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25. Mai 2007 Deutsches Theater Berlin Lass flattern, Mauserl!Die Fledermaus am Deutschen Theater |
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ProgrammJohann Strauß (Sohn)Die Fledermaus Lesen Sie unsere anderen Fledermaus-Kritiken:Das zersägte Lachen (Komische Oper Berlin)Abschied nach Berliner Art (Komische Oper Berlin) Ein Kessel Tuntes (Hans Otto Theater Potsdam) |
MitwirkendeRegie: Michael ThalheimerBühne: Olaf Altmann Kostüme: Katrin Lea Tag Einstudierung, Musikalische Leitung und Einrichtung, Hammondorgel, Piano: Wolfgang Roggenkamp, Franz Klee, Florian Appel Gabriel von Eisenstein: Ulrich Matthes Rosalinde: Nina Hoss Dr. Falke: Michael Benthin Prinz Orlofsky: Horst Lebinsky Alfred: Samuel Finzi Frank: Michael Gerber Dr. Blind: Peter Pagel Adele: Lotte Ohm (Schauspiel), Hanna Herfurtner (Gesang) Ida: Valery Tscheplanowa Frosch: Sven Lehmann |
Lass flattern, Mauserl!Die Fledermaus am Deutschen TheaterVon Heiko Schon / Fotos: Katrin Ribbe
Im stressigen Alltagseinerlei, wo manch einer kaum mehr Zeit hat sich über Produkte zu informieren, können einfach formulierte Werbehinweise ein Segen sein. Da bekommt man als Kunde im Internetbuchhandel mitgeteilt, dass andere Käufer des Bestsellers A auch Lektüre B oder Wälzer C erworben hätten. In Filmzeitschriften wird darauf hingewiesen, dass sich das Ansehen dieses Streifens lohnen würde, wenn man bereits dieses oder jenes Movie gut fand. Und obwohl es absurd ist, diese Methode auf die Kunstsparte Theater zu übertragen, juckt es hier und heute in den Fingern es doch zu tun. Die Fledermaus in der Regie von Michael Thalheimer könnte ihnen gefallen, wenn Sie Die Lustige Witwe an der Staatsoper Unter den Linden mochten. Zugegeben, Sie würden damit keinem sonderlich großen Personenkreis angehören, denn das End- und Eiszeitgezappel von Peter Mussbach wollte irgendwie keiner sehen und soff an der Kasse gnadenlos ab. Gleich nach der Premiere fühlte sich Mussbach durch Presse-Echo und Zuschauerreaktion missverstanden, gab Erklärungsversuche ab und nahm Änderungen an seinem Konzept vor. Es half alles nichts: Die Silvester- und sonstigen Repertoirevorstellungen mussten in der laufenden Spielzeit ausgetauscht werden. Wie man dem Jahresplan der kommenden Saison entnehmen kann, ist dieser Flop nun endgültig in der Versenkung verschwunden. Mussbach und Thalheimer gleichen sich darin, Operette inszenieren zu müssen, ohne ihr zu vertrauen, geschweige denn, damit überhaupt etwas anfangen zu können. Beiderlei kippte man seine stilistische Soße über ein Werk, die im Grunde genommen auf jedes x-beliebige Stück passen würde. Das heißt bei Thalheimer zuallererst: Sämtlicher Ballast geht über Bord! Also bleibt der Vorhang unten und nur ein dreiteiliges Ledersofa steht davor, auf dem es sich Nina Hoss bequem macht. Mit ihrer zerfransten Mähne, die später als Maske einfach ins Gesicht gekämmt wird, und den staksig-hoppelnden Bewegungen erinnert Hoss an einen batteriebetriebenen Plüschpudel, dessen Quieken und Piepen den Gesängen der Schauspielerin nicht unähnlich sind. Das an sich hätte man verschmerzen können, wäre Hoss darstellerisch aus ihrer schablonenhaft angelegten Rosalinde ausgebrochen. Doch wie sie geben sich auch Ulrich Matthes, Lotte Ohm und all die anderen dem gestelzten Aufsagen ihrer Texte, den sich emsig wiederholenden Hampeleien und der Verflachung ihrer Charaktere, die sie zu wahren Schießbudenfiguren verkommen lässt, hin. Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. Und der Humor? Nun ja. Wie bezeichnet man das Niveau, wenn beispielsweise Dr. Blind seine Popel am Lederpolster abschmiert oder Gabriel von Eisenstein vorgibt, eine Damenuhr mit kleinem, süüüüssem Eisbär zu besitzen? Es beruhigt dann aber doch zu bemerken, dass die Originaldialoge von Haffner und Genée die meisten Lacher kassieren. Amüsement verbreitet auch die Hammondorgel, die der Partitur neben dem Walzer auch flotte Schieber oder feurige Samba entlockt. Die anfängliche Sorge, dass man sich am Ende zugedröhnt wie nach einem mehrstündigen Kirmesbesuch fühle, verflog rasch.
Tempi und Tempo dagegen stellen Probleme dar. Denn immer wieder geht die Musik nur schleppend vorwärts, dreht sich das Geschehen im Kreis und ermüdet zusehends. Das muss auch Thalheimer erkannt haben, der das letzte Drittel der Ballszene einfach unterbricht, um mit der Carlos-Kleiber-Einspielung aus dem Off den dritten Akt runter zu kurbeln. Sven Lehmann ist noch als Frosch zu sehen - das war's dann. Im Programmheft treffen wir auf Schnitzler, auf Bloch und Grönemeyers Alkohol. Ein Schelm, wer dabei ans Ertragen dieses Abends denkt. Diejenigen, die auf Horizonterweiterung für die Gattung Operette hoffen, werden eher dümmer das Theater verlassen, da dies bestenfalls als Stück für Operettenhasser funktioniert. Die Löcher im Parkett werden im Vorstellungsverlauf immer größer, mehrmals klappt die Tür. Ein zu Tode gelangweiltes Publikum bekommt auch nicht mehr zu Stande als brav-mauen Applaus. Oder ist es stiller Protest? Noch, so scheint es, ist die Operette nicht verloren. |