6. Juli 2007
Gendarmenmarkt

Zum Weglaufen

Eine American Night im Rahmen von Classic Open Air

Programm

C. Cluster: Ouvertüre - Star Trek
Cole Porter: Another Op'nin, Another Show (aus Kiss me Kate)
George Gershwin: Selections from Porgy and Bess
Giacomo Puccini: Nessun Dorma (aus Turandot)
Cole Porter: Too Darn Hot (aus Kiss me Kate)
Leonard Bernstein: Selections from West Side Story
Irving Berlin: There's no business like showbusiness (aus Annie Get Your Gun)
John Williams: Star Wars Suite
Howard Shore: Lord of the Rings
James Horner: Titanic
John Williams: Jurassic Park
Hans Zimmer: Gladiator
John Williams: Darth Vaders March
C. Custer: James Bond 007
John Kander: New York, New York
Verschiedene Gospels

Mitwirkende

Orchester und Chor der Musikalischen Komödie Leipzig
Stefan Diederich - Leitung
Sänger der musikalischen Komödie: Sabine Töpfer, Alexander Voigt
Jocelyn B. Smith
David Lee Brewer
Gospelchöre: BerlinStarSingers, PFF Gospel Choir
The Former Ladies Of The Supremes
Ruth Homann & Jazz Collegium Berlin
Barbara Schöneberger - Moderation

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Zum Weglaufen

Eine American Night im Rahmen von Classic Open Air

Von Katrin Kirsch

Der zweite Abend der diesjährigen Classic Open Air Konzerte am Gendarmenmarkt fand vor vielen leeren Reihen statt, was sicherlich zum Teil an den ungemütlichen Temperaturen und den drohenden Gewitterwolken lag. Der Veranstalter begrüßte trotz allem zuversichtlich (im vergangenen Jahr musste ein Konzert wegen heftigen Unwetters komplett abgesagt werden), bezeichnete die wegen der unsicheren Wetterlage fern Gebliebenen als "feige" und lobte die erschienenen Besucher für ihren Mut.

Doch wieder hatten die Veranstalter kein Glück, schon beim dritten Titel wurde die Aufmerksamkeit der Zuhörer erstmal vom Bühnengeschehen abgelenkt durch das Auspacken von Regencapes und Schirmen. Noch vor der Pause musste abgebrochen werden, um die "schlüpfrige Bühne" wieder trocken zu bekommen. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um zu entkommen, was allerdings auch musikalische Gründe gehabt haben könnte.

Das Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig unter dem Dirigenten Stefan Diederich eröffnete die "American Night" mit Klassikern vom Broadway und aus Hollywood erstaunlich uninspiriert mit der Titelmusik von Star Trek. Filmmusik aus großen Blockbustern der letzten Jahre wie Lord of the Rings, Titanic und Jurassic Park bestimmte weitgehend den 2. Teil des Konzertes. Die Darbietung von Songs u.a. aus Kiss me Kate durch Alexander Voigt und Sabine Töpfer, zwei Sänger aus dem Ensemble der MUKO, geriet durch übertriebene Theatralik und wenig wohllautende Töne zur Enttäuschung, außerdem tanzte das hauseigene Ballett eine an Chorus Line angelehnte Tanznummer mit Glitzerkleidchen als klischeehaften "American way of life".

Der grandios angekündigte Tenor David Lee Brewer, in vielen Genres zuhause, konnte jedoch weder mit den Songs aus Porgy and Bess noch mit dem Arienhit Nessun dorma aus Puccinis Turandot glänzen; die Tenor-Bravourarie geriet zum gezierten Geschrei, Charisma oder Charakter muss man ihm vollends absprechen. Hart an der Schmerzgrenze waren außerdem die Gospelchöre BerlinStarSingers und PFF Gospel Choir, deren Intonation es einem kalt den Rücken herunter laufen ließ. Durch das Programm führte die glanzlose Moderatorin Barbara Schöneberger, die sogar zugab, sich ihre Zwischentexte erst am Vorabend überlegt zu haben.

Einzig die grandiose Jocelyn B. Smith erlaubte ein Aufatmen mit Songs wie dem Gershwin-Hit Summertime. Allerdings musste sie mit einer Löwenmähne als Perücke auftreten (wohl weil sie mit dem König der Löwen-Song bekannt wurde?). Fragt sich nur, warum sich eine so respektable Sängerin für so etwas her gibt.

Zu allem Überfluss war die Beleuchtung weniger stimmungsvoll als geschmacklos, geprägt von puffigen Neonfarben und einer billigen, unsensiblen Lichtshow bei den Gospelnummern. Eine "American Night", die man besser schnell wieder vergisst.



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