18. Februar 2008
Kammermusiksaal

Keine Ermüdungserscheinungen

Das letzte Berliner Konzert des Alban Berg Quartetts

Programm

Joseph Haydn
Streichquartett G-Dur op. 77 Nr. 1 Hob. III:81

Alban Berg
Streichquartett op. 3

Franz Schubert
Streichquartett Nr. 15 G-Dur D 887

Mitwirkende

Alban Berg Quartett
Günter Pichler - Violine
Gerhard Schulz - Violine
Isabel Charisius - Viola
Valentin Erben - Violoncello

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Keine Ermüdungserscheinungen

Das letzte Berliner Konzert des Alban Berg Quartetts

Von Werner Friedrich / Foto: Juri Tscharyiski

Aban Berg Quartett

Man hat ihnen viel zu danken und man hat ihnen auch gedankt: Ein ausverkaufter Kammermusiksaal bejubelte das letzte Berliner Konzert des Alban Berg Quartetts, als ob es sich um eine Popgruppe handelte, und zum Schluss dankte ihnen auch noch der Philharmoniker-Chef Simon Rattle persönlich, nicht nur in Worten, sondern auch, indem er zusammen mit ihnen den langsamen Satz des Klavierquintetts von Antonin Dvorak aufführte - im Gedenken an den verstorbenen langjährigen Bratscher des Quartetts, Thomas Kakuska. Eine wunderbare Geste, die dann auch das Letzte war, das man von den Bergs in Berlin hörte.

Letzte Programme sind wie die berühmten letzten Worte mitunter noch einmal eine Zusammenfassung einer (künstlerischen) Haltung. Joseph Haydn, Alban Berg, der Namenspatron des Ensembles als naheliegender Verweis auf die viele Neue Musik, die das "ABQ" in über drei Jahrzehnten gespielt hat, und Franz Schubert standen auf dem Programm - nicht Mozart und Beethoven, deren Quartette man noch besser kennt. Denn ohne Haydn wäre alles nichts geworden, und Schubert ist der Komponist, dessen Werke uns immer wieder in eine ganz eigene, ganz besondere Welt entführen, und uns immer von Neuem staunen machen.

Die Vitalität des Ensembles scheint in seiner letzten Saison völlig ungebrochen, und es hört auf, bevor das erste Anzeichen von Ermüdungserscheinungen zu erkennen wäre. Traurig für die Bratscherin Isabel Charisius, die sich wunderbar in den Gesamtklang einfügt, der das Wunder dieser Gattung immer wieder vor Ohren führt und die Musik wie aus einem Guß erfahrbar macht. Welche Präzision in der Rhythmik, welcher Ambitus in der Dynamik, welche ins Extrem getriebene neuere Spielweisen etwa im Quartett Bergs, ein Feuerwerk aus spieltechnischen Errungenschaften! - und trotzdem alle zusammen im Dienst der Darstellung der Musik.

Das Alban Berg Quartett hat einst wohl als erstes Ensemble des deutschsprachigen Raums verstanden, dass in der Nazizeit die bedeutendsten Interpreten emigriert waren. Als bereits wohlbestallte Orchestermusiker - Günter Pichler etwa war immerhin bereits Konzertmeister der Wiener Philharmoniker - gingen sie nach Cincinnati, um beim LaSalle Quartet zu studieren. Diese Suche nach künstlerischer Wahrheit, der riskante Umweg, hinter den kurzfristige Karriereziele zurücktreten mussten, haben zu einer einmaligen Laufbahn geführt, die das Ensemble nicht nur erfolgreich werden ließ, sondern auch vielen jüngeren Ensembles als Vorbild diente. Man kann Tonträgern gegenüber immer skeptisch sein: In dem Augenblick, wo ein solches Ensemble abtritt, sind sie ein gewaltiger Trost.



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