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29. Februar 2004 Staatsoper unter den Linden Frauen-PowerAriadne von Naxos an der Staatsoper |
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ProgrammRichard StraussAriadne auf Naxos |
MitwirkendeStaatsoper Unter den LindenMusikalische Leitung: Michael Boder Inszenierung: Reinhild Hoffmann Bühnenbild: Hartmut Meyer Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer Der Haushofmeister: Christoph Quest Ein Musiklehrer: Jochen Schmeckenbecher Der Komponist: Katharina Kammerloher Der Tenor / Bacchus: Stephen Gould Ein Offizier: Peter-Jürgen Schmidt Ein Tanzmeister: Dietmar Kerschbaum Ein Perückenmacher: Bernd Zettisch Ein Lakai: Bernd Riedel Zerbinetta: Elena Mosuc Primadonna / Ariadne: Anne Schwanewilms Harlekin: Klaus Häger Scaramuccia: Peter Menzel Truffaldin: Gerd Wolf Brighella: Wilfried Gahmlich Naiade: Ekaterina Siurina Driade: Simone Schröder Echo: Carola Höhn |
Frauen-PowerAriadne von Naxos an der StaatsoperVon Heiko Schon Ein jugendlich-frisches, freches Spektakel und ein höchst amüsanter Opernabend: die schnörkellose Neuproduktion aus der letzten Spielzeit der Staatsoper, ein kurzweiliges Stück Musiktheater. In Ariadne wird Theater selbst zum Thema und bleibt doch magischer Spiegel des Lebens. Ideal und Wirklichkeit stehen in komischem, aber sich gegenseitig bedingtem Widerspruch. Der Librettist Hugo von Hofmannsthal, dessen sechs Arbeiten mit Richard Strauss zu den erfolgreichsten Opern des 20. Jahrhunderts gehören, hielt die Komposition für das Beste, was in der gemeinsamen Zeit entstanden war. Ob aber mit Reinhild Hoffmann, von Haus aus Choreografin, eine ideale Regisseurin verpflichtet wurde, diese Frage lässt sich nicht vorbehaltlos bejahen. Wenn im Vorspiel die Vorbereitung der festlichen Veranstaltung - bei der das Trauerspiel und die Buffo-Maskerade nach Willen des Gastgebers erst nacheinander, dann aber zusammen aufgeführt werden sollen - in die letzte Phase geht und sich nicht nur der hitzköpfige Komponist sondern auch die Primadonna über die Zumutung empören, sind Hoffmann wundervolle Szenen gelungen. Hier wird Eifersucht gezeigt, kräftig rumgezickt und der Schadenfreude freien Lauf gelassen. Eben Theater im Theater. Die Stärken liegen in der klaren Zuordnung der Charaktere, im Freiraum der Solisten, die diese mal mehr mal weniger zur Profilierung zu nutzen wissen. Der Prolog endet augenzwinkernd, indem sich die perfekt besetzte Katharina Kammerloher (Komponist) mit sattem Mezzo in den Orchestergraben stürzt. Leider bleibt die Inszenierung zu Beginn der Oper irgendwo im Bühnenbild von Hartmut Meyer stecken. Denn nachdem sich der sandfarbene Wandvorhang des Vorspiels gehoben hat, schaut man lediglich in eine graue Röhre, die alles oder nichts bedeuten kann. Etwas weniger Distanz zum Stück und mehr einfallsreiche Optik sowie eine klare Aussage hätten hier gut getan. Stattdessen konzentriert sich Hoffmann in der Insel-Geschichte zu sehr auf Spiel und Tanz, lässt Zerbinetta mit ihrer Altherren-Truppe wie auf dem Spielplatz herumtollen und Bacchus drei Runden auf dem Skateboard drehen. Ariadne dagegen verfällt in fast totale Bewegungsstarre und hat nicht viel mehr zu tun als einsam im schwarzen Samtkleid auf ihrem Luxussofa zu verharren. Doch diese szenischen Unzulänglichkeiten nimmt man gern in Kauf, denn Spaß macht es allemal. Zum Spaß trägt auch der transparente Sound der bestens aufgelegten Staatskapelle unter Michael Boder wesentlich bei. Boder kostet alle Stilbrüche der Partitur genüsslich aus, leistet Detailarbeit und bereitet der Regie mit seiner feurigen und witzigen Interpretation den idealen kammermusikalischen Klangteppich, ohne den intimen Charakter des Stückes zu missachten. Insgesamt sind die Männer an diesem Abend blass. Mit der stiefmütterlich angelegten Rolle des Bacchus im scheußlichen Goldlack-Leoparden-Outfit (Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer) ist Stephen Gould überfordert: Sein leicht gepresster Tenor bewältigt die Partie nur mit einiger Mühe. Szenisch wirkte er wie zuletzt in der Toten Stadt (Deutsche Oper) ausdruckslos. Und auch der Harlekin Klaus Hägers bleibt unauffälliger als nötig. Einzig männlicher Lichtblick war der Musiklehrer von Jochen Schmeckenbecher. Doch er allein konnte nicht überspielen, dass sie nur schmückendes Beiwerk für die weiblichen Kollegen waren. Die Zerbinetta von Elena Mosuc war ein Wunder an Charme und Geschmeidigkeit. Ihrem angenehm timbrierten und glockenklaren Sopran mangelte es weder an Textdeutlichkeit noch Stimmvolumen. Das Bravourstück der "Großmächtigen Prinzessin" meisterte sie mit schönstem Pianissimi und perfekten Spitzentönen. In Anbetracht der Konzeption ihrer Figur als zottelige Ulknudel wirkten die selbstbewusst-kessen Auftritte absolut überzeugend. Anne Schwanewilms (Ariadne) schwankte wunderbar zwischen Entrüstung und Resignation, mal schäumend vor Wut, dann depressiv trauernd. Ihr gelang so ein facettenreiches, stimmlich einwandfreies Doppelporträt. Die Inbrunst und Durchschlagskraft ihres Vortrages blieb bis zuletzt konstant. Auch die drei virtuosen und kahlköpfigen Nymphen bestätigen das abschließende Urteil über diese Produktion: Frauen-Power an der Staatsoper. Die Inszenierung steht neben März 2004 voraussichtlich ab Oktober 2004 wieder auf dem Spielplan. (Leider stellt uns die Staatsoper keine Fotos zur Verfügung) |