26. Januar 2006
Konzerthaus

French Connection

Das BSO unter ihrem ersten Gastdirigenten Michael Gielen

Programm

Gabriel Fauré
Pélleas et Mélisande Suite für Orchester nach der Musik zum Schauspiel von Maurice Maeterlinck op. 80

Ernest Chausson
Poème de l'amour et de la mer für Gesang und Orchester

Claude Debussy
Sinfonie aus der Oper Pelléas et Mélisande in der Bearbeitung von Marius Constant

Richard Strauss
"Ach, Du wolltest mich nicht Deinen Mund küssen lassen" - Schlussszene aus der Oper "Salome op. 54

Mitwirkende

Berliner Sinfonie-Orchester
Michael Gielen - Dirigent
Nicola Beller Carbone - Sopran

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French Connection

Das BSO unter ihrem ersten Gastdirigenten Michael Gielen

Von Werner Friedrich

Zu den spannendsten Seiten des Berliner Musiklebens gehört seit langem, dass man auf den Podien der Stadt regelmäßig den Dirigenten Michael Gielen hören und sehen kann, wo er sowohl an der Staatsoper als auch beim BSO erster Gastdirigent ist. Hatte er im Herbst mit der Staatskapelle einen grandiosen Janácek/Beethoven-Abend dirigiert und sich bald danach auf einer Tournee mit einer überzeugenden Interpretation der Missa Solemnis eingestellt (von der Neuproduktion von Forza del destino an der Oper ganz abgesehen), hat er nun mit dem BSO einen Abend fast ausschließlich mit französischer Musik gestaltet und damit den Akzent auf ein Repertoire gesetzt, das in Berlin ohnehin vernachlässigt wird.

Michael Gielen

Gabriel Faurés Orchestersuite Pelléas et Mélisande machte den Anfang, eine von gleich mehreren Pelléas-Vertonungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die ihrem Dichter, dem Großfürsten des Symbolismus Maurice Maeterlinck, der einst ganz Europa in seinem Bann hielt und 1911 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, den Nachruhm dauerhaft sichern. Oft zitiert in den Programmheften zu Debussys gleichnamiger Oper und Schönbergs symphonischer Dichtung, durfte man dieses preziöse kleine Stück selbst einmal im Konzert erleben. Subtilität mag mitunter für ein Abonnementspublikum eine schwere Kost sein, aber die unendliche Feinheit des Klanges (die Instrumentation stammt übrigens von Charles Koechlin) zog dank der vorzüglichen Einstellung des Orchesters sofort in ihren Bann.

Ein selten zu hörendes, aber wunderbares Stück erklang auch mit dem Poème de l'amour et de la mer des 1899 erst 44jährig verstorbenen Ernest Chausson auf einen Text von Maurice Bouchor, dem die Sopranistin Nicola Beller Carbone eine edle, wenn auch nicht immer ganz ausreichende Stimme verlieh.

Zu den bedeutendsten Produktionen und nachhaltigsten Erfolgen Gielens an der Berliner Staatsoper gehört Debussys Pelléas et Mélisande, und so durfte man mehr als gespannt sein, wie Marius Constant aus dieser Musik eine Sinfonie machen würde. Verschiedene musikalische Stationen zwischen dem Vor- und dem Nachspiel der Oper wurden gestreift, immer wieder durchzogen von musikalischen Reminiszenzen, so dass nicht nur in der Erinnerung an die Oper musikalischer Sinn und Zusammenhang entstand. Man spürte auch hier durchweg die Liebe Gielens zu dieser Musik, die er niemals forcierte, sondern in ihrer indirekten, zurückhaltenden Art von innen sich entfalten ließ.

Nach so vielen leisen Zwischentönen und zurückhaltender, fast "indirekter" Musik wurde nun rasch das Orchester für die Schlussszene aus Richard Strauss' Salome aufgestockt. Mit kräftigem Strich, allerdings auch nicht weniger subtil, erklang Salomes Schlussgesang, in dem sich wiederum Nicola Beller Carbone insbesondere in den hochdramatischen Passagen empfahl, während ihre leisen Töne Gefahr liefen, unterzugehen. Alles in allem: Wir warten ungeduldig auf den nächsten Gielen-Abend!



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