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21. Oktober 2004 Deutsche Oper Berlin Häppchenweise DebussyPelléas und Mélisande an der Deutschen Oper |
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ProgrammClaude DebussyPélleas und Mélisande |
MitwirkendeDeutsche Oper BerlinMusikalische Leitung: Marc Albrecht Inszenierung, Bühne: Marco Arturo Marelli Kostüme: Dagmar Niefind Chöre: Ulrich Paetzholdt Arkel: Reinhard Hagen Geneviève: Claire Powell Pelléas: Richard Croft Golaud: Laurent Naouri Mélisande: Véronique Gens Yniold: Sunhae Im Ein Arzt: Harold Wilson Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin |
Häppchenweise DebussyPelléas und Mélisande an der Deutschen OperVon Melanie Fritsch / Fotos: Bernd Uhlig
Pelléas und Mélisande gilt als das Hauptwerk Claude Debussys, mit welchem er zum Wegbereiter eines modernen Musiktheaters wurde. 1882 lernte er Maeterlincks Drama kennen und begann 1892 mit der Komposition der Oper. Die erste Partiturfassung entstand 1895; bis weit über die Uraufführung 1902 hinaus arbeitete Debussy stets an der Vervollkommnung seines Werkes. Nun hat Marco Arturo Marelli dieses Werk an der Deutschen Oper inszeniert. Die Bühne wird beherrscht von einer riesenhaften grauen Bunkerkonstruktion, teilweise geflutet von Wasser. Es gibt keinen Weg hinaus. Ein wahres Schloss Allemonde, in dem die Figuren gefangen sind, düster und scheinbar hermetisch verriegelt, fast wie ein post-apokalyptischer Bunker, in dem einige wenige Zuflucht gefunden haben. Mélisandes Unbehagen ist verständlich angesichts dieses finsteren Gefängnisses, wo die Menschen auf dünnen Brettern umherbalancieren und Tod und Krankheit die Atmosphäre bestimmen. Es gibt "nur ein Ankommen und Verharren, kein Entkommen oder gar Abreisen", wie der Regisseur im Programmheft erläutert. Erst bei Mélisandes Tod erscheint im Hintergrund eine lichtdurchflutete Öffnung. Ein multifunktionaler Spielort möchte man glauben, und tatsächlich entstehen auch wunderbar poetische, fast magisch anmutende Bilder, wenn zur Darstellung der verschiedenen Örtlichkeiten behutsam mit Hilfe von Licht und Nebel gearbeitet wird.
Weniger vorteilhaft daran sind jedoch die ständigen Umbaupausen, bei denen der Vorhang herabgelassen und die Szenerie regelrecht zerschnitten wird. So immer wieder gekappt, kann weder die Handlung noch die Atmosphäre ihre volle Wirkung entfalten, die schöne Idee, das Fließende, das Schwebende und Unwirkliche auf die Bühne zu bringen, gerinnt immer wieder zu einem die Geduld wahrlich auf die Probe stellenden Stillstand, zumal an manchen Stellen sogar die Musik aussetzt. Sicher ist Stillstand auch ein großes Thema dieser Oper, doch auf diese Weise für das Stück eher unvorteilhaft umgesetzt. Auch bleiben die Figuren trotz aller Bemühungen eines soliden und stimmlich starken Ensembles unscharf, dem Zuschauer wird durch diese Sprache, die zwischen Pathos und dem scheinbar vorhandenen Wunsch nach Eingängigkeit changiert, nicht klar, was sie dort eigentlich treiben. Sie wirken von der Inszenierung im Stich gelassen, linienlos und teilweise beziehungslos im Raum.
Dennoch liefert Laurent Naouri einen nicht nur stimmlich präsenten Golaud, er holt aus dem Charakter alles heraus, was ihm die Inszenierung erlaubt. Auch Sunhae Im als Yniold präsentiert eine hervorragende Charakterdarstellung. Die Musik Debussys, vom Orchester unter der klugen Leitung von Marc Albrecht konturiert interpretiert, leidet ebenfalls unter den ständigen Zwangspausen. Der Fluss wird gebremst kaum ist er wieder in Fahrt gekommen, so dass sich auch hier eine Wirkung immer nur für kurze Zeit entfalten kann. Marellis Inszenierung trumpft auf mit schönen Bildern, deren Poesie zwar gelegentlich in etwas zu süßliche Bereiche abzurutschen droht - insbesondere Mélisandes Sterbeszene gerät leicht in die Nähe des schwülen Pathos, wenn sie im weißen Totennachen stehend ins helle Licht entschwindet - die aber dennoch gefällig und griffig daherkommt. Nur greifbar ist daran leider wenig.
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