31. Mai 2007
Philharmonie

Der Besuch der großen Dame

Montserrat Caballé zu Gast in der Philharmonie

Programm

Liederabend
Stradella: Per pietà
Piccini: Se il ciel mi divide
Cherubini: Ahi! Che forse ai miei di
Niedermeyer: Déjà la nuit s'avance
Massenet: Pour qu'à l'espérance il ne cède
Gounod: Ni l'or ni la grandeur
Leoncavallo: La chanson des yeux Déclaration
Brahms: Wie die Melodien zieht es mir, Liebestreu, Vergebliches Ständchen, Immer leiser wird mein Schlummer, Botschaft
Turina: Saeta Preámbulo
Sorozábal: No corté más que una rosa
Serrano: Marinala
Gimenez: La tarántula

Mitwirkende

Montserrat Caballé - Sopran
Manuel Burgueras - Klavier

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Der Besuch der großen Dame

Montserrat Caballé zu Gast in der Philharmonie

Von Heiko Schon

Montserrat Caballe

Im April dieses Jahres kehrte Montserrat Caballé nach 18 Jahren an die Wiener Staatsoper zurück. Sie feierte auf der Bühne ihren 74. Geburtstag, wurde nebenbei zur Österreichischen Kammersängerin ernannt und ließ während ihrer Auftritte in der vergnüglichen Laurent-Pelly-Inszenierung von Donizettis Regimentstochter selbst Belcanto-Stars wie Natalie Dessay und Juan Diego Florez szenisch hinter sich. Ihrer Duchesse de Crakentorp, die von der Regie wunderbar ausgebaut wurde, konnte man sich auch schwerlich entziehen, bot sie doch genau jene Qualität, die sich die Entertainerin Caballé über Jahre zu eigen gemacht hat - ihren Bühnenhumor. Ein Humor, der irgendwo zwischen ungebremster Lebensfreude und beherzter Selbstironie anzusiedeln ist, schwappte über die Rampe und traf genau das Herz des Publikums. Caballés Darbietung fand in einem Schweizer Volkslied die Krönung, bei dem wohl kein Auge mehr trocken blieb.

Szenenwechsel in die Berliner Philharmonie, welche zum Liederabend von La Superba gut gefüllt ist. Sie sieht gut aus, lehnt am Flügel, nickt ihrem Pianisten zu und beginnt ohne Umschweife mit italienischem Liedgut. Reduziert man Caballés Programm auf den Einsatz ihrer Stimmbänder, kommt man nicht umhin zu hören, dass einstmals stupende Höhen bestenfalls erahnt werden können, dass es wackelt, bröckelt, rutschig wird. Faszination strahlen ihre Vorträge dennoch aus, denn Caballé kann reichlich aus der Kiste der Erfahrungsschätze schöpfen. Und die sind vor allem mit gestalterischen Mitteln randvoll. Caballé taucht Gounod in elegische Farben, Brahms in sonnige Milde und auch die Zarzuelas entfalten ordentlich spanisches Feuer. So lässt ein Profi wie Caballé jeden noch so kleinen Makel vergessen und unterstreicht dafür ihre Eigenschaft als Grande Dame mit charismatischer Persönlichkeit.

Manuel Burgueras ist ihr dabei nicht nur dienlicher Begleiter. Er ist langjähriger Weggefährte und Freund, der Caballé den idealen Rückhalt gibt, sensibel zugreift, langsame Tempi vorgibt. Vor allem ist auch er ein Mensch der Emotionen, schlägt melancholisch (Gounod) bis temperamentvoll (Gimenez) an und schenkt Caballé mit einem zarten Intermezzo Verschnaufpause und Liebesbeweis zugleich. Nachdem die Blumen übergeben und die Küsse verteilt sind, geht es an die Zugaben. Caballé trifft mit dem eingangs erwähnten Volkslied genau die richtige Wahl. Mit Wonne schmettert sie den switzerdütschen Text, bei dem es um ein G'schätzli geht und kassiert dafür Standing Ovations.



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