalische Leitung: Peter Schneider Inszenierung: Götz Friedrich Bühne: Peter Sykora Kostüme: Kirsten Dephoff / Peter Sykora Chöre: William Spaulding Hans Sachs - Robert Holl Veit Pogner - Arutjun Kotchinian Kunz Vogelsang - Paul Kaufmann Konrad Nachtigall - Simon Pauly Sixtus Beckmesser - Markus Brück Fritz Kothner - Lenus Carlson Balthasar Zorn - Jörg Schörner Ulrich Eißlinger - Peter Maus Augustin Moser - Burkhard Ulrich Hermann Ortel - Klaus Lang Hans Schwarz - Jörn Schümann Hans Foltz - Hyung-Wook Lee Walther von Stolzing - Stig Andersen David - Clemens Bieber Eva - Michaela Kaune Magdalena - Ulrike Helzel Ein Nachtwächter - Tomislav Lucic Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin |
Meisterliches - ohne BeckmessereiGötz Friedrichs Meistersinger im fünfzehnten Jahr an der Deutschen OperVon Axel Göritz Das Haus an der Bismarckstrasse hatte einmal einen exzellenten Ruf als Wagner-Bühne. Und davon zehrt es selbst in den heutigen turbulenten Zeiten noch immer. Kaum ist ein Werk Richard Wagners im Programm, stehen draußen vor der Türe die Interessenten mit dem "Suche Karte"-Schild in der Hand und die größte Berliner Oper ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Dies gilt für den Ring (auch in der zweiten Serie) wie jetzt für die Meistersinger von Nürnberg in der 15 Jahre alten Inszenierung von Götz Friedrich. Um es gleich vorweg zu sagen, die Erwartungen der Wagner-Fans wurden nicht enttäuscht, zumindest als Wagner-Haus ist die Deutsche Oper weiterhin eine sehr gute Adresse. Im Mai 1993 war Premiere - für Bühnenwerke vor ewig langer Zeit. Aber die Kunst und das Können von Götz Friedrich zeigen sich gerade auch daran, wie wenig überholt und immer noch gültig seine Inszenierungen sind. Es werden realistische Figuren auf einer weitgehend realistischen Bühne gezeigt - allerdings nicht platt und nicht deutschtümelnd, jeglicher Lebkuchen-Kitsch bleibt draussen vor, sondern mit feiner Charakterzeichnung, mit leichter, nie verletzender Ironie, und einer stupenden Personenregie, die wohl dank intensiver Probenarbeit (Spielleitung: Gerlinde Pelkowski) nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hat. Sicherlich inszeniert man heute nicht mehr wie vor 15 Jahren; was aber gutes Regietheater ausmacht und auch nach diesen Jahren noch Bestand hat, ist bei diesen Meistersingern zu genießen. Es sind immer wieder einzelne Kabinettstückchen an Personenführung zu bestaunen, sei es die Meister-Runde im ersten Akt, die nächtliche Prügelszene vor Sachsens Haus, die fulminante Zeichnung von Meister Beckmesser oder die Festwiese zum Schluss mit dem Aufzug der Zünfte, in der die Bühne in all ihrer Opulenz von Volk, Akrobaten und Gauklern fast überquillt. Was in solch einer Szene ein "Bewegungs"-Chor bedeutet und wie Massen auf einer Bühne bewegt werden können, lässt sich hier sehr sinnfällig und überzeugend studieren. Und wenn dann auch noch ein weitgehend solides, Wagner-adäquates Ensemble zusammen kommt, steht dem Aufführungsglück nichts mehr im Wege. Der Schuster und Poet Hans Sachs hatte in Robert Holl einen stimmstarken Protagonisten, der jenseits des reinen Schöngesangs mit differenziertem Vortrag zu beeindrucken wusste. Gegen den Schluss allerdings waren seine Stimmkräfte etwas angegriffen. Zwar erfordert die Rolle eine abgeklärte, mitunter auch resignative Darstellung, doch hierbei über- oder besser untertrieb es Robert Holl denn doch. Mitunter erweckte er eher den Eindruck eines abwesend durch seine Werkstatt schlurfenden alten Schusters, statt des großen Nürnberger Schuster-Poeten. Stig Andersen als Walther von Stolzing konnte mit seinem Heldentenor gut mithalten, hatte sich anfangs wohl etwas zurückgenommen, steigerte sich dann zum Preislied beachtlich. Arutjun Kotchinians Veit Pogner wusste mit seinem breit strömenden Bass glaubhaft zu überzeugen. Seine Tochter Eva allerdings, von Michaela Kaune verkörpert, hat zwar die Kraft eines jugendlich-dramatischen Soprans, ihre Stimme klang aber erst in den letzten Auftritten mit ihrem verehrten Walther von Stolzing wirklich frei und gelöst. Ulrike Helzel als ihre Vertraute Magdalena machte noch mehr aus ihrer Rolle. Im ersten Akt stellte sie, obwohl die kleinere Partie, mit ihrem vollen Alt und ihrem Spiel Eva fast in den Schatten. Bemerkenswert auch Clemens Bieber als Sachsens Lehrjunge David. Seine Stimme und Darstellung wussten vom ersten Auftritt an voll zu überzeugen. Dieser David fiel in dem durchaus guten Ensemble noch positiv auf. Regelrecht heraus stach allerdings der Beckmesser von Markus Brück. Er war in seinem präzisen und prägnanten Ton und seinem Spielwitz einfach toll. Dabei überzog Brück nie, sein Beckmesser ist kein Trottel, er bleibt ein im Grunde angesehener Meister, auch wenn er sich in der Auseinandersetzung mit Hans Sachs und Stolzing total verrannt und lächerlich gemacht hat. Markus Brück als Beckmesser - eine überragende Rollengestaltung. Peter Schneider, Bayreuth-erfahren am Dirigentenpult, ist zwar mehr dem langsamen Zeitmaß verhaftet, was in der Festwiesen-Szene zu leichten Wacklern und kleinen Patzern führte, brachte das Orchester aber dennoch zu vollem, satten Wagnerklang, ohne die Differenzierung und Durchhörbarkeit zu vernachlässigen. Da wurde kein Leuchten und Schwelgen vertan, aber selbst in der triumphalen Festwiese geriet der massive Orchestereinsatz nicht nur laut, sondern volltönend schön. Großer, einhelliger Beifall für alle Beteiligten. Wenn an der Deutschen Oper des öfteren Aufführungen dieser Qualität zu erleben wären, hätte das Haus keinerlei Probleme mehr. (Leider stellt uns die Deutsche Oper Berlin für diese Inszenierung keine Fotos zur Verfügung) |