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23. September 2007 Komische Oper Berlin Das zersägte LachenHomokis Neuinszenierung der Fledermaus an der Komischen Oper |
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ProgrammJohann Strauß (Sohn)Die Fledermaus Lesen Sie unsere anderen Fledermaus-Kritiken:Abschied nach Berliner Art (Komische Oper Berlin)Lass flattern, Mauserl! (Deutsches Theater Berlin) Ein Kessel Tuntes (Hans Otto Theater Potsdam) |
MitwirkendeKomische Oper BerlinMusikalische Leitung: Markus Poschner Inszenierung: Andreas Homoki Bühnenbild und Kostüme: Wolfgang Gussmann Dramaturgie: Werner Hintze Chöre: Robert Heimann Licht: Franck Evin Gabriel von Eisenstein: Klaus Kuttler Rosalinde: Gun-Brit Barkmin Frank: Martin Winkler Prinz Orlofsky: Karolina Gumos Alfred: Christoph Späth Dr. Falke: Günter Papendell Dr. Blind: Thomas Ebenstein Adele: Natalie Karl Ida: Saskia Krispin Frosch: Peter Renz Chorsolisten und Orchester der Komischen Oper Berlin |
Das zersägte LachenHomokis Neuinszenierung der Fledermaus an der Komischen OperVon Heiko Schon / Fotos: Monika Ritterhaus
In letzter Zeit scheinen Sätze mit dem Wörtchen so in der Kulturszene unwahrscheinlich angesagt zu sein. ... und das ist auch gut so - wiederholt Klaus Wowereit und schmeißt das gleichnamige Buch in die Läden. Wir sind so - schreit uns die Komische Oper von den Plakaten der im Spätsommer gestarteten Werbekampagne entgegen. Nach dem Schlussvorhang dieser nagelneuen Fledermaus muss man sich fragen: Ja wie, so? So mutwillig hip? Wolfgang Gussmann zitiert als Ausstatter Operetten-Etikette. Davor macht auch seine Bühne nicht halt, die so aussieht, als ob Otto Schenk absichtlich seine Möbel etwas schräg aufgestellt hätte. Aber so darf es doch nicht bleiben, schließlich haben wir vor allem Gussmann-Kleiderschränke und Gussmann-Kronleuchter schon ein halbes Dutzend Mal gesehen. Es muss doch irgendwas damit passieren. Also kippen Wände, Kommoden, ein Flügel - ach was - die ganze Gesellschaft gerät optisch in die Schieflage, in der sie sich mental schon längst befindet.
So widersprüchlich? Nachdem Andreas Homoki bereits zwei Mal Operette am Haus in der Behrenstrasse inszenierte, kehrt er nun seinen Stil von traditioneller Erzählweise im modernen Gewand - was einmal beglückend (Die lustige Witwe) und einmal banal geriet (Csardasfürstin) - ins genaue Gegenteil, um sich ebenfalls in die Riege der Regisseure einzureihen, die dieser Gattung etwas aufpfropfen wollen, um sich so als Retter zu beweisen. Doch die Operette wehrt sich mit all ihren Mitteln gegen solch eine Hinterlist. Sie ächzt, stöhnt, windet sich unter dem Ballast und entzieht sich letztlich doch. Homoki beweist mit seiner Version nur eines: dass er das Vertrauen in das Genre verloren hat. So bissig komisch? Bei Homoki holen sich seine Darsteller den ein oder anderen blauen Fleck weg - entweder aufgrund unzähligem Hin- oder Runterfallen oder aber vom Schenkelklopfen. Permanentes Overacting - so ist es am besten zu beschreiben, wie der Regisseur seine zum Dauergrimassieren verurteilten Protagonisten über das - laut Programmheft - spiegelglatte Parkett schickt. In den Sprechpassagen ist keine Zote zu abgeschmackt, keine Uralt-Pointe zu billig, um sie nicht über die Rampe zu hauen. Selbst ein Komödiant wie Peter Renz (Frosch) wirkt da wie ein Possenreißer in einer Stadl-Klamotte. Nun werden einige die Arme heben, dies sei doch bitte alles ironisch zu verstehen. Aber darf Ironie so lustlos, so einschläfernd daherkommen? War es jemals ein grandioser Einfall diverse Sprechblasen vom Chor als Frage zu wiederholen? Spott hin, Spaß her: Niemand ist humorloser als derjenige, der als einziger über seine Witze lachen kann.
So ensemblestark? Das kann man bei diesem Abend bestenfalls erahnen, obwohl dies die letzten Produktionen gezeigt haben. An erster Stelle tut einem Karolina Gumos leid, die als Pausenclown Dr. Falkes - mehr ist der Orlofsky nun nicht mehr - hoffnungslos überfordert ist. Klaus Kuttler als Backen blasender, Augen rollender, outriert zappelnder Eisenstein entpuppt sich als zweite fehlbesetzte Personalie. Gun-Brit Barkmin besitzt als Rosalinde da weitaus mehr Gespür für Komik. Leider nimmt sie nicht immer Rücksicht auf stimmliche Grenzen, so dass Barkmins Porträt nur auf lauer Gefühlsstufe erwärmt. Günter Papendell (Falke) und Thomas Ebenstein (Blind) halten sich wohltuend zurück, während Christoph Späth (Alfred) und Martin Winkler (Frank) mutiger auftreten und sich trotzdem nicht blamieren. Wenn es einen Star in dieser Aufführung gibt, dann heißt er Natalie Karl. Karl mag keine erotische Adele sein, aber eine umwerfend ulkige, die zudem das richtige Timing, virtuos sitzende Koloraturen und die lyrische Geschmeidigkeit für diese Rolle mitbringt. Markus Poschner gibt vom Graben aus solistenfreundliche Einsätze - mehr Positives lässt sich allerdings von dort nicht berichten. Im ungleichmäßigen Walzertakt verliert Poschner mitunter die Übersicht, die er durch seinen extrovertierten Dirigierstil - ach ja, wir spielen ja Operette - zu kaschieren versucht. Als ob bei Poschner Knallfrösche unterm Frack sitzen, springt er auf dem Pult herum und schert sich wenig um ein geschlossenes Orchester. Die neue Saison hat ihre erste Gurke. Traurig, ist aber so. |