7. Dezember 2005
Philharmonie

Die weibliche Note

Simone Youngs Debüt bei den Philharmonikern

Programm

Paul Hindemith
Symphonie Mathis der Maler

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 3 d-Moll

Mitwirkende

Berliner Philharmoniker
Simone Young - Dirigentin

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Die weibliche Note

Simone Youngs Debüt bei den Philharmonikern

Von Heiko Schon / Foto: Heiko Schon

Des einen Leid ist der anderen Freud. Eine Grippe zwang Mariss Jansons zu ungewollter Ruhepause und verhalf Simone Young zum triumphalen Debüt bei den Berliner Philharmonikern. Schöner kann das Jahr 2005 für die australische Dirigentin gar nicht zu Ende gehen: Nach ihrem geglückten Start als Generalmusikdirektorin und Intendantin der Hamburgischen Staatsoper ist dies ein weiterer Karrieresprung binnen kurzer Zeit.

Young wählte als Antrittspremiere in der Elbmetropole Paul Hindemiths Oper Mathis der Maler. Die Umstellung des ersten Konzertteils auf die dazugehörige Symphonie lag also nahe. Nach einem quirligen Engelskonzert und der finsteren Grablegung, erklang das Bild der Versuchung in breiter Farbpalette. Eine heftige und angriffslustige Aufführung, die Young in atemberaubender Schnelligkeit servierte. Keine Spur von mystisch-religiösem Hang, welcher der Musik Hindemiths oft nachgesagt wird.

Heiko Schon / Simone Young

Warum sich Young in der zweiten Hälfte für die erste Fassung der 3. Symphonie Bruckners entschied, war unüberhörbar. Ihre Interpretation kitzelte das Brüchige, Zuspitzende im Werk noch deutlicher ans Tageslicht. Nicht einen Moment lang fiel die Spätromantik in einen Fluss; Harmonie und Einklang waren abgeschüttelt. Young griff den Zuhörer bei den Ohren und zog ihn in einen Sog aus kräftigen, dann wieder seidigen Farben, aus angreifenden wie verspielten Tönen. Im Hinblick auf diese quicklebendige Wiedergabe kann man den organischen Dirigierstil der Maestra nicht außer Acht lassen: Darin schon ist die pure Leidenschaft, das aufbrausende Temperament zu sehen, welches im gleichen Moment durch den Klangkörper hörbar wird. Simone Young schwingt die Hüften, wenn Bruckner tänzelt. Auch wenn es das Klischee über Young bedient: Sie gibt dieser Musik einen anderen - fraulicheren - Anstrich. Mehr selbstbewusste Weiblichkeit kann auch der Klassikwelt nur nützlich sein. Auf ein hoffentlich schnelles Wiederhören.



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