30. März 2004
Konzerthaus Berlin

"Ein exzentrischer Professor"

"Teufelsgeiger" Andrew Manze

Programm

Dario Castello
Sonata seconda für Violine und Basso continuo

Giovanni Antonio Pandolfi Mealli
Sonata "La Melana" für Violine und Basso continuo op. 3 Nr. 3
Sonata "La Biancuccia" für Violine und Basso continuo op. 4 Nr. 4

Arcangelo Corelli
Sonate für Violine und Basso continuo C-Dur op. 5 Nr. 3

Pietro Locatelli
Sonate für Violine und Basso continuo d-Moll op. 6 Nr. 12

Mitwirkende

Andrew Manze - Violine
David Gordon - Cembalo

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"Ein exzentrischer Professor"

"Teufelsgeiger" Andrew Manze

Von Nancy Chapple

Andrew Manze

Gut 200 Zuhörer versammelten sich, um das kurze, intensive Konzert des "Teufelsgeigers" Andrew Manze und des Cembalisten David Gordon zu erleben: "Ein Jahrhundert italienischer Violinvirtuosität", fünf Sonaten von vier Komponisten, je ein Vierteljahrhundert auseinander komponiert. Die beiden Instrumentalisten hatten offensichtlich - und auch offenkundig - riesigen Spaß daran, jede in der Partitur erdenkliche vorhandene Stimmung gemeinsam intensiv auszukosten. Trotz der vielen kürzerer Phrasen bei den Sonaten von Dario Castello und Giovanni Antonio Pandolfi Mealli haben sie keine sinnentleerte reine forte-/piano-Wiederholungen gespielt, wie in der Barockmusik sonst häufig üblich.

Beide haben immer wieder Dissonanzen einzeln ausgekostet, zum Beispiel löste das Cembalo die Harmonien schon auf, wo die Geige sich nur langsam mit einem Glissando dem Ton näherte. Ein Lieblingseffekt: die Geige spielte eine Linie in fallenden Halbtonschritten, jeder neuer Ton in einer neuen Schattierung. Eine Lieblingsfarbe: mit dem Bogen ganz leicht über die Saiten zu streichen, fast oberflächlich die Saiten berührend. Manze erlaubte sich leichte Unsauberkeiten, die langen Töne oft etwas zu tief. Leider war auch die Stimmung der Violine nicht immer astrein.

Die beiden sahen einander freudig an, wenn es dem einen oder anderen gelangen, einem Stück ein neues Detail hinzuzufügen. Bei Corellis Sonate Op. 5 Nr. 3 improvisierten sie gemeinsam eine Kadenza - oder war sie vielleicht doch vorher komponiert? Das zweite Allegro wurde dann dem Namen der ganzen Konzertreihe - "Teufelsgeiger" - wirklich gerecht: Das Tempo blieb konstant schnell, aber die Intensität wurde weiter und weiter aufgedreht.

Andrew Manze hat eine etwas ungewöhnliche Bühnenpräsenz: Er wirkt wie ein etwas exzentrischer Professor. Seine Interpretationen waren stimmungsgetrieben aber nicht willkürlich. Beispielsweise wurde er in einem Satz etwas schneller oder in einem anderen wurde eine Appoggiatura besonders lange ausgedehnt. Die vielgepriesenen Aufnahmen Manzes sind mit anderen Cembalisten entstanden. Aber auch in David Gordon fand er einen Musiker, der durchaus bereit ist, viel Ausdruck in scheinbar einfachen Linien zu stecken. Die beiden haben viele fantasievolle, durchdachte Ideen, die aber in der Durchführung gelegentlich unsauber wirkten. Ob man auch bei einer Aufnahme das Gefühl bekäme, vor mitgeteilter Freude am Musizieren mitlachen zu wollen? Live auf jeden Fall.



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