28. Oktober 2007
Staatsoper

Meisterstücke

Auftakt des Zyklus "Daniel Barenboim & Gäste" in der Staatsoper

Programm

Wolfgang Amadeus Mozart
Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello Es-Dur KV 493
Elliott Carter
Sonate für Violoncello und Klavier
Johannes Brahms
Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello c-Moll op. 60

Mitwirkende

Petra Schwieger - Violine
Yulia Deyneka - Viola
Claudius Popp - Violoncello
Daniel Barenboim - Klavier

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Meisterstücke

Auftakt des Zyklus "Daniel Barenboim & Gäste" in der Staatsoper

Von Leyla Jasper / Foto (Barenboim): Sheila Rock

Kaum zurück aus Japan, wo die Staatsoper Berlin im Oktober diesen Jahres gastierte und ihr Generalmusikdirektor Daniel Barenboim die renommierte Auszeichnung Praemium Imperiale erhielt - den "Nobelpreis der Künste", schon startete in demselben Monat der Barenboim-Zyklus an der Heimstätte der Staatsoper unter den Linden. Der ganze Zyklus wird sich in unterschiedlicher Besetzung auf sieben Konzerte erstrecken, die dem Publikum jeweils als sonntägliche Matineen dargeboten werden.

Daniel Barenboim

Beim ersten Konzert des Zyklus am 28. Oktober trat der Maestro zusammen mit drei jungen Musikern der Staatskapelle Berlin auf. "Der Meister und seine Schüler" - so könnte man diese Zusammensetzung des Ensembles bezeichnen. Wohl denjenigen, denen das Glück beschert wurde, von solch einem Meister lernen zu dürfen! Im Quartett KV 493, mit dem das Konzert eröffnet wurde, genoss der Pianist sichtlich das Musizieren, sein Spiel wirkte besonnen und lebensfroh, die Passagen perlten und die Triller glänzten, während in dem langsamen Larghetto die zartesten Rubati und die feinsten Abstufungen des Klanges die musikalischen Phrasen zur Geltung brachten. Den echten Mozartschen "Wiener Charme" fand man allerdings nur bei Barenboim vor. Wie so oft bei jungen Musikern der Fall, war das Spiel der anderen Quartettmitglieder am Anfang noch etwas befangen und unsicher. Die natürliche Aufregung beim Auftritt, die man noch nicht sofort zu unterdrücken weiß, führte wohl dazu, dass sie noch zu sehr Rücksicht auf ihren Meister nahmen, als ob sie auf den Dirigentenstab warteten, während die Musik Mozarts oft temperamentvollen, solistischen Einsatz von den Musikern verlangt. Jedoch gelang es den Streichern, im letzten Allegretto die vom Klavierpart ausgehenden Impulse aufzugreifen und weiter zu tragen, woraus sich immer wieder ein hübscher Dialog zwischen den Instrumenten ergab.

Elliot Carter

Im nächsten Jahr feiern die Öffentlichkeit und der amerikanische Komponist Elliott Carter selber dessen hundertsten Geburtstag. Dies hat wohl den Anlass dazu gegeben, Werke des Komponisten in einige Programme des Zyklus aufzunehmen. Hier erklang die Sonate für Violoncello und Klavier, die dank ihrer Expressivität so viel Anklang beim Publikum fand, dass in der Pause nur noch davon die Rede war. "Wie der Cellist gespielt hat! Als ob etwas kaputt gemacht werden sollte!" - "Na ja, das ist ja eben die moderne Musik!" sprachen zwei Damen im Foyer des Opernhauses, auf ihre Art den emotionalen Inhalt der Sonate zusammenfassend. Das Publikum wollte gar nicht mit dem Applaus aufhören, und die zwei Künstler mussten immer wieder auf die Bühne, bis sie sich schließlich entschlossen, eine Zugabe vorzutragen - ein von Antonín Dvorák ursprünglich für Cello und Orchester geschriebenes Stück, Die Waldruhe, das nun, in der Bearbeitung für Cello und Klavier, das Publikum mit seiner romantischen Schönheit bezauberte.

Wenn die drei jungen Musiker beim Mozart-Quartett noch etwas schüchtern wirkten, so war es ganz anders im Quartett c-Moll op. 60 von Brahms. Nun herrschte unter allen vier Künstlern ein einziger Geist, und es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass dies der Geist von Brahms war! Wenn der Komponist sonst nur selten Erklärungen zu seiner Musik gab, so gehört das Quartett c-Moll zu den ganz wenigen Ausnahmen. Dieses Quartett sei "etwa eine Illustration zum letzten Kapitel vom Mann im blauen Frack und gelber Weste", schrieb Brahms und meinte damit den goetheschen Werther. Wer beim Lesen des Romans jedoch das menschliche Leiden einer unglücklichen Liebe nicht ganz nachvollziehen konnte, der hätte beim Konzert dabei sein sollen, um die offene, schreiende, schmerzende und vor allen Augen und Ohren bloßgelegte Leidenschaft in der Musik zu erleben! Die hohe Professionalität diente hier nur dazu, die größtmögliche Ausdruckskraft zu erreichen, und dies war einer der Augenblicke, die unvergesslich in der Erinnerung der Zuhörer bleiben werden.

Mit diesem fulminanten Finale ging das erste Konzert der Reihe zu Ende, und es wurde - ob nun absichtlich oder nicht - ein Bogen gespannt zum nächsten Konzert, das ausschließlich aus Werken von Brahms besteht. Hier werden zwei ebenbürtige Meister gemeinsam auftreten: der Pianist Daniel Barenboim und der Sänger Thomas Quasthoff.



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