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5. Oktober 2005 Staatsoper Unter den Linden Ein Fingerzeig des SchicksalsVerdis La forza del destino in einer neuen Inszenierung an der Staatsoper |
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ProgrammGiuseppe VerdiLa Forza del Destino (Die Macht des Schicksals) |
MitwirkendeStaatsoper Unter den LindenMusikalische Leitung: Michael Gielen Inszenierung: Stefan Herheim Bühnenbild und Kostüme: Thomas Schuster Licht: Diego Leetz Chöre: Eberhard Friedrich Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach Marchese di Calatrava: Kwangchul Youn Padre Guardiano: Kwangchul Youn Donna Leonora: Norma Fantini Don Carlo di Vargas: Anthony Michaels-Moore Don Alvaro: Frank Porretta Preziosilla: Ekaterina Semenchuk Curra: Ekaterina Semenchuk Fra Melitone: Bruno de Simone Alcade: Yi Yang Chirurgo: Yi Yang Mastro Trabuco: Peter Menzel Straßenmusikant: Heiner Schindler Staatskapelle Berlin Staatsopernchor |
Ein Fingerzeig des SchicksalsVerdis La forza del destino in einer neuen Inszenierung an der StaatsoperVon Melanie Fritsch / Fotos: Karl Forster Dass die Staatsoper sanierungsbedürftig ist, ist wahrlich kein Geheimnis. Leere Kassen sind immer wieder das Argument dafür, dass die Häuser zusehen müssen, wie sie sich mit dem Geldmangel arrangieren, Improvisation ist gefragt. An diesem Abend schlug die "Macht des Schicksals" nicht nur auf, sondern nach dem ersten Akt auch hinter der Bühne in Form eines Ausfalls der maroden Technik zu und erforderte eben jene Improvisationsgabe. Bis zur Pause löste man das Problem dadurch, dass die Aufführung "konzertant, halb-szenisch" weiterlief, anschließend war der Fehler gefunden und der zweite Teil ging wie vorgesehen über die Bühne.
Regisseur Stefan Herheim hatte sich der Verdi-Oper La forza del destino angenommen und die dem Stück schon eigene gebrochene Linie noch verstärkt. Gezielte Doppelbesetzungen, Überblendungen und das Aufgreifen verschiedener Themen, ohne einem die klare Priorität einzuräumen, schaffen eine gewollte Zerrissenheit und Unwirklichkeit. Dabei setzt er Motiv um Motiv, schicksalsschwanger geht eine Monduhr auf und trägt als Zeiger die für das weitere Geschehen verheerend elementaren Schwerter. Ein mal geschlachteter, mal sich aufbäumender, mal als kleines Kuscheltier zusammengeschrumpfter Pegasus schwirrt als Traum- und Hoffnungssymbol durch die Inszenierung, Leonora und Preziosilla / Curra treiben als optisch zwillingsgleiches Pärchen ein Verwirrspiel, mal Alter Ego, mal eigenständige Personen. Das Staatsopernpublikum begegnet plötzlich sich selbst auf der Bühne und darf sich beim Zerreißen und Auffressen der Preziosilla zusehen. Das Spiel der Sänger wird von großen Posen bestimmt, diese bleiben gelegentlich allerdings zu lange stehen und wirken daher irgendwann unglaubwürdig. Das Ohr des Opernbesuchers erfreut sich an diesem Abend besonders an Norma Fantini als Leonora, Ekaterina Semenchuk als Preziosilla / Curra und Kwangchul Youn als Marchese di Calatrava / Padre Guardiano. Frank Porretta in der Rolle des Don Alvaro muss erst zu seiner Form finden, steigert sich dann aber im Lauf des Abends. Das Orchester erfüllt den Verdi unter der Leitung Michael Gielens mit wunderbarem Leben, geschlossen, präzise und konsequent wächst das akustische Gebäude in die Höhe.
Die Inszenierung selbst hingegen reißt vieles an und nichts wirklich auf, wächst eher in die Breite als in die Höhe. Die eigentlich spannenden Bilder, welche Herheim gefunden hat, werden zu sehr überreizt und verlieren durch die so entstehende Langatmigkeit an Wucht und Wirkung. Es scheint, als habe er unbedingt jede Idee umsetzen wollen und dabei zu viele Punkte und Ausrufezeichen gesetzt, die den Fluss des ohnehin schon schlaglichtartig aufgebauten Stückes zerfasern. Für die natürlich auch vorhandenen Fragezeichen bleibt dabei kein Platz. Hätte er etwas mehr der Musik Verdis überlassen und den Bilderkorpus abgespeckt, nicht alles auf der Bühne erklären wollen, es hätte bestens funktioniert. Insofern war der Technikausfall vor der Pause sogar von Vorteil, hatte der Zuschauer doch die Möglichkeit, dem wunderbaren Orchester mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn die Musik nicht gegen die übermäßige Bilderflut ankämpfen muss, sondern die Bühne auch einmal hinter die Musik zurücktreten muss, wird der Abend zu einem Genuss. Vielleicht ein Fingerzeig des Schicksals. |