7. November 2008
Französische Botschaft

Mit Liebe zum Detail

Die französische Pianistin Delphine Lizé spielt in Berlin

Programm

Joseph Haydn
Variationen F-Moll
Eric Tanguy
Passacaille
Olivier Messiaen
4 Préludes: "La colombe", "Chant d'extase dans un paysage triste", "Plainte calme", "Un reflet dans le vent" Franz Schubert
Sonate D-959 A-Dur
Pierre Sancan
Boite à musique (Zugabe)

Mitwirkende

Delphine Lizé - Klavier

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Mit Liebe zum Detail

Die französische Pianistin Delphine Lizé spielt in Berlin

Von Leyla Jasper

Einer der berühmtesten Pianisten aller Zeiten, Józef Hofmann, erzählte, dass ein von ihm neu einstudiertes Programm erst bei der vierten Aufführung vor Publikum so klang, wie er es sich vorstellte. Auch Svjatoslav Richter gab zu, nur beim vierten Auftritt sein Ideal der Interpretation eines jeden Werkes erzielt zu haben. Die in Hamburg studierende französische Pianistin Delphine Lizé debütierte mit einem sehr schwierigen und für sie neuen Programm in der Französischen Botschaft Berlin. Wie sehr sie auch mit ihrem charmanten Anschlag und ihrer beeindruckenden Virtuosität das Publikum zu bezaubern wusste, so klangen doch noch nicht alle Werke wirklich ausgereift genug für einen Klavierabend.

Die Variationen F-Moll von Haydn wurden stilistisch sehr uneinheitlich geformt. Mal erinnerte die Musik an den anmutigen jungen Chopin (dank reichlich benutztem Pedal und vielen rubati), mal an den Opernkomponisten Mozart mit seinen gut artikulierten Dialogen, danach wurde es ernst wie bei Bach, und am Schluss war es der Philosoph Beethoven, der diese Haydn-Variationen krönte. Vorteilhafter zeigte sich die Pianistin in den Werken der französischen Komponisten. Hier brillierte sie mit ihrer Technik, ihrem Temperament, ihrem rhythmischen Gefühl und einer reichen Klangpalette. Nach der Pause machte sich Lizé an die gewaltige A-Dur-Sonate von Schubert. Offensichtlich war dies ein gerade einstudiertes Werk, denn die Pianistin war durchgehend hauptsächlich damit beschäftigt, den schwierigen Text einigermaßen genau wiederzugeben. Sowohl bei der Wahl des Programms, als auch in der Interpretation war hinter der Pianistin die leitende und führende Hand des Lehrers deutlich zu sehen und zu hören. Dies äußerte sich vor allem darin, dass sehr viel an jedem Detail gefeilt wurde, das Ganze jedoch oft der Aufmerksamkeit entging - ein sehr typischer Fehler bei allen, die noch studieren! Man hatte recht oft den Eindruck, dass der Wille des Lehrers durchschien. Schade, denn Lizé verfügt über viele natürliche Gaben, die nur teilweise im Konzert zu spüren waren. Diese kamen am besten zum Vorschein in der als Zugabe vorgetragenen Miniatur des französischen Komponisten Pierre Sancan. Hier spielte Lizé mit viel Charme und Anmut und setzte damit die perfekte abschließende Pointe des Abends.



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