01. Februar 2004
Staatsoper Unter den Linden - Apollosaal

Das Instrument

Ein Gesprächskonzert im Rahmen der Cadenza Barocktage

Programm

Marin Marais
Sonnerie de Sainte Geneviève du Mont de Paris

Johann Sebastian Bach
Sonate für Viola da gamba und Cembalo Nr. 2 D-Dur (Auszug)
Suite für Violoncello solo Nr. 2 d-Moll (Auszug)

Claude Debussy
Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll

Helmut Lachenmann
Pression für einen Cellisten

Felix Baumann
aussprechen Trio für Blockflöte, Gambe und Cembalo
Georg Philipp Telemann
Trio-Sonate F-Dur für Blockflöte, Viola da Gamba und Basso continuo

Mitwirkende

Isabel Mundry - Moderation
Egbert Schimmelpfennig - Viola da gamba / Pardessus de viole
Horst Krause - Viola da gamba
Nikolaus Hanjohr-Popa - Violoncello
Armin Thalheim - Cembalo
Almuth Kraußer-Vistel - Klavier
Susanne Seiffert - Blockflöte

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Das Instrument

Ein Gesprächskonzert im Rahmen der Cadenza Barocktage

Von Nancy Chapple

Die Staatsoper verkündigte später stolz, dass das Festival rings um L'Orfeo und René Jacobs - die Cadenza Barocktage - zu 92% ausgelastet war. Das abschließende Gesprächskonzert "Das Instrument" hat den Durchschnitt bestimmt nach unten gezogen, da nur gut 130 Leute sich im schönen Apollo-Saal zusammenfanden, um Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Komponisten, Interpreten und Instrumentenbauern zu bekommen. Moderiert von Isabel Mundry, Professorin für Komposition an der Frankfurter Musikhochschule, war das Thema die unterschiedlichen Klänge und Spielweisen des Cellos und der Viola da gamba und die daraus resultierenden kompositorischen Unterschiede.

Ziemlich genial der Einstieg mit einem Trio (Viola da gamba, Pardessus de viole, Violoncello) von Marin Marais, Sonnerie de Sainte Geneviève du Mont de Paris: wiederholte leicht variierten Muster innerhalb eines eng gezogenen Rahmens. Keins der Instrumente tat sich als Melodieinstrument hervor - somit waren Rhythmus und Harmonie die eng miteinander verschlungene bestimmende Elemente.

Seit es Instrumente, Komponisten und praktizierende Musiker gibt, wird diskutiert: Was kann man machen? Was darf man machen? Komponisten stellen sich einen Klang vor, müssen aber mit den Instrumentalisten abstimmen, ob es spielbar ist. Ein Stück gilt nämlich als schlecht komponiert, wenn ein bestimmter Ton gespielt werden soll, der auf dem Instrument gar nicht vorhanden ist. Aber Komponisten möchten Grenzen verschieben, was Spieltechnik und Klang betrifft. Auch nicht unwichtig die Hörgewohnheiten des Publikums: Wie weit darf der Komponist gehen? Was akzeptieren die Hörer?

Dem Cellisten Nikolaus Hanjohr-Popa kam die Rolle zu, uns durch die Jahrhunderte zu führen. Sein Einsatz bildete einen Bogen von einigen Sätzen der Bach Cello-Suite in d-Moll (reichhaltiger Ton, schöne Phrasierung, insgesamt gemäßigte Tempi, gelegentlich leicht unruhig bei kleineren Notenwerten) hin zu Debussys Sonate für Cello und Klavier (selbstbewusst und funkelnd begleitet von Almuth Kraußer-Vistel). In Debussys Komposition bilden die zwei Instrumente einen Klang und feuern einander an. Helmut Lachenmanns Solo-Stück Pression von 1969/70 war musikgeschichtlich eine Zäsur, weil die musikalische Notation nicht mehr den Ton selbst beschreibt, sondern das, was der Cellist zu tun hat. Ein Stück, das nicht mehr mit Melodik, Rhythmik und Harmonik arbeitet, sondern die klanglichen Möglichkeiten des Instruments bis an die Grenzen erforscht.

Für die letzten zwei Stücke kam ein Trio mit Blockflöte, Gambe und Cembalo zusammen. Im neuen Stück des anwesenden Schweizer Komponisten Felix Baumann aussprechen werden Klangmöglichkeiten der Instrumente zu einfachen wiederholten Themen ausprobiert: Trommeln auf der Blockflöte und mit Kamm und Händen Bauteile des Cembalos bearbeiten. Es fällt schwer das gesamte Werk zu beurteilen, da aus Zeitgründen einige Teile weggelassen wurden. Abgerundet wurde der Vormittag mit einer angenehmen Trio-Sonate von Telemann.



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