18. Dezember 2004
Kammermusiksaal

Ein leuchtender Chor mit Begleitung

Die Berliner Bach Akademie mit dem vollständigen Weihnachtsoratorium

Programm

Johann Sebastian Bach
Weihnachtsoratorium, Kantaten I-VI

Mitwirkende

Chor und Orchester der Berliner Bach Akademie
Heribert Breuer - Dirigent

Ingrid Schmithüsen - Sopran
Ulrike Helzel - Alt
Martin Petzold - Tenor
Siegfried Lorenz - Bass

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Ein leuchtender Chor mit Begleitung

Die Berliner Bach Akademie mit dem vollständigen Weihnachtsoratorium

Von Nancy Chapple

Heribert Breuer ist ein begnadeter Chordirigent, und bei der Aufführung des vollständigen Weihnachtsoratoriums sang seine Berliner Bach-Akademie ihre Herzen aus: präzise, bewegend, voller Begeisterung. Die vorangehende intensive Probenarbeit war offenkundig durch die rhythmische Klarheit, die Präzision der Einsätze und die sehr gute Intonation. Die a cappella Stellen waren durchgehend atemberaubend schön, zum Teil so langsam, dass das Ganze beinahe zu entgleisen drohte - aber eben nur beinahe. Ohne Taktstock dirigiert Breuer seinem Chor mit großen, hingebungsvollen, manchmal übertriebenen und dadurch leicht undeutlichen Gesten, aber das Orchester musste mit kaum hinreichenden Handbewegungen und einem gelegentliches Nicken zurecht kommen - wohl zu wenig für die Komplexität der Partitur.

Auch wenn einige der Musiker des aus verschiedenen Berliner Orchestern zusammengesetzten Ensemble durchaus gute Leistungen zeigten, wollte der Gesamtklang nicht überzeugen. Vielleicht lag das Problem der Balance in der eher sinfonischen Besetzung: Da die Instrumentalisten auf modernen Instrumenten spielten, war der Klang nie schlicht, auf das Wesentliche heruntergeschliffen, stützend, sondern glatt und verschleiert.

Abgesehen von Martin Petzold in der Rolle des Evangelisten, der mit der Klarheit seiner hohen Töne und seinem expressiven Gesang überzeugte, waren die Solisten auch nicht durch die Bank gut. Die kurzfristig eingesprungene Mezzosopranistin Ulrike Henzel übernahm den Alt-Part und setzte am Anfang sehr viel Vibrato ein; im Verlauf des doch dreistündigen Abends reduzierte sie den Effekt auf einen erträglicheren Maß. Auch hatte sie die Angewohnheit, jeden einzelnen Ton übertrieben zu gestalten: "Be-rei-te Dich Zi-on", zum Beispiel, war vollgepackt mit unpassendem Ausdruck, wobei sich die schönen einzelne Töne nicht zu wohlklingenden Phrasen vereinten. Bei seinem ersten Basssolo "Großer Herr" bekam man den anschließend nicht mehr wegzudenkenden Eindruck, dass Siegfried Lorenz am liebsten nur undifferenziert brüllte oder bellte. Die verzierte Basslinie mit vielen Sechzehntelnoten war im Saal kaum auszumachen.

Die zweite Hälfte hatte insgesamt mehr Schwung, Orchester, Chor und Solisten schienen besser zusammen zu musizieren. Auch gab es manche Spielereien, die unter Umständen dazu gedacht waren, die Aufmerksamkeit durch alle sechs Teile des Oratoriums hoch zu halten: zum Beispiel eine ungewöhnliche Platzierung der Altistin neben der Bratsche oder in der vierten Kantate das Echo von der Empore ("ja, ja") zwischen den wunderschön spielenden Oboen und den Sopranen.

Vielleicht sollte sich Heribert Breuer in Zukunft etwas mehr um das Orchester und das Zusammenspiel kümmern. Ein schöner Chor allein macht noch kein gutes Konzert.



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