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21. Januar 2005 Sophiensæle IrrflügeNOVOFLOT startet mit Kommander Kobayashi eine Opernsaga |
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ProgrammMoritz Eggert, Aleksandra Gryka, Ricardas Kabelis, Juha T. Koskinen, Helmut Oehring, Jennifer WalsheKommander Kobayashi |
MitwirkendeNOVOFLOTRegie: Sven Holm Musikalische Leitung: Vicente Larranaga Dramaturgie: Sebastian Bark Produktionsleitung: Stefan Fragner Bühne: Leonie von Arnim Kostüme: Bettina Latscha Video: Véronique Cabois & Philip Kießling (halbbild) Kommander Kobayashi: Soichi Kobayashi Go: Hanna Dóra Sturludóttir Scrabble: Sibylle Fischer Ma': Meik Schwalm Tii! Julia Henning |
IrrflügeNOVOFLOT startet mit Kommander Kobayashi eine OpernsagaVon Nora Mansmann / Fotos: 1. Katja Ruge, 2. Stefanie Bäuerle Kommander Kobayashi und seine Mannschaft, die Hermenauten, durchreisen mit ihrem Raumschiff La Fenice das Weltall und erleben allerlei absurde Abenteuer. Einmal werden sie von einem Kometen bedroht, dann spaltet sich Kobayashi plötzlich, ein anderes Mal treffen die Raumfahrer auf die ebenso rätselhafte wie gefährliche Ine, die sie mit einem Regenschirm verzaubert. Die junge Off-Gruppe Novoflot versucht sich an einer neuen Musiktheatergattung: der Opern-Saga. Nachdem sie zunächst an der Hamburger Staatsoper vorgestellt wurde, feierte Novoflot am 21. Januar in den Sophiensaelen die Berliner Premiere der ersten drei Folgen von Kommander Kobayashi.
Zum Konzept des internationalen Projekts gehört es, viele verschiedene Künstler einzubinden. Jede Folge der Opernsage wurde von einem anderen Komponisten gestaltet, in der Pilotfolge, in der zunächst die Hermenauten vorgestellt werden, waren es sogar vier: Juha T. Koskinen aus Finnland, der Deutsche Moritz Eggert, die Polin Aleksandra Gryka und Ricardas Kabelis aus Litauen. Für die beiden anderen Folgen des Abends zeichnen Helmut Oehring und Jennifer Walshe (die auch selbst auftritt) verantwortlich. Für alle diese Komponisten gilt, dass sich ihre Musik insgesamt erstaunlich ansprechend und gut konsumierbar zeigt. Zwar gibt es auch außergewöhnliche, schrillere Töne, doch auch viel Gefälliges und Zitate quer durch die Musikgeschichte. Die Bandbreite reicht hier von John Dowland, gespielt auf einem Theremin (Walshe), bis zum Einsatz der Rockgitarre bei Oehring. Am deutlichsten aus dem Rahmen fällt vielleicht Jennifer Walshe mit ihrer Geräuschmusik, für die Teile des insgesamt 16-köpfigen Orchesters mit Plastiktüten rascheln oder Kuscheltiere streicheln (Letzteres ist allerdings weniger zu hören als zu sehen). Auch gesanglich ist die Folge der Engländerin am unkonventionellsten, bestehen doch die Vokal-Äußerungen der Sänger und Sängerinnen vornehmlich aus Tierlauten. Eine sehr schöne Idee ist aber beispielsweise auch Juha T. Koskinens in Musik gesetztes polyphones Stottern, das den Abend eröffnet. Insgesamt jedoch wirkt die Musik des Abends - von Ausnahmen abgesehen - trotz aller Effekte und Assoziationen wenig spektakulär, sie scheint vielmehr beliebig nebenher zu laufen. Vielleicht liegt das auch an der völligen Beliebigkeit des Bühnengeschehens - die Komponisten wie auch die Ausführenden hätten von einer konzertanten Aufführung sicher mehr gehabt.
An Bord der La Fenice nämlich gibt es wenig szenische Aktion, zu sehen sind weitgehend choreografisch-tänzerische Verlegenheitsvorgänge, denn da das hier MusikTHEATER sein soll, muss sich ja auf der Bühne irgendwas bewegen. Verständlich, dass Regie (Sven Holm) und Darstellern wenig Spielideen kommen, denn es fehlt dem Abend ganz der rote Faden, die Geschichte. Das fragmentarische Bild aus Text, Musik, Klang und Video fügt sich nicht zu einem Ganzen, so lange man auch wartet. Es ist ein bisschen wie in einer echten Soap: Man kann jederzeit ein- und aussteigen, ohne Nennenswertes zu verpassen - nur dass es in der Soap eine Handlung gibt. Zwar bietet das mehr als 60 Seiten starke Programmheft wieder ebenso kluge wie launige Ergüsse der Dramaturgie (Sebastian Bark), die wenigstens teilweise vorgeben, die zugrunde liegende Geschichte nachzuerzählen, doch auf der Bühne ist davon wenig zu sehen. Je weiter man liest, desto mehr wird klar: Es gibt keine Geschichte, der Text erschöpft sich in (zweifellos geistreichen) immer wieder variierten Paradoxa- und Sprachspielereien um die Grundidee herum. So kann der Zuschauer minutenlang die Collage aus Sounds und Klängen, aus Musik und Geräusch, Bildern und Textfragmenten und geheimnisumwitterten Satzfetzen durch sich durchrauschen lassen, beim Lesen des Programmhefts schmunzeln und das Geschehen auf der Bühne dabei völlig außer Acht lassen. Wenn man noch Kapazitäten frei hat, gibt das eine herrliche Gelegenheit, die Gedanken schweifen zu lassen und an etwas anderes zu denken - aber ob das die Intention der Macher war? Ein Lob aber geht an die Akteure des Abends, die sich vom bedeutungsschwangeren Blabla der Veranstaltung nicht erschüttern lassen: Vicente Larranaga und sein Orchester, das genauso lustvoll und präzise musiziert, wie es mit Tüten raschelt, und vor allem die Gesangssolisten. Nicht nur, dass sie sich wunderbar bewegen können (was man aus der Oper sonst ja leider weniger kennt), sie haben auch einige sehr anspruchsvolle Passagen zu bewältigen - abgesehen von Titelfigur Kobayashi, der wirklich so heißt und eher selten den Mund aufmacht. Die eigentliche Hauptrolle spielen die Hermenauten: Hanna Dora Sturludóttir als Go, Sibylle Fischer als Scrabble, Meik Schwalm als Ma' und Julia Henning als Tii! - eine großartige Leistung der jungen SängerInnen. |