03. Oktober 2007
Konzerthaus

Mozart: eine nicht nachlassende Begeisterung

Die erste von drei Mozart-Matineen im Konzerthaus

Programm

Wolfgang Amadeus Mozart
Ouvertüre zum Singspiel Der Schauspieldirektor KV 486
Konzert für Violine und Orchester A-Dur KV 219
Sinfonie G-Dur KV 199

Mitwirkende

Konzerthausorchester Berlin
Lothar Zagrosek
Isabelle Faust - Violine

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Mozart: eine nicht nachlassende Begeisterung

Die erste von drei Mozart-Matineen im Konzerthaus

Von Leyla Jasper

Auch nach dem abgeklungenen Mozartjahr 2006 werden dem Publikum erfreulicherweise Programme angeboten, die ausschließlich aus Mozarts Werken bestehen. Mehr noch: Die Mozart-Matinee, die am Tag der Deutschen Einheit 2007 im Konzerthaus Berlin veranstaltet wurde, ist die erste von drei geplanten Mozart-Matineen, die über das Jahr verteilt im Konzerthaus unter der Leitung des Dirigenten Lothar Zagrosek stattfinden werden.

Lothar Zagrosek

"Das größte Geheimnis überhaupt" - so äußerte sich der Pianist Sviatoslav Richter über Mozart. Es scheint aber, dass die Begeisterung für Mozarts Musik, die der Dirigent Lothar Zagrosek im Konzert am 3. Oktober an den Tag brachte, ein Schlüssel zu diesem Geheimnis war. Die Werke des Wiener Klassikers erklangen frisch und dynamisch, leichtfüßig, jedoch temperamentvoll, die Klangmaterie war während des ganzen Konzertes wie von lebendigem Atem erfüllt. Man vergaß dabei nie, dass Mozart auch ein großer Opernkomponist war - fast so ausdrucksvoll wie die menschliche Sprache war die Phrasierung! Auch im Aufbau der ganzen Form jedes Werkes zeigte der Dirigent ein gut durchdachtes Konzept, ein gutes Gefühl für das Ganze. Die Wiederholungen der Themen waren nie bloß Wiederholungen - der Durchführungsteil mit seinen Modulationen in dunklere Moll-Tonarten wurde immer intensiv und dramatisch durchlebt und erzeugte dementsprechend auch Veränderungen bei der Wiedergabe der Themen in der Reprise. Der Hörer wurde Zeuge nicht nur des großen musikalischen Einfühlungsvermögens des Dirigenten, sondern auch seines hervorragenden Könnens: Er beherrschte vollkommen den Klangkörper des Orchesters, der unter seinen Händen wie ein sehr sensibles Instrument wirkte. Rasch wie bei einer Orgel wechselten die Farben, ohne die Bewegung, den Fluss der Musik zu bremsen!

Isabelle Faust

Das Konzert wurde eröffnet mit der Ouvertüre zu Der Schauspieldirektor, die mit viel Schwung und Temperament gespielt wurde und die Aufmerksamkeit des Hörers von der ersten bis zur letzten Note wie gefesselt hielt. Es ist nicht einfach, in einem so populären Werk wie dem Konzert A-Dur KV 219, das sich anschloss, etwas Neues zu sagen. Und so entschied sich die Geigerin Isabelle Faust, vor allem die lyrische Seite der Musik zu unterstreichen. Wenn die Geigerin mit spielerischer Leichtigkeit die schwierigsten und schnellsten Passagen meisterte, so erklang ihre Geige in den Soloeinsätzen oft lyrisch, sogar melancholisch. Der Dirigent zeigte sich dabei als einfühlsamer Begleiter, der viel Rücksicht auf die Intentionen der Solistin nahm. Der Klang des Orchesters war immer perfekt dem Klang der Geige angepasst - sowohl im Tempo als auch in der Lautstärke. Behutsam, delikat und respektvoll gegenüber der Solistin führte Lothar Zagrosek dabei das Orchester. Kaum hatte jedoch die Geigerin ihre Phrase zu Ende gebracht, gewann das Orchester sofort an Klangfülle und Dynamik, und es war ein wirklich spannendes Erlebnis, das gegenseitige Wirken der Geigerin und des Dirigenten zu beobachten, die, trotz unterschiedlicher Temperamente, es doch zur Harmonie und zu einem vollkommenen musikalischen Vortrag brachten. Der dritte Satz Rondeau, Tempo di Menuetto wurde sehr kontrastreich und temperamentvoll vorgetragen und erinnerte uns an manche Seiten und an die Aufführungspraxis der Kompositionen Beethovens. Im mittleren Teil dieses Satzes, der die türkische Musik imitiert, sprang der Dirigent sogar beim Dirigieren hoch, und das Ergebnis war, dass wir ein unvergessliches Bild der exotischen Janitscharenmusik in frischen frappierenden Farben zu hören bekamen.

Die abschließende Sinfonie G-Dur KV 199 wurde entsprechend der alten Aufführungspraxis im Stehen vorgetragen und gewann dadurch noch mehr an Vitalität - so engagiert wirkten dabei die Musiker des Orchesters und der Dirigent. In seiner kurzen Einführungsrede machte der Dirigent den Hörer vor allem auf den zweiten Satz aufmerksam, Andantino grazioso, der zukunftsträchtig geschrieben wurde: Dieser langsame Satz scheint auf Gustav Mahler vorauszuweisen. Tatsächlich klang er mit seinen kurzen klagenden Motiven, die über die düsteren Pizzicati der Celli schwebten, sehr persönlich und eindringlich.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die weiteren zwei Mozart-Matineen genauso gut besucht werden, wie es hier der Fall war. Und hoffentlich werden noch mehr Eltern die ausgezeichnete Kinderbetreuung in Anspruch nehmen wollen, die bei solchen Veranstaltungen im Konzerthaus angeboten wird, damit sie die Musik ungestört genießen können.



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