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22. April 2004 Staatsoper Unter den Linden Im Osten nichts NeuesMadame Butterfly an der Staatsoper mit einer enttäuschenden Miriam Gauci |
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ProgrammGiacomo PucciniMadame Butterfly |
MitwirkendeStaatsoper Unter den LindenMusikalische Leitung: Julia Jones Inszenierung: Eike Gramss Bühnenbild, Kostüme: Peter Sykora Chöre: Detlef Steffen Cio-Cio-San, gen. Butterfly: Miriam Gauci Suzuki: Rosemarie Lang Kate Pinkerton: Borjana Mateewa Pinkerton: Nicola Rossi Giordano Sharpless: Alfredo Daza Goro: Tom Martinsen Fürst Yamadori: Peter-Jürgen Schmidt Onkel Bonze: Bjarni Thor Kristinsson Der kaiserliche Kommissar: Bernd Zettisch Staatskapelle Berlin Staatsopernchor |
Im Osten nichts NeuesMadame Butterfly an der Staatsoper mit einer enttäuschenden Miriam GauciVon Nancy Chapple In der Oper Madama Butterfly, die in dieser Produktion schon seit 1991 an der Staatsoper Unter den Linden gespielt wird, dreht sich alles um das Schicksal der Titelheldin: mit fünfzehn an einen amerikanischen Marineleutnant verheiratet, um vor der drohenden Armut und dem möglichen Schicksal eines Geisha-Girls gerettet zu werden. Dies ist kein radikal neuer Ansatz, der die Handlung oder den Hintergrund der Oper nutzt, um uns etwas über hier und heute mitzuteilen. Es wäre zum Beispiel durchaus möglich, die Oper als ein Drama um Kolonialismus oder auch Tourismus zu spielen, das den verderblichen Einfluss durch fremde Einmischung in sonst intakten Kulturen aufzeigt. Aber hier hatte jeder lediglich sein eigenes Päckchen zu tragen, Butterfly erlitt ihr tragisches Schicksal - und das war es. Die größte Schwäche dieser Aufführung war leider Butterfly selbst, Miriam Gauci. Sie wirkte überhaupt nicht jung und frisch. Wahrscheinlich kann die Rolle durchaus von einer reiferen, erfahreneren Sängerin eingenommen werden, aber dann muss das Publikum ihre Reize, ihre Frische spüren können - das war hier nicht der Fall. Das Schlimmste war aber nicht ihre Unglaubwürdigkeit in der Rolle, oder ihre manchmal schneidende Stimme, sondern die einfache Tatsache, dass sie sehr oft schmerzhaft falsch sang - in den hohen Lagen manchmal übertüncht von sehr viel Vibrato, aber dadurch nicht besser. Nicola Rossi Giordano in der Rolle von Pinkerton hat zwar eine starke Stimme in der italienischen Tenortradition - allerdings war auch er schauspielerisch nicht sonderlich stark. Unglaubwürdig war auch das Zusammenspiel mit Butterfly: zum Beispiel im großen Duett am Ende des I. Aktes: Die Beiden wirkten keineswegs wie ein echtes Paar. Natürlich haben Butterfly und Pinkerton je ihre eigenen Illusionen der Liebe, aber hier sangen sie einander nicht zu. Der erste richtig spannende Augenblick im ersten Akt, sowohl von der Stimme als auch von den Orchesterklängen her, war die Erscheinung von Onkel Bonze, hier gesungen von Bjarni Thor Kristinsson. Eine gelungene Szene dann auch im zweiten Akt, als Sharpless versuchte, Butterfly Pinkertons Brief vorzulesen und sie ihn dauernd unterbrach. Ansonsten gab es viel Statisches, was nicht durch sängerische Leistungen überbrückt wurde. Das Bühnenbild gefällt, ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen. Am Anfang stehen eine Reihe Hütten entlang der linken Bühnenseite; man bekommt sofort den Eindruck, dass die japanischen Einwohner eng aufeinander und sehr betriebsam leben; im Gegensatz dazu die freistehende Villa des reichen Amerikaners. Das Bild stimmt, aber bietet eben auch nicht viel Neues. Es gibt verschiedene Punkte, wo die Darstellung in Verbindung mit dem gesungenen Wort unglaubwürdig ist: Sharpless singt, dass er "immer bergauf" gehen muss, während er eine Treppe hinunterläuft; die Augen des kleinen blonden Jungen, der die undankbare Rolle des gemeinsamen Sohnes spielte (verzweifelt umarmt, herumgetragen, und dem immer wieder von der "Mama" laut ins Ohr gesungen wurde), werden besungen mit den Worten: "seine blauen Augen sind zweifellos wie Pinkertons" - und dabei ist Giordano der typische Italiener mit schwarzem Haar und braunen Augen! Julia Jones, musikalische Leiterin, führte vom Orchestergraben sehr aktiv und engagiert. Deutlich signalisierte sie die Einsätze und schuf einen expressiven, warmen, einnehmenden Klang. Bei der langen Ouvertüre zum III. Akt merkte man wieder, wie schön dieses Orchester klingt: viele Farben, klare Phrasen, leicht zu erkennende charakteristische Motive. (Leider stellt uns die Staatsoper keine Fotos zur Verfügung) |