3. November 2005
Philharmonie

Startenor - Made in Mexiko

Rolando Villazón gastiert mit einem Soloprogramm in der Philharmonie

Programm

Gioacchino Rossini: Ouvertüre aus Guglielmo Tell
Gaetano Donizetti: Angelo casto e bel aus Il Duca d'Alba
Giuseppe Verdi: La mia letizia infondere aus I Lombardi
Georges Bizet:
Vorspiele aus Akt II und III aus Carmen
La fleur que tu m´avais jetée aus Carmen
Jules Massenet: O souverain, o juge, o père aus Le Cid
Pourquoi me réveiller aus Werther
Guiseppe Verdi: Ouvertüre aus La forza del destino
Forse la soglia...ma se m´è forza perderti aus Un ballo in maschera
Piotr I. Tschaikowsky: Kufa, kuda aus Eugen Onegin
Pietro Mascagni:
Intermezzo aus Cavalleria rusticana
Mamma, quel vino è generoso aus Cavalleria rusticana
Giacomo Puccini: E lucevan le stelle aus Tosca
Francesco Cilea: É la solita storia del pastore aus L'Arlesiana

Mitwirkende

Südwestdeutsche Philharmonie
Marco Zambelli - Dirigent
Rolando Villazón - Tenor

Leserbrief/readers comment Druckversion/printversion

Startenor - Made in Mexiko

Rolando Villazón gastiert mit einem Soloprogramm in der Philharmonie

Von Heiko Schon / Foto: Columbia Artists Management Inc.

Let me entertain you: Im schicken, schwarzen Anzug - der wunderbar zu seinen dunklen Locken und den großen Augenbrauen passte - eilte Rolando Villazón auf das Podium der Philharmonie und zeigte sich in bester Laune und stimmlicher Höchstform. Für ihn war dieser Abend ohnehin ein Heimspiel: Dem Berliner Publikum sind Villazóns Rollen an der Staatsoper (Macduff, Nemorino, Alfredo, Don José) in schönster Erinnerung geblieben. Im Rahmen eines Konzerts zeigte sich aber noch deutlicher, über was für eine individuelle Stimme der zweifache Echo-Preisträger verfügt.

Rolando Villazón

Villazón besitzt ein leicht dunkles Timbre. Anderseits setzte er etwa in den französischen Arien elegante, leichte und sehr poetische Farben frei. Mit duftiger Noblesse erklang die Blumenarie, mit lyrischer Unbeschwertheit Massenets Le Cid. Bei Verdi und Puccini feuerte Villazón treffsichere Tenorsalven ab; demgegenüber fiel Tschaikowskys Lenski leicht ab. Der emotionale Höhepunkt gelang ihm mit Cavalleria rusticana: So gefühlvoll schluchzend, kraftvoll und betörend schön hat man Mascagni selten gehört. Zudem noch mit solch einer genauen Phrasierung.

Seine warme, magische Tongebung brachte schon viele dazu, Villazón als Tenor des 21. Jahrhunderts auszurufen. Natürlich ist er das. Aber irgendwie hinterlässt solch ein Statement einen unpersönlichen, ungenügenden Eindruck. Seine Qualitäten als Bühnenkünstler sind die eines Alleinunterhalters. Er ist Charmebolzen, Bajazzo und Knuddeltyp in einer Person, der dabei doch zu großer Geste steht. Seine Fußstellung war perfekt. Er wechselte beschwingt vom Stand- aufs Spielbein, warf die Arme zurück, hob den Brustkorb. Dazu servierte Villazón seine Opernhelden mit passenden Gesichtsausdrücken: schmachtvolle Blicke, fieberhafte Miene.

Die Südwestdeutsche Philharmonie bot unter Marco Zambelli genau den stützenden Begleiter, den sich ein Startenor wünschen kann. Das Tempo bestimmte Villazón, die Lautstärke regelte Zambelli mehr als einmal durch dezentes Abfächern oder dem Zeigefinger auf den Lippen. Also blieb es bei der normalen Form: Während das Orchester zu den Arien als Musikbett funktionierte, ließ es Zambelli in den Ouvertüren und Zwischenspielen von der Leine. Von leichten Koordinationsproblemen abgesehen, erfreute besonders ein knalliger Wilhelm Tell und das edel verspielte Intermezzo aus der Cavalleria rusticana.

Als mit Rossinis schmissigem La danza die erste Zugabe Villazóns purzelte, hielt es niemand mehr auf den Sitzen. Selbst Loriot in der ersten Reihe war vollkommen aus dem Häuschen. Dies setzte sich mit einem eindringlichen Lehar-Knaller fort: Dein ist mein ganzes Herz. Wenn Villazón singt, ihn noch einmal lieb zu haben, waren natürlich alle im Saal gemeint. Ja Rolando, haben wir. Nach so einem Konzert kann man gar nicht anders. Villazón schickte sein euphorisiert-aufgeputschtes Publikum mit der Wiederholung der Arie des Turiddu nach Hause: Ein Kuß noch, Mamma...Addio!



©www.klassik-in-berlin.de