9. September 2004
Kammermusiksaal

Im französischen Kontext

Eine Uraufführung von Hanspeter Kyburz bei den Festspielen

Programm

Claude Debussy
Streichquartett op. 10
Henri Dutilleux
Ainsi la Nuit
Hanspeter Kyburz
Streichquartett (Uraufführung, Auftragswerk der Berliner Festspiele und Musica Strasbourg)

Mitwirkende

Quatuor Diotima
Eiichi Chijiiwa - Violine
Nicolas Miribel - Violine
Franck Chevalier - Viola
Pierre Morlet - Violoncello

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Im französischen Kontext

Eine Uraufführung von Hanspeter Kyburz bei den Festspielen

Von Werner Friedrich

Etwas eingezwängt in die beherrschenden Programmpunkte - Interzone von Enno Poppe / Marcel Beyer, Stockhausens Klavierstücke und Bérénice von Johannes Maria Staud / Durs Grünbein - präsentierten die Berliner Festspiele am 9. September einen Quartettabend, der keinen Vergleich zu scheuen braucht: Das Quatuor Diotima brachte Hanspeter Kyburz' in diesem Jahr fertiggestelltes Streichquartett zur Uraufführung.

Neue Werke des an der Hanns-Eisler-Hochschule unterrichtenden, außerordentlich genau arbeitenden Komponisten sind selten, die Werkliste dementsprechend klein. Doch haben alle Arbeiten Gewicht und einen unverwechselbaren Charakter, der bei aller Konstruktivität nicht auf klangliche Wirkung verzichtet. In seinem jüngsten Werk lotet er Möglichkeiten des unterschiedlichen, zum Teil hochvirtuosen Zusammenspiels der vier Streichinstrumente aus, wobei er selbst "solistische", "polyphone" und "integrative" Abschnitte unterscheidet.

Eingefügt war das Quartett in einen rein französischen Kontext, der von Debussys einst bahnbrechendem Streichquartett op. 10 zu Henri Dutilleux' Ainsi la nuit von 1976 reichte. Die Auswahl scheint kein Zufall zu sein; der Hörer meinte nachträglich bestimmte Verbindungen des Quartetts von Dutilleux zu dem von Kyburz zu erkennen. Ob sich der Komponist selbst in einem solchen Kontext sieht, entzieht sich unserer Kenntnis; doch darf man davon ausgehen, dass Kyburz der Programmfolge zugestimmt haben wird.

Quatuor Diotima

Das französische Quatuor Diotima war für diese Musik das ideale Ensemble: Äußerst beweglich, mit einem weichen, geschmeidigen Ton, ohne aber je unpräzise zu werden, kostete es auch die berückende Klangschönheit von Debussys 1893 fertiggestelltem Werk bis zum Letzten aus.

Wie sein Name dokumentiert, hat das Ensemble mit Walter Levin, dem ehemaligen Primarius des LaSalle Quartetts gearbeitet, der auch der Quartettkultur im deutschsprachigen Raum zu einer neuen Blüte verholfen hat (das LaSalle Quartett hatte einst Luigi Nonos Streichquartett Fragmente - Stille, an Diotima uraufgeführt). Doch merkt man gerade an der Musik Debussys, dass auch die Neue Musik profitiert, wenn Musiker das ältere Repertoire beherrschen. Wir hoffen auf ein baldiges Wiederhören in Berlin.



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