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4. Dezember 2004 Komische Oper Berlin Weiber und SäueHans Neuenfels' Debüt an der Komischen Oper Berlin |
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ProgrammDimitri SchostakowitschLady Macbeth von Mzensk |
MitwirkendeKomische Oper BerlinMusikalische Leitung: Vassily Sinaisky Inszenierung: Hans Neuenfels Bühnenbild: Gisbert Jäkel Kostüme: Elina Schnizler Chöre: Robert Heimann Lichtgestaltung: Franck Evin Boris Timofejewitsch Ismailow: Neven Belamaric Sinowi Ismailow: Andreas Conrad Katerina Ismailow: Milana Butaeva Sergej: Jürgen Müller Aksinja: Beatrice Niehoff Der Schäbige: Christoph Späth Polizeichef: Carsten Sabrowski Pope: James Creswell Alter Zwangsarbeiter: Klemens Slowioczek Sonjetka: Caren van Oijen Zwangsarbeiterin: Beatrice Niehoff |
Weiber und SäueHans Neuenfels' Debüt an der Komischen Oper BerlinVon Melanie Fritsch / Fotos: Mara Eggert
"Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase," stellte schon Salomo im 11. Kapitel seiner Sprüche fest. Auch in Hans Neuenfels' Einstandsinszenierung an der Komischen Oper taucht dieser Satz auf und steht scheinbar programmatisch für die Sichtweise der im Stück vorkommenden Männerfiguren, dass Frauen nur zu ihrem persönlichen Eigentum und Vergnügen geschaffen sind. Die unglücklich verheiratete Kaufmannsfrau Katerina Ismailowa jedoch besteht auf ihren persönlichen Glücksanspruch und sieht die Möglichkeit einer Erfüllung dieses Anspruches in ihrer Liebe zum Angestellten Sergej. Für die Verwirklichung ihrer Träume wird sie zur Mörderin, zunächst des tyrannischen Schwiegervaters und schließlich auch (gemeinsam mit Sergej) ihres Ehemanns, der die beiden im ehelichen Bett überrascht. Nach der Aufdeckung der Verbrechen werden Katerina und Sergej zur Zwangsarbeit verurteilt. Während des Gefangenentransports erniedrigt Sergej Katerina zusammen mit seiner neuen Geliebten Sonjetka. Katerina ertränkt daraufhin die Rivalin und sich selbst.
Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk, die ihre Uraufführung 1934 in Leningrad erlebte, hatte ein zweischneidiges Schicksal. Bei ihrem Erscheinen wurde sie als Meisterwerk begrüßt. 1936 aber fiel Schostakowitsch ihretwegen in Ungnade, als eine Privatvorführung im Kreml das Missfallen Stalins erregte. Schostakowitsch wurde als Kleinbürger beschimpft und seine Musik verfiel dem Verdikt des Formalismus, was bedeutete, dass sie nicht in die offizielle Parteilinie passte. Später unterzog der Komponist seine Oper einer gründlichen Neubearbeitung und brachte sie unter dem Titel Katerina Ismailova 1963 in Moskau wieder heraus. In der Komischen Oper gibt es nun in der Regie von Hans Neuenfels und unter der musikalischen Leitung Vassily Sinaiskys die Originalfassung im wahrsten Sinne des Wortes auf die Ohren. Wie entfesselt dröhnt, steigt und singt, flüstert und rauscht die Musik Schostakowitschs durch den Saal und bringt die Ohren auch noch lange danach zum Klinge(l)n. Gelegentlich scheint es, als gälte es einen Lautstärkewettbewerb zu gewinnen.
Ganz anderes steht auf der Bühne: Bis auf das Notwendigste heruntergedreht das Bühnenbild, alles dreht sich um das boxringartige Bett, leider recht einfallslos die Kostüme. Russisch-ländliches Flair taucht nur als Reminiszenz auf. Also bleibt es den Figuren allein überlassen, sich ohne die Hilfe einer leicht verstehbaren Bebilderung gegen die Übermacht der Musik zu behaupten. Dies gelingt ihnen unter Neuenfels' klarer Führung auch recht gut: Es wird durchaus plausibel, weshalb Milana Butaevas stimmstarke "Katerina" von einem Unglück ins andere rennt, getrieben von drei dämonisch-strammen Hexen-Jünglingen. Ihr (Abzieh)Bild von einem Ehemann gibt Andreas Conrad mit solider Stimme weidlich schlaff, wohingegen Jürgen Müllers Sergej mit scharfem Tenor schon schneidiger daherkommt, doch von vornherein durchblicken lässt, dass auch er nicht "der Richtige" sein kann. Neven Belamaric, in der besuchten Vorstellung für den erkrankten Jens Larsen eingesprungen, spielt überzeugend den schwiegerväterlichen Tyrann, geht gelegentlich jedoch im Gedröhn des Orchesters unter. Ganz anders der wunderbare Chor, der sich präsent und stimmstark zeigt. Trotz aller Düsternis und Tragik der Handlung kommen auch die komischen Momente, personifiziert in James Creswells "Popen" und Christoph Späths "Schäbigem", nicht zu kurz. Aus welchen Gründen auch immer Neuenfels seinen Wechsel zur Komischen Oper vollzogen hat, sein Einstand ist ein solider. Auch wenn sich die Inszenierung optisch reduzierter präsentiert als ihre Vorgänger in der Bismarckstraße, versteht sie zu überzeugen. |