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13. Oktober 2005 Staatsoper Unter den Linden Das Ende einer SpaßgesellschaftHarry Kupfers Salome als Dauerbrenner an der Staatsoper |
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ProgrammRichard StraussSalome |
MitwirkendeStaatsoper Unter den LindenMusikalische Leitung: Sebastian Weigle Inszenierung: Harry Kupfer Gesamtausstattung: Wilfried Werz Dramaturgie: Walter Rösler Herodes: Reiner Goldberg Herodias: Ute Trekel-Burckhardt Salome: Sylvie Valayre Jochanaan: Terje Stensvold Narraoth: Stephan Rügamer Ein Page der Herodias: Simone Schröder Erster Jude: Peter-Jürgen Schmidt Zweiter Jude: Florian Hoffmann Dritter Jude: Peter Maus Vierter Jude: Peter Menzel Fünfter Jude: Bernd Zettisch Erster Nazarener: James Creswell Zweiter Nazarener: Bernd Riedel Erster Soldat: Gerd Wolf Zweiter Soldat: Yi Yang Ein Cappadocier: Bernd Zettisch Ein Sklave: Borjana Mateewa Staatskapelle Berlin Komparserie der Staatsoper Unter den Linden |
Das Ende einer SpaßgesellschaftHarry Kupfers Salome als Dauerbrenner an der StaatsoperVon Heiko Schon
75 Jahre alt ist er gerade geworden. Doch wer ihn irgendwo zwischen Preisverleihung und Buchvorstellung reden hört, kann dies kaum glauben. Die letzten Engagements trugen ihn nach Genua, Helsinki und Dresden. Sein Name steht für das Musiktheater Berlins in den 80er und 90er Jahren. Die Rede ist von Harry Kupfer. In seiner Heimatstadt inszenierte er an Staats- und Komischer Oper bis zum überpräsenten Overkill. Mittlerweile ist sein Mozart-Zyklus im ehemaligen Stammhaus vollständig eingestampft; ganze drei Inszenierungen sind heute, drei Jahre nach Kupfers Weggang von der Komischen Oper, noch übrig. Und auch die zehn Hauptwerke Richard Wagners werden seit dem Marathon der Festtage 2001 Jahr für Jahr in der Staatsoper ausgetauscht. Insgesamt liegt Kupfers Berlin-Bilanz bei sage und schreibe 53 Inszenierungen. Soviel zu den Zahlen. Doch jede einzelne seiner Arbeiten zeichnet eine präzise Personenführung aus. Mag manches Neues in den letzten Jahren auch antiquarisch ausgesehen haben: Wie Kupfer aus Sängern Charaktere modelliert, wie er den Chor in eine Masse einzelner Individuen verwandelt, bleibt die große Stärke dieses Opernvisionärs. Wenn selbst eine vierteljahrhundertalte Produktion noch immer in den Bann zieht, sagt das viel über die Qualität des dramaturgischen Ablaufes aus. Bei Kupfer bleibt nichts dem Zufall überlassen. Es gibt keine Stehgesänge an der Rampe, keine monotonen Gesten. Zudem ist es der guten Regieassistenz der Staatsoper zu verdanken, dass wenig Raum für Improvisation gelassen wird. Die Wiederaufnahme dieser Salome war der beste Beweis dafür, welche Höhepunkte das alltägliche Repertoire bereithält. Wenn Narraboth (glaubhaft und textdeutlich: Stephan Rügamer) singt, wie schön die Prinzessin heute Nacht ist, sieht der Zuschauer in den rechteckigen Innenhof des Herodes-Palastes mit stahlgerüstähnlichen Zugängen und Treppen. Ein Gatter über dem Kellerloch kennzeichnet den Kerker des Propheten. In diesem hermetischen Einheitsbühnenraum von Wilfried Werz überzeugt Kupfer schon in den ersten Szenen mit schlüssigen Details. Beispielsweise als Salome den angeketteten Jochanaan an sich ziehen will oder keine Pose ungenutzt lässt, um sich ihm anzubieten, wird ihre Obsession einleuchtend dargestellt. Terje Stensvold präsentierte einen kraftvoll durchdringenden Jochanaan mit brillanter Phrasierung und dunklen Stimmeinfärbungen. Der Auftritt von Herodes und Herodias gerät ebenso plausibel. In ihren aufgetakelten Kostümen werden sie als dekadente Deppen offenbart, die von keinem mehr richtig ernst genommen werden. Den Wind, den Herodes glaubt zu hören, ist die Angst davor, weggefegt zu werden. Dieser König schwankt mitsamt seinem Hofe dem Ende entgegen. Mit sicher geführter Stimme und merklicher Lust am Spiel wurde Reiner Goldberg dem einfältigen wie süffisanten Lüstling überaus gerecht. Ute Trekel-Burckhardt war als hysterische und keifende Gattin des Tetrachen ideal besetzt. Das Finale gestaltet Kupfer minimalistisch. Im Innenhof ist es inzwischen dunkel geworden. Salome, allein im blutbefleckten Weißen und den Kopf Jochanaans in den Händen, muss erkennen, dass sie sich selbst vernichtet hat. Herodes lässt sie erschießen.
Sylvie Valayre, die an der Staatsoper bereits Lady Macbeth und Turandot verkörperte, bewältigt die Salome in mehrfacher Hinsicht spektakulär. Abgesehen davon, dass Valayre als junge und hübsche Frau schon äußerlich authentisch wirkt, vermochte sie alle Facetten der Titelfigur in sich aufzunehmen. Dazu gehört bei Kupfer, dass Salome auch wirklich den Tanz der sieben Schleier tanzt. Keine bloße Andeutung oder den Austausch mit einer Ballerina. Bei Valayre wirkte bereits ein einziger Augenaufschlag lasziv. Ihr ganzer Körper schien zu musizieren. Valayres hochdramatischer, wandlungsfähiger Sopran schien in der Schlussszene keine Grenzen zu kennen. Mit ihrem feurig-herbem, leicht metallisch klingenden Timbre verströmte die Französin zusätzlich kühle Erotik: Wie Eispfeile trafen ihre hohen Töne. Die Staatskapelle Berlin, jüngst wieder als bestes Orchester ausgezeichnet, spielte auf wirklich erstklassigem Niveau. Sebastian Weigle am Pult ließ alle Farben dieser orchestralen Schönheit aufleuchten. Scharf die Kontraste - satt der Klang. Ein instrumentaler Orgasmus. (Leider stellt uns die Staatsoper keine Fotos zur Verfügung) |