16. Oktober 2004
Deutsche Oper Berlin

Star am Belcanto-Himmel

Tenor Juan Diego Flórez gibt sein Berlin-Debüt an der Deutschen Oper

Programm

Gioacchino Rossini
Ouvertüre zu Semiramide
La speranza più soave aus Semiramide
Ouvertüre zu La Cenerentola
Si ritrovarla io giuro aus La Cenerentola
Ouvertüre zu Il Barbiere di Siviglia
Cessa di più resistere aus Il Barbiere di Siviglia

Vincenzo Bellini
E' serbato a quest'acciaro aus I Capuleti e I Montecchi
Ouvertüre zu Norma

Gaetano Donizetti
Una furtiva lagrima aus L'Elisir d'Amore
Ouvertüre zu La Fille du Regiment
Ah mes amis aus La Fille du Regiment

Mitwirkende

Orchester der Deutschen Oper Berlin
Juan Diego Flórez - Tenor
Musikalische Leitung: Riccardo Frizza

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Star am Belcanto-Himmel

Tenor Juan Diego Flórez gibt sein Berlin-Debüt an der Deutschen Oper

Von Heiko Schon

Juan Diego Flórez

Bezüglich der Vermarktungsstrategien haben sich die großen Klassiklabels in den letzten Jahren mit großen Schritten dem Bereich Pop genähert. Prachtvolle Stimmen lassen sich eben mit gutem Aussehen besser verkaufen. In dieser Hinsicht gehört der peruanische Tenor Juan Diego Flórez zur Elite der Branche. Nun gab er innerhalb eines Sonderkonzertes sein lang ersehntes Berlin-Debüt.

Schon bei seinem ersten Auftritt war Flórez mit viel Schmelz und Gewandtheit in seinem Element. Er demonstrierte seinen Rossini mit betörend sinnlicher Leichtigkeit und eroberte so das Publikum vor ausverkauftem Haus im Sturm. Seine silbrig klingende Stimme besitzt alle Ideale des vollendeten Belcantos: voller Klang, schönes Legato, brillante Spitzentöne. Bellini servierte Flórez mit innerer Dramatik und viel Verve. Den Nemorino aus Donizettis Liebestrank gestaltete er so romantisch, dass das Schmachtstück Una furtiva lagrima Frauen- und manche Männerherzen höher schlagen ließ. Die mehr als zwei Handvoll enthaltenen hohen C's der heiklen Arie Ah mes amis stemmte Flórez mühelos.

Die musikalische Seite erwies sich leider nicht als ebenbürtig. Vielmehr untermauerte das Orchester der Deutschen Oper unter Riccardo Frizza seinen Ruf als ein nur durchschnittliches Konzertorchester. Keine einzige der fünf Ouvertüren vermochte zu überzeugen; die Begleitung Flórez' kann bestenfalls als zurückhaltend solide bezeichnet werden. Die Musik wirkte steif, teils zerfasert und zu pauschal. Zudem sorgten falsche Einsätze und wegrutschende Töne für Unbehagen. Mit der Zugabe La donna è mobile wies Flórez eindeutig auf die nächsten Stufen seiner Karriere hin. Doch für die Rolle des Herzogs aus Rigoletto braucht es dann doch noch ein bisschen Zeit. Da die Deutsche Oper ihr erfolgreiches Rossini-Repertoire erweitern will (in Planung: Wilhelm Tell), ist ein hoffentlich baldiges Wiedersehen nicht auszuschließen.



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