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28. Januar 2004 Komische Oper Berlin Komische Oper vom FeinstenProkofjews Orangen an der Komischen Oper |
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ProgrammSergej ProkofjewDie Liebe zu drei Orangen |
MitwirkendeKomische Oper BerlinMusikalische Leitung: Michail Jurowski Inszenierung: Andreas Homoki Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann Kostüme: Mechtild Seipel Chöre: Peter Wodner Fata Morgana: Aurelia Hajek Celio: Neven Belamaric Der König: Carsten Sabrowski Der Prinz: Christoph Späth Prinzessin Clarice: Sophie Marilley Leander: Nanco de Vries Pantalone: Herman Wallén Truffaldino: Peter Renz Prinzessin Linetta: Caren van Oijen Prinzessin Nicoletta: Elisabeth Starzinger Prinzessin Ninetta: Valentina Farcas Smeraldine: Susanne Kreusch Die Köchin: Neven Belamaric Farfarello: Klemens Slowioczek Der Herold: Stefan Stoll |
Komische Oper vom FeinstenProkofjews Orangen an der Komischen OperVon Nora Mansmann / Fotos : Monika Rittershaus Für viele Menschen ist die Oper ein bitterernstes Geschäft. Sie marschieren in Trauerkleidung in die altehrwürdigen Gebäude und fühlen sich ständig belästigt und persönlich angegriffen von allem, was nicht der Ernsthaftigkeit ihres strengen (Opern-) Weltbildes entspricht, seien das nun andere Gäste oder die Künstler, die die Oper darbieten, oder gar die Musik selbst. Aber wer sagt, dass "echte" Kunst keinen Humor haben darf? Es geht auch anders, mit intelligentem Spaß für das Publikum und für die Beteiligten. Ein Beispiel dafür ist Andreas Homokis Inszenierung von Sergej Prokofjews Die Liebe zu drei Orangen an der Komischen Oper.
Die Haupthandlung der Drei Orangen spielt in einem Märchenreich, welches vom Kreuz-König regiert wird. Sein Sohn, der Prinz, wird von der bösen Zauberin Fata Morgana verflucht und verliebt sich infolgedessen in drei Orangen. Zusammen mit dem Spaßmacher Truffaldino bricht er auf, um die ersehnten Früchte zu suchen. In den glücklich gefundenen Orangen stecken drei Prinzessinnen, von denen leider zwei unterwegs verdursten. Trotzdem kommt es zum glücklichen Ende: Der Prinz kann Ninetta, die dritte Prinzessin, heiraten. Um diese Geschichte rankt sich eine Rahmenhandlung, die den Disput von vier Zuschauerfraktionen thematisiert, die darum streiten, ob Komödien, Tragödien, lyrische Dramen oder Schwänke aufgeführt werden sollen. Immer wieder stürmen Die Ernsthaften, Die Lustigen, Die Romantischen und Die Hirnlosen in wildem Gewimmel auf die Bühne, um ihre Ansichten des richtigen Theaters durchzusetzen. Außerdem gibt es da noch Die Sonderlinge, die Theaterleute selbst, die am meisten Einfluss auf die Handlung nehmen, in dem sie etwa einen Eimer Wasser für Ninetta herbeischaffen, als auch diese zu verdursten droht. Auf der leeren Bühne, die hinten durch eine weiße, in einer Rundung vom Boden in die Wand übergehende Begrenzung abschließt und durch zwei zusätzliche Stuck-Portale ergänzt wird (Bühne: Frank Philipp Schlößmann), tummeln sich die bunten Bewohner der Märchenwelt in wunderschön farbenfrohen Kostümen (Mechthild Seipel), springen kreuz und quer über die Schwellen am Boden zwischen den Portalen und zeigen eine regelrechte Commedia dell'arte. Das passt, geht doch die Vorlage für Prokofjews Oper auf den Italiener Carlo Gozzi zurück, von dem auch einige Commedia-typische Figuren wie Truffaldino und Pantalone übernommen wurden. Im Gegensatz zu den buntgekleideten Figuren der Haupthandlung sind die Zuschauerfraktionen und Die Sonderlinge in vollständig weiße Kostüme gehüllt, die je nach Kleidungsstil zu unterscheiden sind.
Regisseur Andreas Homoki lässt auch hier seiner Vorliebe für Riesenrequisiten und detailgenaue Kinderzimmerausstattung, wie sie auch in seiner Inszenierung von Alexander Zemlinskys Zwerg an der Komischen Oper zu sehen ist, freien Lauf: Riesige Bücher und Kaspertheaterpuppen bevölkern die Bühne, der Prinz bekommt für die Suche nach den Orangen einen Fingerhut-Helm und eine große Nähnadel als Waffe und dergleichen mehr. Die detailliert gearbeiteten Requisiten begeistern nicht nur die zahlreichen Kinder im Publikum. Vor Beginn dieser 61. Vorstellung wurde um Verständnis gebeten: Aurelia Hajek, Darstellerin der Fata Morgana, sei erkältet, singe aber dennoch. Von Krankheit war nichts zu merken, Hajek meisterte ihre Rolle hervorragend. Auch die anderen Mitglieder des großen Solistenensembles bestachen durchweg durch großartige Leistungen, und eine zusätzliche Anerkennung ist ihnen für die sehr gute Textverständlichkeit auszusprechen, trotz des hohen Tempos und der Komplexität der Bewegungsabläufe auf der Bühne. Hier zeigt das Ensemble, dass Oper durchaus nicht Deklamationstheater sein muss, dass SängerInnen durchaus in der Lage sind, neben hoher musikalischer Qualität auch überzeugend, körperbetont und mit sehr viel Spaß zu spielen. Das Orchester (Musikalische Leitung: Michail Jurowski) wie auch die Chorsolisten der Komischen Oper und Mitglieder des Ernst-Senff-Chors (Einstudierung: Peter Wodner) arbeiten kraftvoll und präzise, könnten jedoch für die leiseren Töne gelegentlich etwas sensibler sein. Auf der Bühne und im Graben hatten alle sehr viel Spaß, das war zu merken, und dem Publikum ging es nicht anders. Zum Glück sind nicht alle Opernbesucher verknöcherte Misanthropen, und für solche ist dieser Abend gemacht. Wo bliebe der Zuschauernachwuchs ohne solche Werke in solchen Inszenierungen, die - ohne albern oder unintelligent zu sein - auch ein jüngeres und ganz junges Publikum begeistern können? Es muss nicht immer Die Zauberflöte sein. Gleichzeitig wird auch der erwachsene Zuschauer seinen Spaß haben und auf seine Kosten kommen. Opera buffa, Komische Oper vom Feinsten. |