16. März 2005
Kammermusiksaal der Philharmonie

Zum Heulen schön

Spectrum Concerts überzeugt einmal mehr im Kammermusiksaal

Programm

Dimitri Schostakowitsch
Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 1 in c-Moll op.8
Streichquartett Nr. 8 in c-Moll op. 110
Fünf Stücke für zwei Violinen und Klavier
Klavierquintett in g-Moll op. 57

Mitwirkende

Spectrum Concerts Berlin
Janine Jansen - Violine
Julian Rachlin - Violine
James Boyd - Viola
Christian Poltéra - Violoncello
Kathryn Stott - Klavier

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Zum Heulen schön

Spectrum Concerts überzeugt einmal mehr im Kammermusiksaal

Von Jens Paape

Jeder kennt das Gefühl: Eine ergreifende Szene oder ein schönes Happy-End im Film und schon kommen einem die Tränen. Im Kino ist das relativ leicht zu inszenieren. Ein guter Regisseur kennt die psychologischen Parameter, die nötig sind und kann mit Licht, Kameraeinstellung und Hintergrundmusik die Szene abrunden. Bei einem Live-Konzert den Zuhörern die Tränen in die Augen zu treiben, ist da schon sehr viel schwieriger. Janine Jansen, Julian Rachlin, James Boyd und Christian Poltéra ist es gelungen. Nach den letzten Tönen des Streichquartetts Nr. 8 von Dimitri Schostakowitsch musste sich das Publikum noch einige Augenblicke sammeln, bevor es in stürmischen Applaus ausbrach - und tatsächlich konnte man im Saal viele feuchte Augen erblicken.

Spectrum Concerts

Begonnen hatte der Abend, der ausschließlich Schostakowitsch gewidmet war, mit dem Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 1. Die Musiker spielten vom ersten Ton an wie aus einem Guss: Jede Nuance, jede Betonung, jede kurze Verzögerung war absolut synchron. Gemeinsam schafften sie die plötzlichen Stimmungswechsel der Komposition, trieben auf einen Höhepunkt hin, um dann nach einem Bruch sanft, fast zärtlich wieder anzusetzen.

Das Streichquartett Nr. 8 schloss sich von der Stimmung nahtlos an. Der kurzfristig eingesprungene Bratschist fügte sich problemlos ein und gestaltete aktiv mit. Beieindruckend war allein schon der satte Klang, mit dem die Musiker den ausgesprochen gut besetzten Kammermusiksaal füllten. Der Raum bebte förmlich und das Publikum war muckmäuschenstill, fast erstarrt.

Nach der Pause bekamen wir zunächst Fünf Stücke für zwei Violinen und Klavier zu hören, die das - nicht nur musikalische - Paar Jansen/Rachlin gemeinsam mit Kathryn Stott beschwingt darbot. Dann zum Abschluss das musikalisch vielseitigste Stück des Abends, das Klavierquintett in g-Moll. Hier wechseln gemeinsame Passagen mit Soli oder Duetten. Themen werden übergeben oder in anderer Konstellation wieder aufgenommen. Die Fuge entwickelt nicht nur die Stimmen, sondern erreicht in unterschiedlichen Besetzungen ganz verschiedene Klangfarben. Dann ein wildes Scherzo, gefolgt von einem Intermezzo mit vielen gezupften Stellen. Nicht nur jeder Satz war grundverschieden, auch innerhalb der Sätze gab es viel zu entdecken und das Ensemble verstand in eindrucksvoller Weise die Facetten umzusetzen und das Publikum mit hineinzuziehen.

Konzerte mit Spectrum Concerts sind immer etwas Besonderes, aber dies war mit Sicherheit ein absoluter Höhepunkt in den 17 Jahren seit ihrer Gründung.



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