11. Dezember 2008
Philharmonie

Der Festtagsbraten

Christian Thielemann zu Gast bei den Berliner Philharmonikern

Programm

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 8

Mitwirkende

Berliner Philharmoniker
Christian Thielemann - Dirigent

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Der Festtagsbraten

Christian Thielemann zu Gast bei den Berliner Philharmonikern

Von Heiko Schon

Es ist angerichtet! Christian Thielemann schaut bei den Berliner Philharmonikern vorbei und gemeinsam zieht man einen richtig dicken Leckerbissen für die Feiertage aus dem sinfonischen Ofen: Bruckners Achte, eingelegt in c-Moll, nach dem Rezept der zweiten Fassung. Die gesamte Familie hat an der Festtafel Platz genommen: eingefleischte Brucknerianer, Freunde der Philharmoniker, japanische Touristen. Und bestimmt haben sich auch ein paar Charlottenburger auf den Weg gemacht, die den thielemannschen GMD-Zeiten im Haus an der Bismarckstraße nachtrauern. Alle drei Aufführungen sind komplett ausverkauft. Der Empfang am ersten Abend fällt für einen Dirigenten unerwartet herzlich aus - und los geht's.

Nun beschränkt sich Thielemanns Passion ja nicht allein aufs deutsche Repertoire. Er sieht sich der deutschen Kapellmeistertradition verpflichtet. Wie heißt das so schön? Der Maestro stellt sich in den Dienst des Werkes. Er ist Interpret. Nun man könnte auch sagen: Er geht auf Nummer sicher. Fragt, hinterfragt nicht. Thielemann dirigiert diesen Bruckner also so, wie man es von ihm erwartet: entschlossen, kraftvoll, schwelgerisch. Wirklich überraschend gelingen deshalb nur vereinzelte Passagen, etwa wenn das Unisono-Motiv kaskadengleich in den Orbit schießt, das Hauptthema ein Gefühl von Schwerelosigkeit vermittelt oder einer Tonfolge mitunter der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Doch die Berliner Philharmoniker spielen überwiegend da harmonisch und abgerundet, wo doch mehr Schärfe angebracht, mehr Mut zu Sprödem, Hässlichem, Emotionalem wünschenswert wäre. Unter so viel Opulenz verebbt manch eine urgewaltige Phase zur altjüngferlichen Klangwelle. Damit grenzt sich Thielemann wohl ganz bewusst von den jungen Wilden seiner Generation ab. In großen, gemächlichen Schritten geht's aufs sanftmütige Finale zu. Da stapft der Maestro marschierend durch die Landschaft des vierten Satzes, bezwingt durch aufdringliche Akkorde, setzt auf massives, egoistisches Blech und gesteigerte Dramatik. Doch mag dieser Bruckner am Ende noch so herrlich munden: Schwer im Magen liegt er trotzdem.



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