29. Juni 2006
Komische Oper Berlin

Tautropfen im Mondesschein

Liederabend: Lust und Frust der Frauen im 18. Jahrhundert

Programm

Lieder von
Wolfgang Amadeus Mozart
Joseph Haydn
Joseph Martin Kraus

Mitwirkende

Maria Bengtsson - Sopran
Rebecca Maurer - Hammerflügel und Rezitation
Malte Krasting - Rezitation

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Tautropfen im Mondesschein

Liederabend: Lust und Frust der Frauen im 18. Jahrhundert

Von Heiko Schon

Maria Bengtsson

Nordisch schön, jedoch nicht unterkühlt, feenhaft, aber doch natürlich betrat Maria Bengtsson in goldbestickter Korsage das Foyer der Komischen Oper. Die bereitgestellten Stuhlreihen reichten nicht aus, so voll war es. Zum Glück machte das Personal eine Ausnahme und ließ die letzten Zuhörer in der seitlichen Pausenlounge Platz nehmen. Die meisten von ihnen sind gekommen, weil sie Opernabende erlebt haben, in denen Bengtsson sie mit ihrer Stimme wie ihrer Aura betörte. Ihr Sopran gleicht einer Süßigkeit: Silbrig glänzend die Hülle, feurig im Kern. Bengtssons darstellerische Qualitäten sind ebenso wandlungsfähig. Seit der Spielzeit 2002/03 ist die Schwedin Ensemblemitglied der Komischen Oper. Hier verkörpert(e) sie Infantin (Der Zwerg), Mařenka (Die verkaufte Braut), Fürstin Marie (Der Vogelhändler), Gräfin Almaviva (Die Hochzeit des Figaro), Zerlina (Don Giovanni), Musette (La Bohème), Fiordiligi (Cosi fan tutte), Iphigenie (Orest). Ihre Rolle in Calixto Bieitos Skandal-Entführung ging in die Geschichte des Hauses ein. Noch heute schwärmen Publikum und Kritiker von ihrer virtuosen, eindringlichen, physisch bis an die Grenzen gehenden Konstanze (wieder im Juli 2007).

Leicht nervös aber sichtlich erfreut begann Maria Bengtsson mit Mozart-Liedern. Und gleich waren sie da: Diese emotionalen, zutiefst warmen Soprantöne. Die Stimme schimmert seidig, dann wieder leuchtkräftig, die unteren Register bewältigte Bengtsson ebenso bewundernswert wie die oberen. Begleitet wurde sie am Hammerflügel von Rebecca Maurer. Dies zwar nicht immer optimal, im Großen und Ganzen aber solide. Die eingeschobenen Rezitationen glichen eher einem Referat. Maurer plauderte über das ausgehende 18. Jahrhundert, über die damalige Rolle der Frauen im Allgemeinen und über die Familien Mozart und Goethe im Speziellen. Tatsächlich handelten die Lieder über strickende, spinnende und Blümchen pflückende Mädchen. Oder über Hennen. Köstlich wie Bengtsson hier ihr Komikpotenzial ausspielte. Der zweite Teil geriet abwechslungsreicher. Teils englische, melancholische und spirituell angehauchte Lieder, die in zwei Fällen auch mal ein hohes C erforderten. Sie perlten geschmeidig und zärtlich aus Bengtssons Kehle.

Und die Aussichten? In der nächsten Spielzeit wird Bengtsson im Bereich der Neuproduktionen sowohl Neuenfels Pamina (Zauberflöte) als auch Deckers Antonia (Hoffmanns Erzählungen) übernehmen. Die nächste Stufe im Karrieretreppchen wird dann in Baden-Baden erklommen. Bei den Pfingstfestspielen wird sie in der Premierenstaffel von Verdis Falstaff (Regie: Philippe Arlaud) die Nanetta singen.



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