5. August 2005
Konzerthaus Berlin

Junges Europa zwischen Tradition und Innovation

Eröffnungskonzert von young.euro.classic im Konzerthaus

Programm

Xiaogang Ye
The Song from the Earth (Das Lied von der Erde), Sätze 5 und 6, UA, Auftragswerk von young.euro.classic

Zhanhao He / Gang Chen
Violinkonzert Butterfly Lovers (Schmetterlingsliebespaar)

Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 6 Pastorale

Mitwirkende

Orchestra of the Central Conservatory of Music Beijing
Yong-yan Hu - Leitung
Chen-ye Yuan - Bariton
Wei Xue - Violine

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Junges Europa zwischen Tradition und Innovation

Eröffnungskonzert von young.euro.classic im Konzerthaus

Von Fabienne Krause

Allein schon der Name young.euro.classic scheint Widersprüche in sich zu vereinen. Umso lobenswerter ist es, wenn sich musikalische Projekte dem Ideal verschreiben, Jugend und Klassik zukünftig ganz selbstverständlich in einem Atemzug nennen zu können. Bei dem vom 05.08. bis 22.08.2005 im Konzerthaus stattfindenden 6. young.euro.classic-Festival geht es aber nicht nur darum, mit Jugendorchestern einen Anziehungspunkt für junges Publikum zu schaffen, sondern auch um einen kulturellen Austausch, der mit China dieses Jahr weit über Europa hinausgeht. Der Namensteil "euro" bezieht sich daher wohl eher auf den günstigen Eintrittspreis von 9 auf allen Plätzen.

Er weist aber auch unfreiwillig auf eine Veranstaltung hin, bei der sich all die Sponsoren und Euro-Spender feiern lassen. So musste man zum Festivalbeginn am 05.08.2005 im gut gefüllten Konzerthaus zunächst einen Dankes- und Redeschwall über sich ergehen lassen, bevor das Orchestra of the Central Conservatory of Music Beijing (China) unter der Leitung von Yongyan Yuan endlich zur musikalischen Hauptsache des Abends kommen konnte.

Zum Auftakt erklang die eigens für das Festival geschriebene Hymne Fanfaren des litauischen Komponisten Anatolijus Senerovas, die seit letztem Jahr vor jedem Konzert von young.euro.classic ertönt. Die von den Blechbläsern des Pekinger Orchesters schlicht vorgetragene Fanfare, die zwischen jazzigem und choralartigem Klang kontrastiert, tauchte den Saal endlich in eine festlich-erhabene Atmosphäre.

Das Eröffnungsstück des Abends The Song from the Earth von dem 1955 geborenen Komponisten Xiaogang Ye ist Auftragswerk des Festivals und eine der 11 anstehenden Uraufführungen. Bekannt als Vertonung der Nachdichtung Hans Bethges durch Gustav Mahler (Das Lied von der Erde) vor gut 100 Jahren, wird das Werk dem kulturellen Brückenschlag gerecht. Die aus uralter chinesischer Tradition wurzelnden Gedichte von Li-Tai-Po werden durch die neue Komposition in filmmusikhafte Stimmungsbilder getaucht, die das Orchester, sei es mit brodelnden, tiefen Streicherklängen oder filigranem Harfen- und Flötengeschwirr, den Zuhörern zugänglich gemacht. Die Lieder 5 und 6 des Zyklus, Von der Schönheit und Der Trunkene im Frühling, wurden vom Bariton Chen-Ye Yuan solide aber ohne Durchschlagskraft vorgetragen.

Wei Xue

Klangmalerisch noch intensiver schloss sich die tragische Liebesgeschichte des Violinkonzerts Butterfly Lovers (1959) der Komponisten Gang Chen und Zhanhao He an. Das Werk verbindet westliches Streicherfundament mit chinesischem Geigenklang, bei dem der Solist Wei Xue sein technisches Können unter Beweis stellen konnte und sich bei seinem Zugabenmarathon (unterstützt durch Klavier) nicht lange bitten ließ.

Nach der Pause erwartete das Publikum dann der Kontrastpunkt "Beethoven made in China" (Zitat aus der Rede der Festivalleiterin Dr. Gabriele Minz). Leider übertrug sich der kulturelle Bruch des Programms auch auf das Orchester samt Dirigenten, die Beethovens Symphonie Nr. 6, Pastorale nicht gewachsen waren. Durch einen steifen, glattpolierten Ton konnte sich kein fließender Klang entwickeln, glich die musikalische Umsetzung eher einem Nacherzählen als einem Nachempfinden.

Das im Gegensatz zum Orchester (Durchschnittsalter 20) weniger junge Publikum ließ sich nach kurzem Zögern dann aber doch zu einem wohlwollenden rauschenden Applaus hinreißen, denn es geht ja schließlich um die hinter der Veranstaltung stehende Idee. Schließen wir uns dem BMW-Manager Herrn Richard Gaul an in seinem Wunsch, das Festival möge weiter von der Kulturstiftung des Bundes unterstützt werden, unter welchem Bundeskanzler auch immer.



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