06. Oktober 2006
Deutsche Oper Berlin

Die Abenteuer des jungen Don Juan

Ein Liederabend mit Juan Diego Flórez an der Deutschen Oper

Programm

Wolfgang Amadeus Mozart
Ridente la calma
Si spande al sole in faccia aus Il re pastore
Il mio tesoro aus Don Giovanni

Gioacchino Rossini
L'esule
Intesi ah tutto intesi aus Turco in Italia
Concedi amor pietoso aus Italiana in Algeri

Rosa Mercedes Ayarza de Morales
Cuando la tortora llora
La rosa y el clavel
Hasta la guitarra llora

Gabriel Fauré
Apres un rève

Jules Massenet
Ouvre tes yeux bleus

Georges Bizet
Ouvre ton cur

Gaetano Donizetti
Allegro io son aus Rita

Mitwirkende

Juan Diego Flórez - Tenor
Venzo Scalera - Klavier

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Die Abenteuer des jungen Don Juan

Ein Liederabend mit Juan Diego Flórez an der Deutschen Oper

Von Heiko Schon / Foto: Decca/Johannes Ifkovits

Juan Diego Floréz

Die Erwartung ist ein schlechter Ratgeber. Man denkt an sein fulminantes Debüt in Berlin von vor zwei Jahren, an einen herrlichen Elvino, mit dem Juan Diego Flórez in der gerade beendeten Staffel von La Sonnambula das Publikum zu Tobsuchtsanfällen hinriss – und staunte aus diesem Grunde nicht schlecht, dass diesmal kein leichtfüßiger Tenor mit strahlend hoher Tessitura auf dem Podium stand. Dies betraf zumindest den ersten Teil des Liederabends des attraktiven Peruaners. Die Pflicht endete nach einem hölzernen Mozart keineswegs in der Rossini-Kür. Bei L’esul schien es fast so, als ob sich Flórez aus dem drückenden Panzer ans Licht kämpfte, doch auch die Opernarien aus Il turco in Italia und L’Italiana in Algeri enttäuschten mit einigen verkrampften Passagen und gepresster Höhe.

Losgelöst, mit Ay-jay-jay (drei putzige Songs der Landmännin Rosa Mercedes Ayarza de Morales) und einer deutlich glücklicheren Titelwahl ging es nach der Pause weiter. Lausbübisch, schmachtend, selbstsicher bewältigte er das spanische, französische und italienische Fach, wobei besonders die Lyrik von Massenet und die Akrobatik von Donizetti gut bei Florez aufgehoben waren. Vincenzo Scalera ist ein Pianist, der sich eher als Helfer definiert. Einerseits stellte er sich in den Dienst der Musik, schnörkellos und wenig ambitioniert. Andererseits konnte sich Florez auf eine ideale Stütze verlassen, wenn die eigene Textsicherheit mal kurz nachließ. Ein Liederabend heißt auch immer: Am besten schmeckt der Nachtisch. Mit den Arien aus Linda di Chamounix, La fille du régiment (Ah! Mes amis dürfte derzeit wohl kaum einer schöner singen) und Rigoletto fand der Star vollends zu sich selbst. Die Stimme frei, das C stupend, die Farbpalette reich bestückt. Mit Granada und einem Siegerlächeln auf den Lippen verabschiedete er seine begeisterte Zuhörerschaft in die Nacht. Und schon ist sie wieder da und liegt beim nächsten Male hoch – die Erwartung.



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