1. Januar 2006
Komische Oper Berlin

Sibirische Silvesterböller

Ein ungewöhliches Neujahrskonzert an der Komischen Oper Berlin

Programm

Issak Ossipowitsch Dunajewski: Ouvertüre zu dem Film Die Kinder des Kapitän Grant

Juri Sergejewitsch Miljutin: "Lyrisches Liedchen" aus dem Film Vier Herzen (Kowalski)

Georgi Wassiljewitsch Swiridow: "Romanze" & "Militärmarsch" aus dem Film Schneesturm

Andrej Pawlowitsch Petrow:Lied aus dem Film Eine bittere Romanze (Gvazava)

Jan Frenkel: "Verfolgung" aus dem Film Neue Abenteuer der geheimnisvollen Rächer

Issak Ossipowitsch Dunajewski: "Oh, ein Schneeballstrauch blüht" aus dem Film Kuban-Kosaken (Gvazava, Kowalski)

Franz Waxman: "Kosakenritt" aus dem Film Taras Bulba

Maurice Jarre: "Prelude and Lara's Theme" aus dem Film Doktor Schiwago

Wassili Pawlowitsch Solowjow-Sedoi: "Weil wir Piloten sind" aus dem Film Die Himmelsbummler (Kowalski)

Dmitri Schostakowitsch: "Romanze" aus dem Film Die Bremse

Anatoli Jakowlewitsch Lepin: "Fünf Minuten" aus dem Film Karnevalsnacht (Gvazava)

Issak Ossipowitsch Dunajewski: "Marsch der Enthusiasten" aus dem Film Der helle Weg (Gvazava, Kowalski)

Aram Chatschaturjan: "Walzer" aus dem Ballett Maskerade

Alexander Porfirjewitsch Borodin: "Polowetzer Tänze" aus der Oper Fürst Igor

Mitwirkende

Orchester der Komischen Oper Berlin
Kirill Petrenko - Dirigent
Eteri Gvazava - Sopran
Jochen Kowalski - Altus

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Sibirische Silvesterböller

Ein ungewöhliches Neujahrskonzert an der Komischen Oper Berlin

Von Heiko Schon

Kirill Petrenko

Die guten, alten Traditionen. Beim Radetzky-Marsch klatscht der eine enthusiastisch in die Hände, während der andere entnervt mit den Augen rollt. Zu Freude, schöner Götterfunken sitzt man auch das neunte Mal ergriffen auf dem Platz. Neujahr für Neujahr für Neujahr. Nichts gegen die Herren Strauß und Beethoven, aber man sollte es ruhig glauben: Ein Neujahrskonzert kommt komplett ohne sie aus. Und nicht nur das. Man kann sich sogar trauen, ein Programm auf die Beine zu stellen, das überwiegend mit Musik aus russischen Filmen gespickt ist. Sollte jemand doch ein Fünkchen Skepsis haben, verfliegt es garantiert, sobald der GMD der Komischen Oper auf dem Podium steht.

Denn Kirill Petrenko, der Hans Dampf unter den Musikchefs Berlins, verbreitet eine Aura, die vor Energie vibriert. So auch an diesem Nachmittag. Als ob sich Petrenko sein Heimweh von der Seele dirigieren wollte, servierte er groß emphatisch die pfeffrigen Stücke, schwelgerisch aufgefächert die sentimentalen. Es wurde lässig geswingt und im Walzertakt geflirtet. Ausgebuddelte Juwele, wie etwa der effektvolle Kosakenritt, wurden so schön schmissig gespielt, dass man sich immer wieder fragen musste, warum diese Knaller in unserem Sprachraum nie hohe Popularität erreicht haben. Auch der bekannten Musik, wie etwa der Polowetzer Tänze, drückte Petrenko seinen eigenen, feurigen Stempel auf. Ein Einschalten des Autopiloten kommt für ihn sowieso nicht in Frage. Das Orchester folgte den Anweisungen willig und sehr präzise. Kontinuierliche Aufbauarbeit macht sich eben doch bezahlt.

Während Jochen Kowalski mit viel Charme kleine stimmliche Mängel einfach weggrinste, saß bei Eteri Gvazava vom zarten Piano bis zum kräftigen Forte jeder Ton lupenrein. Freilich war der Spaß an der Sache allen anzumerken. Petrenko alberte mit dem Publikum herum, setzte sich bei Swiridows Militärmarsch hinab zum Plausch mit dem Konzertmeister, gab auf die Fragen des Moderators Malte Krasting drollige Antworten. Vom Theater Meinigen über die Komische Oper hat er es weit gebracht: Anfang Februar debütiert Petrenko bei den Berliner Philharmonikern.



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