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15. Juli 2007 Komische Oper Berlin Abschied nach Berliner ArtDie letzte Inszenierung von Harry Kupfer an der Komischen Oper |
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ProgrammJohann Strauß (Sohn)Die Fledermaus Lesen Sie unsere anderen Fledermaus-Kritiken:Das zersägte Lachen (Komische Oper Berlin)Lass flattern, Mauserl! (Deutsches Theater Berlin) Ein Kessel Tuntes (Hans Otto Theater Potsdam) |
MitwirkendeKomische Oper BerlinMusikalische Leitung: Kimbo Ishii-Eto Regie: Harry Kupfer Bühnenbild: Hans Schavernoch Kostüme: Reinhard Heinrich Chöre: Peter Wodner Gabriel von Eisenstein: Stephan Spiewok Rosalinde: Sinéad Mulhern Frank: Klemens Slowioczek Prinz Orlofsky: Jochen Kowalski Alfred: Christoph Späth Dr. Falke: Bernd Valentin Dr. Blind: Peter Renz Adele: Susanne Serfling Ida: Saskia Krispin Frosch: Hans-Martin Nau Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin |
Abschied nach Berliner ArtDie letzte Inszenierung von Harry Kupfer an der Komischen OperVon Heiko Schon / Fotos: Monika Ritterhaus
Vorbei! Ein dummes Wort! Ja, zum Ausklang dieser äußerst erfolgreichen Spielzeit der Komischen Oper geht so einiges zu Ende, was die Emotionen auf hoher Flamme köcheln lässt. Das letzte Konzert des Generalmusikdirektors gerät trotz kühlem, skandinavisch-russischem Programm außergewöhnlich gefühlvoll, als sich Intendant Andreas Homoki, Kulturstaatssekretär André Schmitz und das ganze Orchester vom sichtbar gerührten Kirill Petrenko verabschieden, ihm für seine herausragende Arbeit danken und in freier Wildbahn alles Gute wünschen. Daneben werden mit Maria Bengtsson und Andreas Conrad zwei weitere Publikumslieblinge mit Beginn der neuen Saison dem Haus den Rücken kehren. Und nun geht symbolisch auch ein Künstler, der lange schon gegangen ist: Harry Kupfer. Denn im Gegensatz zur Deutschen Oper, die sich nur zaghaft der Arbeiten ihres früheren Meisters Götz Friedrich entledigt, hat die Führung der Komischen Oper die Ärmel hochgekrempelt und ausgemistet. Nun verschwindet mit dieser Fledermaus Harry Kupfers nicht einfach ein Stück vom Spielplan, sondern auch seine letzte Arbeit, die überhaupt noch am Hause lief.
"Letzte Vorstellung" - so ist es ins Leporello gedruckt. Keine lustige Angelegenheit. Auch nicht bei einer Operette. Getreues Stammpublikum sitzt im Saal, die der Kupfer-Produktion "Adieu" sagen wollen. Blumensträuße und sogar ein Transparent ("Danke, Prinz Jochen") haben sie mitgebracht. Liebend gern kramt man an dieser Stelle die Anekdote hervor, dass bei einer Silvestervorstellung die damals 87-jährige Brigitte Mira im 2. Akt das Couplet der Adele Mein Herr Marquis zum Besten brachte und anschließend trocken über ihre Leistung behauptete: "Naja, eine Adele war es nicht, wohl eher eine Bedele." Es landen also einige Wermutstropfen im Champagnerglas, als Jochen Kowalski - Auftrittsapplaus - zu den ersten Takten der Ouvertüre vor den Vorhang tritt. Er absolviert ein letztes Mal den Orlofsky, denn in der neuen Inszenierung wird wieder eine Dame den Part übernehmen. Ohnehin fragt man sich beim Durchblättern der Spielzeitvorschau 2007/08, was Jochen Kowalski, der weiterhin Ensemblesänger bleibt, zukünftig interpretieren wird. Eine Opernfigur scheint nicht vorgesehen, obwohl ein Theatertier vom Range Kowalskis die Darstellung braucht wie die Luft zum Atmen. Mag manch ein Ton nach unten transponiert sein: Sein Porträt des jungen Prinzen, der über nichts mehr lachen kann, ist schon eine Meisterleistung.
Die vollbringen im Grunde genommen fast alle Solisten. Stephan Spiewok ist ein richtiger Spieltenor aus Fleisch und Blut, ein kraftvoller Eisenstein wie aus dem Bilderbuch. Susanne Serfling als liebreizende Adele ist derart charmant bei der Sache, dass man über einige versemmelte Höhen hinweghört und sich lieber auf ihre Spiellust konzentriert. Sinéad Mulhern hat an ihrem Stammhaus bereits anspruchsvolle Partien wie Zerlina und Jenufa gesungen. Mit der Rosalinde hat sie jetzt die nächste stimmliche Hürde erfolgreich erklommen. Mulherns Sopran hat sich - wie der Csárdas exemplarisch zeigte - ausgezeichnet entwickelt, was nicht ohne Folgen blieb. Auch sie verlässt jetzt das Sängerensemble der KO, um Engagements, unter anderem an der Wiener Staatsoper (Mimi, Gräfin), wahrzunehmen. Klemens Slowioczek konnte extra für die letzte Staffel gewonnen werden, wurde er doch schon vor einigen Monaten in den Ruhestand geschickt. Davon keine Spur: Wirkungsvoll und mit viel Witz bewältigt er seinen Frank. Bernd Valentin erreicht als Dr. Falke nicht ganz den Humorpegel eines Peter Renz (Dr. Blind) oder Christoph Späth (Alfred). Hans-Martin Nau ist als Frosch vor allem für die Erinnerungen an selige Operettenzeiten zuständig.
Das kann man vom Dirigat nicht behaupten, denn Kimbo Ishii-Eto setzt lieber auf billige Knalleffekte denn auf geschlossenes Musizieren. Im Walzertakt schrammt der Klang gefährlich nahe am Abgrund vorbei, die Defizite bei den Bläsern sind unüberhörbar und Unter Donner und Blitz wird regelrecht an die Wand gefahren. Au Backe! Urlaub scheint nötig. Noch ein Wort zur Inszenierung? Die ist - gemessen an einer werkgetreuen Wiedergabe - wahrlich perfekt. Das scharfsinnige Einheitsbühnenkonstrukt von Hans Schavenoch bietet genug Treppen, Gänge und sogar einen Fahrstuhl für Kupfers feinsinnig kurzweilige Personenführung. Ein Abend für das Publikum - unterhaltsam und sorgenfrei - ist abgesetzt worden. Die Messlatte für Andreas Homoki liegt hoch. |