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06. Juni 2004 Deutsche Oper Berlin Wozu gibt es Intrigen?Götz Friedrichs Rosenkavalier-Inszenierung an der Deutschen Oper |
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ProgrammRichard StraussDer Rosenkavalier |
MitwirkendeDeutsche Oper BerlinMusikalische Leitung: Leopold Hager Inszenierung: Götz Friedrich Bühne, Kostüme: Gottfried Pilz, Isabel Ines Glathar Licht: Duane Schuler Chöre: Hellwart Matthiesen Die Feldmarschallin: Melanie Diener Octavian: Michelle Breedt Sophie: Ofelia Sala Baron Ochs auf Lerchenau: Kurt Rydl Faninal: Lenus Carlson Jungfer Marianne Leitmetzerin: Lucy Peacock Valzacchi: Burkhard Ulrich Annina: Kari Hamnøy Ein Polizeikommissar: Josef Becker Der Haushofmeister bei der Feldmarschallin: Peter Maus Der Haushofmeister bei Faninal: Jorg Schörner Ein Sanger: Kenneth Tarver |
Wozu gibt es Intrigen?Götz Friedrichs Rosenkavalier-Inszenierung an der Deutschen OperVon Nora Mansmann / Fotos: Bernd Uhlig
Baron Ochs möchte heiraten und sucht einen "Rosenkavalier", einen jungen Mann, der in seinem Namen der Auserwählten Sophie eine Rose überbringt. Ochs' Cousine, die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, schlägt ihren heimlichen Geliebten Octavian vor. Es kommt wie's kommen muss: Der Rosenkavalier verliebt sich in Sophie, sie sich in ihn, und Ochs muss aus dem Weg geschafft werden: Wozu gibt es Intrigen? Thomas Mann bezeichnete einmal den Rosenkavalier als "Vier Stunden Getöse um einen reizenden Scherz" - ein launiger Kommentar, der hinter seiner Flapsigkeit viel Wahrheit beinhaltet. Die Handlung geht manchmal quälend langsam voran. Das liegt natürlich daran, dass sich Richard Strauss und sein Textdichter Hugo von Hofmannsthal sehr viel Zeit gelassen haben, um ihre Figuren genau zu charakterisieren und zu motivieren - ein an sich sehr lobenswerter Vorgang. So wird etwa der Feldmarschallin als eigentlicher Nebenfigur sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt, und nur durch ihre lange Expositions-Arie im ersten Akt ist zu verstehen, was diese Figur antreibt und warum sie am Ende den Octavian so kampflos und großmütig der Sophie überlässt. Um solche Feinheiten aufzunehmen, müsste der Zuschauer den Text jedoch wenigstens im Groben verfolgen können. Das ist bekanntermaßen in der Oper immer ein Problem, und leider an diesem Abend im Charlottenburger Haus besonders. Das Orchester unter der Leitung von Leopold Hager spielt frisch und schwungvoll, aber bedauerlicherweise viel zu laut. So werden vier Stunden Musik nach einiger Zeit doch anstrengend.
Eine gewisse Entschädigung bietet das Geschehen auf der Bühne. Zunächst ist da das abwechlungsreiche Bühnenbild, welches sich für jeden Akt komplett verändert (Ausstattung: Gottfried Pilz, Isabel Ines Glathar). Wir sehen im ersten Akt das Schlafzimmer der Feldmarschallin, einen Spiegelsaal, schlicht und vornehm, hinten durch einen Gaze-Vorhang begrenzt, der aufgezogen werden kann, wodurch der Raum jeweils eine ganze neue Dimension bekommt. Im zweiten Akt finden wir uns im Saal des Hauses Faninal wieder, wo Octavian unter gigantischen Kristalllüstern seine Rose übergibt. Der dritte Akt entführt das Publikum hinter eine Wirtshausbühne. Ihm gegenüber sitzt jetzt ein anderes Publikum, in der Mitte toben die Artisten und dort findet schließlich der Showdown der Oper statt. Der ganze Abend ist durchsetzt mit netten kleinen Gags und hübschen Regie-Ideen, die sich aber nie in den Vordergrund drängen. Sehr schön ist etwa die Rendezvous-Szene im dritten Akt, wenn Ochs beim Versuch, den als "Mariandl" verkleideten Octavian zu verführen, seines Toupets beraubt wird, und dieses später vor dem Wiederaufsetzen mit einer Gabel notdürftig zu kämmen versucht. Hervorragend sind insgesamt die Darsteller des Abends: Mit durchweg hoher musikalischer Qualität, von ein oder zwei kleinen Wacklern abgesehen, meistern Solisten und Ensemble den Strauss'schen Vier-Stunden-Parforceritt. Zudem sind alle bis zum Schluss mit viel Spaß, Energie und großer darstellerischer Konzentration bei der Sache. Kurt Rydl als Ochs gibt seiner Rolle genau die benötigten komödiantischen Züge, ohne den Baron zu veralbern, während Melanie Diener als Feldmarschallin vollendete Grandezza zeigt. Ofelia Sala ist eine resolute Sophie, Lenus Carlson ein solider Herr von Faninal. Michelle Breedt schließlich in der Hosenrolle des Octavian zeigt zum einen wunderbar dessen verschmitzte-schüchterne Jugendlichkeit (laut Strauss ist er erst 17 Jahre alt), zum anderen spielt sie erstaunlich gut den Mann, bis hin zu einem merklichen Unwohlsein in den Frauenkleidern, in die Octavian im Laufe des Abends zweimal schlüpft. Seit 1993 läuft die Inszenierung des Rosenkavalier von Götz Friedrich an der Deutschen Oper, am 13. Juni feiert man die 50. Vorstellung. Nach der Sommerpause steht das Werk erneut auf dem Programm. |