16. September 2006
Sophiensæle

To be continued...

Die zweite Staffel von Kommander Kobayashi in den Sophiensælen

Programm

Kommander Kobayashi 2 Opernsaga, Staffel 2

Sergej Newski
Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung

Aleksandra Gryka
SCREAM YOU

Libretti: Tobias Dusche
Nach der Saga Kommander Kobayashi
von Sebastian Bark, Sven Holm, Tobias Dusche

Mitwirkende

NOVOFLOT
Regie: Sven Holm
Musikalische Leitung: Vicente Larranaga
Bühne: Leonie von Arnim
Kostüme: Bettina Latscha
Video: Philip Kießling (halbbild), Alexandra Grieß & Carsten Schmidt (Ullastress.blackdata), Jo Rychlik (aufderlichtung)
Licht: Jörg Bittner
Dramaturgie: Sebastian Bark
Soundkonzeption & Produktion: Torsten Ottersberg (GOGH surround music)
Produktionsleitung: Stefan Fragner

Ma’: Meik Schwalm
Go: Hanna Dóra Sturludóttir
Tii!: Julia Henning
Scrabble: Sibylle Fischer
Kommander Kobayashi: Soichi Kobayashi
Gebärdensolist: Giuseppe Giuranna
Solo E-Gitarre: Jörg Wilkendorf
Ine: Jennifer Walshe

Leserbrief/readers comment Druckversion/printversion

To be continued...

Die zweite Staffel von Kommander Kobayashi in den Sophiensælen

Von Nora Mansmann / Fotos: 1. Katja Ruge, 2. Stefanie Bäuerle

Kommander Kobayashi und seine tollkühnen Hermenauten sind zurück! Noch immer durchreisen sie in ihrem Raumschiff La Fenice das All, und noch immer stürzen sie dabei von einer Extremerfahrung in die nächste. Nachdem die freie Opernkompanie Novoflot um Regisseur Sven Holm im Januar 2005 die erste aus drei Folgen bestehende Staffel ihrer Opernsaga Kommander Kobayashi mit großem Erfolg in den Sophiensælen in Berlin vorgestellt hatte, gibt es anderthalb Jahre später am selben Ort nun endlich die versprochene Fortsetzung zu sehen.

Kommander Kobayashi 2: zum Vergrößern klicken / click to enlarge

Wie schon für die erste Kobayashi-Staffel wurden auch für das neue Projekt Aufträge an junge Komponisten vergeben. Nach den Libretti von Tobias Dusche komponierte der Russe Sergej Newski Folge 3 der Saga mit dem Titel Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung. Aleksandra Gryka aus Polen, bereits an der Pilotfolge beteiligt, schrieb die Musik zu Folge 4 (SCREAM YOU). Beide Folgen erzählen zusammen von einer intergalaktischen Europareise, in deren Verlauf Kobayashi und die Hermenauten hintereinander unter den Einfluss zweier unbekannter, bedrohlicher Systeme geraten: Moskau und Warschau. Es handelt sich um fiktive Orte, die jedoch mit den realen Heimatstädten der beiden Komponisten Newski und Gryka viel gemeinsam haben. In Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung wird der Steuermann der La Fenice, der Hermenaut Ma', in Begleitung Kobayashis nach Moskau geschickt, um die von dort ausgehenden Veränderungswellen zu erforschen und abzuschalten. Während Kobayashi sich mit dem nach der Weltherrschaft strebenden Countertenor und Discofreak Sergej Pawlowitsch einlässt, verliebt sich Ma' in Laika, eine Hündin, Frau und Motorzentaurin - und natürlich vergisst er darüber völlig seine Mission. In der zweiten Folge gerät das Raumschiff La Fenice in das Kraftfeld Warschau. Plötzlich kursiert an Bord eine akustische Droge namens SCREAM, die von den rätselhaften Twins nach und nach an alle Hermenauten verteilt wird. Die Droge aktiviert die geheimen Wünsche und Begierden der Raumfahrer, die diese sofort ausleben. Nur Kobayashi scheint gegen die Droge immun zu sein, denn er ist damit beschäftigt, über seine Kopfhörer ein polnisches Volkslied zu lernen.

Kommander Kobayashi 2: zum Vergrößern klicken / click to enlarge

Bei der Auswahl ihrer Komponisten hat das Team von Novoflot wieder ein gutes Händchen gehabt. Die Musik sowohl von Newski als auch von Gryka ist spannend zeitgenössisch und gleichzeitig angenehm anzuhören. Sie ist witzig und geistreich, und obwohl sie teilweise mit Wiederholungen und kleinen Variationen arbeitet, wird sie nie langweilig. Gemäßigte Atonalität und die Benutzung von Vierteltönen stehen neben Zitaten traditioneller Formen bzw. deren Verarbeitung etwa in Kobayashis polnischem Volkslied, dessen Fragmente mit der neu komponierten Musik verwoben sind. Die Besetzung des kleinen aber feinen ensemble mosaik unter der bewährten Leitung Vicente Larranagas besteht nicht nur aus "klassischen" Instrumenten. Boris Baltschun ist mit dem Laptop für Samples zuständig: Einmal tritt er solistisch hervor und lässt Sergej Pawlowitsch allein zu Clubmusik tanzen, sonst bleiben die elektronisch erzeugten Geräusche im Hintergrund, eingebettet in die Klänge der Streicher und Bläser. Dennoch bestimmen sie stark die Atmosphäre des Abends.

Kommander Kobayashi 2: zum Vergrößern klicken / click to enlarge

Die Opernsage lebt von den absurd-liebenswerten Charakteren, dem undurchsichtigen Kommander Kobayashi und seinen Hermenauten Ma', Tii!, Go und Scrabble. Die um diese Figuren herum konstruierten Geschichten werden nicht um ihrer selbst Willen erzählt - ihre Funktion besteht hauptsächlich darin, die aus der ersten Staffel bekannten Eigenschaften und Schrulligkeiten der Hermenauten liebevoll weiterzuentwickeln und neue seltsame Charaktere einzuführen. Das lässt die Handlung an einigen Stellen beliebig erscheinen, doch das stört nicht weiter, denn die vielen schönen und absurden Einfälle machen trotzdem Spaß, und auch die musikalische Umsetzung des Abends funktioniert in dieser vierten Vorstellung hervorragend. Die Darsteller - allen voran als Hermenauten Hanna Dora Sturludottir (Go), Daniel Henriks (Ma'), Sibylle Fischer (Scrabble) und Eiko Morikawa (Tii!) - begeistern durch Spielfreude, Humor und großartige sängerische Leistungen. In den Episodenrollen sind Judith Kamphues (Laika) und Kaspar Kröner (Sergej Pawlowitsch) zu sehen, und last but not least Soichi Kobayashi in der Rolle des gleichnamigen Kommanders. Eine würdige Fortsetzung der Opernsaga.



©www.klassik-in-berlin.de