31. Juli 2005
Arena Treptow

Ein bisschen Klassik

Albrecht Mayer auf der Wasserbühne der Arena Treptow

Programm

Johann Sebastian Bach
Transkriptionen für Oboe und Orchester

Mitwirkende

Albrecht Mayer - Oboe
& Orchester

Leserbrief/readers comment Druckversion/printversion

Ein bisschen Klassik

Albrecht Mayer auf der Wasserbühne der Arena Treptow

Von Nancy Chapple / Fotos: Jens Paape

Albrecht Mayer

Das Yellow Lounge-Konzept von Universal Records stellt Klassik-Stars in ungewöhnliche Umgebungen mit der Idee, junge Leute, die sonst die Klänge und vor allem die Konventionen klassischer Konzerte wenig achten, als neue Zuhörerschaft heranzuziehen. Die Location hinter der Arena Treptow, Spielort mit dubioser Akustik nach einem früheren Leben als Omnibushalle und Flüchtlingslager, ist schon ausgefallen: ein kleiner künstlicher Strand, am Rande eine schwimmende Badeinsel, das Publikum stehend, hockend oder an Geländer angelehnt, man raucht und trinkt Weißwein oder Caipirinhas und viele kleine Kinder wuseln drum herum und mitten durch.

Um uns nach vorangehenden psychedelischen DJ-Klängen einzustimmen, werden klassische Bruchstücke über die Lautsprecher gespielt, von einer Wagner-Ouvertüre bis zur Bach Solo-Sonate für Geige. Das Cembalo wird noch im letzten Augenblick gestimmt, die sieben Streicher suchen Blick- und Hörkontakt während der laut eingespielten Musik, um ihre Instrumente aufeinander zu stimmen. Und dann der Ansager, der etwas von "Alfred Mayer" erzählt und auf eine Art von den wundersamen Klängen der Oboe als Solo-Instrument schwärmt, dass es klar ist, dass er keine Ahnung hat, wovon er spricht.

Albrecht Mayer

Albrecht Mayer läuft mit auffälligem Yellow Lounge T-Shirt die "Show"-Treppe herunter, wird willkommen geheißen ("Begrüßen Sie nun mit einem fulminanten Applaus ") und spielt ein Arrangement von Bachs Italienischem Konzert. Die Oboe nimmt die Melodiestimme der rechten Klavierhand, verziert und baut aus auf der Basis der Töne in Bachs Partitur; Cembalo und Streicher einschließlich des über die Verstärkeranlage sehr präsenten Bass bieten die Kontrapunktstimmen, die harmonische Grundlage, das rhythmische Gerüst. Im typischen Pop-Konzert Stil spielen sie den ersten Satz, dann stellt er die Mitglieder seiner "Band" vor, bevor der zweite und dritte Satz in leicht gekürzten Versionen folgen. Nach gut 20 Minuten ist der erste Auftritt gelaufen - kann man vermeintlich unbedarften Zuhörern nicht mehr zumuten?

Albrecht Mayer

Auch auf einem Tasteninstrument ist das Andante eine elegante und ansprechende Arie über einer sich wiederholenden Basslinie - es ist durchaus legitim, sie mit Solo-Oboe und Streichorchester aufzuführen. Die Klänge, die Mayer aus seinem Instrument zaubert, sind durchdrungen von Musikalität, immer in Bewegung innerhalb der Phrasen. Sein Ensemble folgte ihm - er dirigierte zwischen seinen Einsätzen - mit sichtlichem Genuss. Und dass man schöne Musik unter freiem Himmel etwas locker angelehnt und in Strandkleidung genießen kann - keine Frage. Aber insgesamt der Rahmen - der ölige ahnungslose Ansager, das Schnarren der Mikrofone auf den Cembalo-Saiten, die Aneinanderreihung von gesampelter Musik und Höhepunkte der Bach'schen Kompositionen - war unbefriedigend. Neues Publikum heranholen: auf jeden Fall. Aber muss man sich dabei die gleichmachenden Elemente der Präsentation von Pop-Musik zu eigen machen? Letztlich gibt es dann eben doch einen qualitativen Unterschied zwischen Künstlern wie Albrecht Mayer und DJ-Bobo, den man auch einem jungen Publikum nahe bringen sollte.



©www.klassik-in-berlin.de