16. September 2007
Apollo-Saal der Staatsoper

"Wir Schwestern zwei, wir Schönen"

Konstanze Löwe und Maria-Elisabeth Weiler mit Duetten der Romantik

Programm

Robert Schumann
Ländliches Lied op. 29/1, Schön Blümelein op. 43/3, Sommerruh, Erste Begegnung op. 74/1, Herbstlied op. 43/2

Peter Iljitsch Tschaikowski
Drei Duette aus op. 46, Rassvjet / Morgendämmerung op. 46/6, Sljosy / Tränen op. 46/3, V Ogorodje / Im Garten op. 46/4

Johannes Brahms
Die Schwestern op. 61/1, Phänomen op. 61/3, Weg der Liebe, I. Teil op. 20/1, Weg der Liebe, II. Teil op. 20/2

Ernest Chausson
La nuit / Die Nacht op. 11/1, Réveil / Erwachen op. 11/2

Gioachino Rossini
aus Serate musicali: La pesca / Der Fischfang, La regata veneziana / Venezianische Regatta

Mitwirkende

Konstanze Löwe - Sopran
Maria-Elisabeth Weiler - Mezzosopran
André Kellinghaus - Klavier

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"Wir Schwestern zwei, wir Schönen"

Konstanze Löwe und Maria-Elisabeth Weiler mit Duetten der Romantik

Von Leyla Jasper

Konstanze Löwe, Maria-Elisabeth Weiler

Beide blond, beide schlank und hoch gewachsen - sind sie tatsächlich Schwestern, die zwei Sängerinnen, die an diesem schönen Sonntagvormittag im Apollo-Saal der Staatsoper Duette der Romantik vortrugen? Unterschiedlich und doch unzertrennlich wie Tag und Nacht standen sie da: die eine in glitzerndem Gold (helle Sopranstimme), die andere in silbern glitzerndem Schwarz (tiefer gefärbte Mezzosopranstimme). Offensichtlich gaben sich die Sängerinnen, deren Stimmen farblich so gut zueinander passen, viel Mühe mit dem Einstudieren des Programms: Alles klang perfekt aufeinander abgestimmt und dezent. Der gute Geschmack der Sängerinnen zeigte sich darin, dass es bei all dem Ausdruck und Gefühl niemals zu Übertreibungen kam. Sehr plastisch, mit viel Innigkeit und mit natürlichem Charme sangen Konstanze Löwe und Maria-Elisabeth Weiler Duette in einem Programm, das sowohl abwechslungsreich (Werke von fünf Komponisten aus vier verschiedenen Ländern) wie auch einheitlich (alle Duette im 19. Jahrhundert komponiert) aufgebaut war.

Das Konzert begann mit Duetten von Robert Schumann. Die fünf Lieder sollten den Zuhörer vom Frühling durch den Sommer und zum Herbst hin führen - bis zur anschließenden Begrüßung des Winters im letzten Herbstlied: "Du Winter, sei willkommen!" Obwohl die Sängerinnen immer in der Lage waren, sich in die richtige Stimmung des jeweiligen Liedes zu versetzen, so ging doch leider vieles dadurch verloren, dass der vollständig geöffnete Flügel viel zu laut klang. Er beherrschte buchstäblich die Bühne, was sicherlich auch mit der Akustik des Saales zusammenhing. In den folgenden drei Liedern von Tschaikowski war besonders die gute Aussprache des Russischen bei den Sängerinnen zu loben (alle Lieder wurden von den Künstlerinnen in der Originalsprache vorgetragen). Aber auch hier erklang der Flügel viel zu schwer und rhythmisch nicht so biegsam, wie es die Werke von Tschaikowski verlangen. Oft wurde die Dramatik der Phrasen, die die Sängerinnen uns so gut mitzuteilen wussten, vom Pianisten nicht aufgegriffen und weiter geführt, sondern vermindert und aufgelockert. Hierbei sei an die berühmte Episode mit Leonard Bernstein erinnert, als er in seiner Konzertreihe "What Does Music Mean?" die Besonderheit von Tschaikowskis Musik erklärte. Bernstein wählte dafür eine Episode aus Tschaikowskis Vierter Symphonie, die er selber auf dem Flügel darstellte. Während er in die Tasten hämmerte, rief er immer wieder aus, dass die Musik bei Tschaikowski "I want it!" sagt. Und immer wieder: "I want it!" Und dies mit immer weiter sich steigernder Beharrlichkeit, bis man begreife, dass einem nichts mehr übrig bleibe, als zu weinen. Sicherlich hatte Bernstein das Ganze ins Komische gerückt. Doch hatte er gleichzeitig recht zutreffend die ungeheure emotionale Spannung unterstrichen, die Tschaikowskis Musik verlangt und die leider beim Pianisten André Kellinghaus etwas vermisst wurde.

Vier Duette von Brahms holten den Zuhörer im Apollo-Saal zurück auf den deutschen Boden. Nun erklang auch das Lied, das mit seiner Anfangsstrophe "Wir Schwestern zwei, wir Schönen" der ganzen Matinee den Namen verliehen hatte. Kokett, jedoch geschmackvoll war die Gestik der Sängerinnen, deren Freude am gemeinsamen Musizieren sich auf das Publikum übertrug. Hier fehlte noch der weiche Klang, den wir mit dem Klavier bei Brahms traditionsbedingt verbinden. Erst im Duett La Nuit des französischen Komponisten Ernest Chausson gelang es dem Pianisten André Kellinghaus einen sehr weichen, zarten Klang zu erzielen - das musikalische plain-air, das stilistisch schon sehr an die Tonmalerei Claude Debussys erinnert. Umso leichter war es für die Sängerinnen, mit der hoch auffliegenden Melodie das Publikum zu bezaubern.

In den das Konzert abschließenden italienischen Liedern von Rossini zeigten die Sängerinnen, dass sie durchaus im Stande waren, bei Bedarf auch einen großen, den Saal gut füllenden Klang zu erzielen und gaben mit Gusto rossinische musikalische Witze wieder. Als Zugabe erklang - raten Sie mal - das berühmteste unter all den Duetten aller Zeiten und aller Völker. Natürlich, zwei bezaubernde Kätzchen mit ihrem ewigen "Miau"!



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