17. März 2004
Philharmonie

Viermal Bartók

Pierre Boulez und die Berliner Philharmoniker

Programm

Bela Bartók
Tanzsuite Sz 77
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. post. Sz 36
Konzert für Viola und Orchester op. post. Sz 120
Der wunderbare Mandarin op. 19 Sz 73

Mitwirkende

Berliner Philharmoniker
Pierre Boulez - Dirigent
Gidon Kremer - Violine
Yuri Bashmet - Viola

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Viermal Bartók

Pierre Boulez und die Berliner Philharmoniker

Von Nancy Chapple

Farbig instrumentiert und rhythmisch komplex aber in überschaubar kurze Sätze eingeteilt, ist die Tanzsuite ein guter Einstieg in einen Ganz-Bartók-Konzertabend. Pierre Boulez hielt sich als Gastdirigent penibel an die Partitur und schuf einen transparenten und reichhaltigen Klang. Allerdings blieb die Stimmung etwas gehalten.

Gidon Kremer

Beim Violinenkonzert spielte Gidon Kremer die erste Geige. Nicht nur als Solist, sondern auch im übertragenen Sinne übernahm er die sonst eher beim Dirigenten zu erwartende gestaltende Rolle. Der erste Satz beginnt mit einem langen Solo, weitere Instrumente des Orchesters gesellen sich nach und nach hinzu: Boulez' präzise und transparente Orchesterführung gab dem Solisten einen Teppich und Kremers satter Ton setzte sich beeindruckend oberhalb des Orchesterklangs durch. Kremer hatte es im Griff, kein Husten zwischen den Sätzen zuzulassen, sondern direkt zum nächsten anzusetzen. Er gestaltete den Klang, das Tempo, den Charakter des ganzen Stückes; wie ein Kammermusiker spielte er mit dem Orchester, niemals gegen es. Bei den leidenschaftlichen Passagen mit intensivem Vibrato erzählte er uns eine Geschichte. Das erste Violinenkonzert ist ein Jugendstück von Bartók, und man erkennt schon hier seinen Ideenreichtum ohne dass er vollständig wusste, wie sie zueinander passen sollten.

Yuri Bashmet

Yuri Bashmet war der Solist im Konzert für Viola und Orchester. Sein Ton war etwas kratzig, gelegentlich kurz unsauber - aber er machte sich das Stück ganz zu eigen. Das leicht Geschmierte passte auch genau zu der sich intensivierenden Stimmung der Durchführung. Im Adagio religioso waren die Vogelklänge in der Flöte und der Piccolo mitreißend, die lang ausgehaltenen Töne im Orchester unterstützten diese Stimmung. Den dritten Satz spielten Orchester und Solist perfekt zusammen.

Das dramatischste Stück des Abends war Der wunderbare Mandarin. Das Orchester kam endlich richtig zur Geltung, weder zur Unterstützung des Solisten delegiert noch vom Dirigenten etwas blass gehalten. Hier schimmerten die dissonanten Intervalle regelrecht, die Blechbläser waren ausgezeichnet. Insgesamt erlebten wir an dem Abend viel der lyrischen, melodischen Seite von Bela Bartok und weniger den berühmten "Allegro barbaro"-Aspekt seiner Natur.



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