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29. Mai 2007 Komische Oper Berlin A Night at the OperaBarrie Koskys Hochzeit des Figaro an der Komischen Oper |
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ProgrammWolfgang Amadeus MozartLe nozze di Figaro (Die Hochzeit des Figaro) |
MitwirkendeKomische Oper BerlinMusikalische Leitung: Kimbo Ishii-Eto Inszenierung: Barrie Kosky Bühnenbild: Klaus Grünberg Kostüme: Marianne Häntzsche, Birgit Wünschmann Lichtgestaltung: Franck Evin Chöre: Peter Wodner Graf Almaviva: Günter Papendell Gräfin Almaviva: Bettina Jensen Susanna: Brigitte Geller Figaro: James Creswell Cherubino: Elisabeth Starzinger Marcellina: Karolina Gumos Basilio: Christoph Späth Don Curzio: Peter Renz Bartolo: Jens Larsen Antonio: Hans-Martin Nau Barbarina: Anna Fleischer Erste Brautjungfer: Saskia Krispin Zweite Brautjungfer: Mechthild Sauer Orchester und Chor der Komischen Oper Berlin |
A Night at the OperaBarrie Koskys Hochzeit des Figaro an der Komischen OperVon Katrin Kirsch / Fotos: Monika Ritterhaus
Die Repertoirevorstellung von Barrie Koskys Figaro ist auch über zwei Jahre nach der Premiere noch ein großartiges Vergnügen, das trotz der Dauer von 3 ½ Stunden keine Minute langweilig ist, obwohl nicht alle Einfälle gleich gelungen sind und die slapstickartige Komik manchmal über das Ziel hinaus schießt. Die Kritiken der Premiere waren nicht unbedingt überschwänglich, aber eher positiv. Der Tagesspiegel prophezeite der Produktion ein regelmäßig ausverkauftes Haus, was sich leider nicht bewahrheitete, denn bei der letzten Figaro-Vorstellung in dieser Spielzeit war der Saal mehr als halb leer. Der Australier Barry Kosky machte bereits mit der umstrittenen Inszenierung von Ligetis Le Grand Macabre (2003), seinem schockhaften Debüt an der Komischen Oper, von sich reden. Sein Figaro ist hauptsächlich ein großer Spaß. Die Subversivität der Uraufführung ist heute nicht mehr wirklich nachzuvollziehen, daher ist es nur recht und billig, dass Kosky die Geschichte überträgt und daraus eine zeitlose Parabel um Treue, Sex, Anziehung und Eifersucht macht. Die Doppelhochzeit ist eine jüdische, das Mozartsche Orchester wird bereichert durch ein Klezmer-Akkordeon auf der Bühne; zu Beginn der Gartenszene fällt eine Ladung Plastikäpfel von der Decke (Apfel=Garten Eden=Sündenfall?) mit gleichzeitiger Einspeisung von Aromaduft in den Saal; Cherubino wird von der Gräfin für seinen Auftritt als Susanna auf offener Bühne an diversen Körperstellen rasiert; der Graf bedrängt Susanna mit seiner Zahnbürste - es gab viel zu lachen!
Die Bühne von Klaus Grünberg verfolgte ein interessantes Konzept: Da öffnete sich der Bühnenraum von Bild zu Bild mehr, von der Enge eines schuhkartongroßen Zimmers über eine zweistöckige Schrankwand zur großen Weite des gesamten Bühnenraums inklusive Hinterbühne. Jener Schuhkarton mit Luken zum Verschwinden an der Seite und im Boden war das Zimmer von Figaro und Susanna, in dem sich der komplette 1. Akt abspielte. Beim Finale drängelte sich tatsächlich der ganze Hofstaat in den Kasten, eine kleine Hommage an den bekannten Marx-Brothers Klassiker A Night at the Opera… Das Orchester der Komischen Oper spielte auch unter Kimbo Ishii-Eto gewohnt spritzig, kraftvoll, unbeschwert und trotzdem präzise. Der taiwanesische Dirigent, der seit dieser Spielzeit fest am Haus ist und bereits die Premiere von Hoffmanns Erzählungen dirigieren durfte und diese Inszenierung von Petrenko übernommen hat, traf fast immer das richtige Tempo. Allerdings gelang es ihm nicht, Orchester und Sänger reibungslos zusammen zu halten.
Nach der Premiere wurden auch fast alle Stimmen ausgetauscht, mit Ausnahme von Jens Larsens Bartolo und der wundervoll charmanten und glaubwürdigen Susanna von Brigitte Gellert, was jedoch in keinster Weise als Qualitätsverlust zu bemerken war. Die Hauptpartien bildeten ein tolles Ensemble mit ganz exquisiten Stimmen, die sich bei Bedarf auch sehr gut mischten, allerdings manchmal auf Kosten der Textverständlichkeit. Die sehr ansprechende deutsche Übersetzung von Bettina Bartz und Werner Hintze wurde zur Premiere angefertigt und modernisiert den Text nur unaufdringlich. Hervorzuheben ist der Amerikaner James Creswell, der sein Europadebüt als Sarastro an der Komischen Oper gab und seit 2004 im Ensemble ist, als kraftvoller und burschikoser Figaro mit durchdringendem Organ. Er war am besten zu verstehen, ersang sich immer die Aufmerksamkeit, sobald er die Bühne betrat und stahl dem Grafen regelmäßig die Show. |